Rott und marode: Kunden schimpfen über die Zustände in bekanntem Luxus-Spa
„Meridian“ – die Wellnessclubs, die diesen Namen tragen, waren mal die besten und exklusivsten in der ganzen Stadt. „Meridian“ – das stand für Luxus und für Premium-Qualität. Nun sorgt ein Brandbrief für Aufsehen, den 140 langjährige Mitglieder des Clubs in Alstertal unterschrieben haben, und in dem von verschimmelten Saunen und Duschen die Rede ist und von einer problematischen neuen Klientel, die sich an keine Regeln hält. Diese Vorwürfe haben sogar das Gesundheitsamt auf den Plan gerufen. Was in dem Club wirklich los ist? MOPO-Reporter machten sich vor Ort ein eigenes Bild – und waren erstaunt, was sie zu sehen bekamen.
Das ganze Drama um „Meridian“ soll vor vier Jahren begonnen haben, als das Unternehmen von einem britischen Wellness-Clubbetreiber geschluckt wurde. Seither heißen alle Niederlassungen – auch die fünf in Hamburg – „David Lloyd Meridian“. Nach Überzeugung langjähriger Mitglieder hat sich damals weit mehr verändert als nur der Name. „Die Qualität geht den Bach runter und die Preise werden munter erhöht“, meint einer. „Aus dem Laden so viel Geld rauszuquetschen wie möglich, nur darum geht es anscheinend noch.“
Der Vorwurf: Schimmel in Bädern und Saunen, kaputte Wände und Fliesen, rissige Liegen
Anfang Januar sei nun schon zum dritten Mal innerhalb von 20 Monaten der Mitgliedsbeitrag angehoben worden, bemängeln die Kritiker. Rund 130 Euro zahlt ein Mitglied dem Vernehmen nach inzwischen, allerdings sollen die Preise sehr unterschiedlich sein. Auch die Erhöhungen fielen ganz verschieden hoch aus – „als würde das ausgewürfelt“. Auskunft zu seiner Preisgestaltung gibt das Unternehmen nicht.
Die jüngste Preiserhöhung hat das Fass nun offensichtlich zum Überlaufen gebracht. In einem Brandbrief fordern 140 langjährige Mitglieder des Clubs in Alstertal (Heegbarg), dass die Anhebung zurückgenommen wird. Angesichts der vielen Mängel sei es unangemessen, mehr Geld zu verlangen. Und dann listen sie auf, was im Club alles im Argen liege.
Das könnte Sie auch interessieren: Masseur vergewaltigt Frauen im Luxus-Spa – „sie hatten keine Chance“
Von defekten und rissigen Liegen ist die Rede, von schmutzigen Saunabänken, von angerosteten Treppengeländern, von Schimmel in den Duschräumen und fehlender Reinigung der Duschen als auch der Umkleideräume. Außerdem kritisieren die Mitglieder defekte Föne und Getränkeautomaten, ein „müffelndes und unhygienisches Dampfbad“, ein Damen-WC, das nach „Kloake“ riecht, eine dezimierte Anzahl von Trainern und Kursen usw.
„Müffelndes, unhygienisches Dampfbad“ und ein Damenklo, das nach Kloake stinkt
Ein großes Problem sei auch das deutlich veränderte Publikum: Viele Neukunden seien „jung und aggressiv“. Entsprechend laut sei es im Club geworden. Regeln würden häufig missachtet: Gäste würden ungeduscht und mit Slip in den Pool gehen und mit Badekleidung ins Dampfbad und in die Sauna, was unhygienisch sei. Ein Kritiker meint: Das Personal traue sich meist nicht, die fraglichen Kunden zur Ordnung zu rufen – aus Angst, „was aufs Maul zu kriegen“.
In dem Brandbrief heißt es schließlich: „Wir fühlen uns nicht mehr so gut aufgehoben wie noch vor einigen Jahren. Wir möchten einen attraktiven Wellness-Spa in hoher Qualität erhalten.“ Es sei aber nicht spürbar, dass das Management dieses Ziel auch verfolgt.
Heftige Vorwürfe. Aber was ist dran? MOPO-Reporter packen Bademantel, Handtuch und Badehose ein – und schauen sich vor Ort um. Unsere Einschätzung: Das „David Lloyd Meridian Alstertal“ wirkt in Teilen tatsächlich ziemlich „abgerockt“. Dringende Renovierungen sind offenbar lange unterblieben.
Viele Kleinigkeiten, die sich zu einem negativen Gesamteindruck summieren
Wir betreten das Haus über die Tiefgarage und gehen durch eine völlig verschrammte Tür. Kein guter erster Eindruck bei einem Luxus-Wellness-Tempel. Das möchte „Meridian David Lloyd“ doch weiterhin sein, oder?
In der Herrenumkleide fällt uns die abgetretene Versiegelung des Parkettfußbodens auf: überall große dunkle Flecken. Der Boden hätte längst mal abgeschliffen und neu versiegelt gehört. In den Duschen sind die Fugen teils schwarz. Das sieht aus wie Schimmel.
Weiter zum Pool: Dessen Oberfläche besteht aus Mosaikfliesen, von denen aber viele rausgebrochen sind. Die Auflagen mehrerer Liegen sind rissig. Wir sehen rostige Geländer. Über den Whirlpools klaffen riesige Löcher in der Decke – da ist die Verkleidung abmontiert. An einer Tür, die nach draußen führt, gibt es nur noch von innen eine Klinke – außen ist sie verschwunden. Wer einmal fest an der Klinke zieht, hat sie in der Hand.
Viele Kleinigkeiten, die sich zu einem eher negativen Gesamteindruck summieren.
Diese Treppe zum Whirlpool ist doch der Hammer
Aber es geht noch weiter. Rauf zur Dachterrasse: Wir werden von anderen Gästen aufmerksam gemacht auf die große dunkle Stelle im Vorraum der Japanischen Sauna. Die Leute um uns herum haben keinen Zweifel: „Schimmel.“ Höhepunkt aber ist die kleine Treppe, die rauf in den Außen-Whirlpool führt. Sie ist total marode. Schauen Sie sich das Foto an!
Was sagt das Management von „David Lloyd Meridian“ zu alldem? Jens Heinze (53), der Deutschland-Chef, steht uns Rede und Antwort – und gibt zu, dass Handlungsbedarf besteht. Nachdem vor zwei Jahren der Foyer- und der Fitnessbereich für vier Millionen Euro saniert worden seien, sei in diesem Jahr der komplette Duschbereich dran. „Da wird komplett alles von oben bis unten neu gemacht.“ Das Geld dafür sei freigegeben. An den MOPO-Reporter gewandt: „Und das ist keine Entscheidung, die wir nach Ihrer Anfrage getroffen haben. Das haben wir den Mitgliedern schon im vergangenen Jahr kommuniziert.“
Auch anderswo müsse dringend was geschehen, findet Heinze und spricht beispielsweise den großen Pool an. Das allerdings sei erst machbar nach Ende der Saison, denn er müsse dann einige Zeit stillgelegt werden. Dringend saniert werden müsse auch die Treppe zum Whirlpool auf der Dachterrasse – „die sieht nicht sehr einladend aus, absolut richtig“. Die Sanierung könne aber erst erfolgen, wenn die Temperaturen steigen. Bei Frost gehe das nicht.
Meridian-Manager Jens Heinze verspricht: „Die Duschen werden 2024 saniert“
Es ist also nicht so, dass Heinze die Kritik als völlig abwegig bezeichnet. Aber es gibt auch Punkte, da widerspricht er den Unterzeichnern des Brandbriefes: Vorwürfe, es werde im Club nicht genügend gereinigt, weist er zurück. „Auf Reinigung legen wir großen Wert. Wir geben jeden Monat einen mittleren fünfstelligen Betrag dafür aus.“
Auch den Vorwurf, die Duschen seien verschimmelt, lässt er nicht auf sich sitzen. Wie er sich die schwarzen Fugen erklärt, wollen wir wissen. Er sagt: „Ich gebe zu, das sieht nach Schimmel aus, ist aber keiner. Die Verfugung wird durch Nutzung ausgewaschen und dann dringt Feuchtigkeit ein, was zur Verdunkelung führt.“
Und was ist mit dem Vorwurf, eine neue Generation von Gästen neige dazu, sich nicht an Regeln zu halten? Heinze sagt: „Ich kann Ihnen versichern, dass wir sehr großes Augenmerk auf das Verhalten in Saunen etc. legen. Aber da hat sich in den letzten fünf, sechs Jahren nichts verändert. Fehlverhalten gab es immer.“
Das könnte Sie vielleicht auch interessieren: Britischer Fitness-Riese schluckt Hamburger Wellness-Kette
Ob diese Erklärung die Kritiker verstummen lässt? Aktuell erhält das „Meridian David Lloyd Alstertal“ auffallend viele schlechte Noten auf Bewertungsportalen im Internet. „Nach fünf Jahren Mitgliedschaft vom wunderschönen Feng Shui Spa zum Peng pfui Spa, was mich sehr traurig macht“, heißt es da beispielsweise. Ein anderer schreibt unter der Überschrift: „From Hero to Zero“: „Was früher ein toller Club war, wurde spürbar heruntergewirtschaftet.“ Eine gewisse Andrea Luckow, nach eigenem Bekunden Mitglied der ersten Stunde im „Meridian Alsteral“, urteilt: „Ich gebe 1 Stern, weil es 0 leider nicht gibt.“
Übrigens: Da auch beim Bezirksamt Nord etliche Beschwerden über den Club eingegangen sind, wird das dortige Gesundheitsamt noch in diesem Monat eine Begehung durchführen. Das hat Claudia Petschallies, Sprecherin des Bezirksamtes Nord, der MOPO bestätigt.