Otto Group Alexander Birken
  • Otto-Chef Alexander Birken führte den Hamburger Konzern bislang stabil durch die Corona-Pandemie. (Archivbild)
  • Foto: dpa | Felix König

Riesiges Wachstum: Wie ein Hamburger Konzern Corona trotzt

Der Corona-Pandemie zum Trotz ist der Otto-Konzern gut durch die erste Hälfte des laufenden Geschäftsjahrs gekommen. Die Halbjahresbilanz des Hamburger Traditionsunternehmen präsentierte ein starkes Umsatzwachstum. Damit kann nicht einmal der US-Riese Amazon mithalten.

In jeder Krise steckt eine Chance, alte Fehler zu erkennen und ihre Wiederholung zu verhindern, sagt ein Sprichwort. Dem Otto-Konzern ist das während Corona offenbar gut gelungen. Weltweit sei der Konzernumsatz seit Ende Februar um 20 Prozent gestiegen, was Otto auf eine besonders hohe Nachfrage in den Bereichen Mode, Wohnen und Lifestyle zurückführt.

Hamburger Traditionshändler überholt Amazon

Damit überholt Otto auf das reine Umsatzwachstum bezogen sogar Amazon. Der US-Handelsriese erwartet für das laufende Quartal „nur“ ein Umsatzplus von 16 Prozent. Ein Grund dafür könnte die Logistik sein, die Amazon derzeit an seine Grenzen bringt. Die Lager sind seit langem voll und Händler:innen können höchstens in kleineren Stückzahlen nachliefern, wenn überhaupt. Amazon wollte vornehmlich aus Kostengründen nur noch für die Endlogistik zuständig sein – und verkalkulierte sich damit offenbar, analysierte kürzlich „t3n“. Eine Chance für den Otto-Konzern?


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„Wir haben in den vergangenen Jahren einen hohen dreistelligen Millionenbetrag in die Logistikcenter investiert“, sagte Otto-Chef Alexander Birken im „Handelsblatt“. Mittlerweile sei es deutlich schwieriger geworden, „gute Logistikflächen“ zu erwerben. Er sei froh, dass die Investitionen längst getätigt wurden.

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Zudem will Otto mit einem weiteren Punkt gegen den großen Rivalen punkten: Hochwertige Produkte von seriösen Anbieter:innen. 2200 Marken seien schon auf dem Otto-Marktplatz vertreten, Tendenz steigend. Fälle wie bei Amazon, dass die Handelnden keine Umsatzsteuer hierzulande zahlten und sich damit einen Vorteil gegen die heimische Konkurrenz verschafften, soll es beim Hamburger Konzern nicht geben.

Anstelle übermäßig voller Lager setze Birken lieber auf die Vorteile moderner Technologie. „Mithilfe künstlicher Intelligenz können wir die Nachfrage relativ genau vorhersagen und auf diese Weise sehr gezielt die Waren bestellen“, sagte der 57-Jährige weiter.

Hamburger Otto-Konzern setzt auf Künstliche Intelligenz

Wie gut dieses Prinzip funktioniert, zeigt die US-Tochter Crate and Barrel. Das Möbel- und Einrichtungshaus hatte 2020 ihre Ladengeschäfte wegen der Pandemie komplett schließen müssen – der Halbjahresbericht weist aktuell ein Umsatzplus von rund 37 Prozent auf. Der digitale Handel weise eine „gute zweistellige Wachstumsrate“ vor, teilte Otto mit.

Otto Bramfeld
Die Zentralle des Otto-Konzerns in Bramfeld. (Archivbild)

Auch die Witt-Gruppe, ebenfalls eine Otto-Tochter, profitierte demnach stark von digitalem Wachstum. Obwohl die Marke eher auf eine Zielgruppe jenseits der 50-Jährigen ausgelegt sei, habe der Umsatz im Online-Handel um 38 Prozent zugelegt. Wo mehr online geshoppt wird, fallen auch mehr Pakete an: Das wiederum verschaffte dem Otto-eigenen Dienstleister Hermes ein Umsatzplus von 30 Prozent im Vorjahresvergleich.

Starke Zahlen legte auch das Start-up „About You“ vor, das der Konzern erst im Juni an die Börse brachte. Die Entwicklung sei „sehr positiv“ ausgefallen. Zuletzt hatte „About You“ die Umsatzprognose für das Geschäftsjahr auf 1,725 Milliarden bis 1,775 Milliarden Euro erhöht.

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„Alles in allem sind wir bisher sehr gut durch die Pandemie gekommen“, hielt Otto-Chef Birken kurz und knackig fest. Der Blick in die nähere Zukunft bleibe positiv, obwohl sich bereits eine „eine Abschwächung der Dynamik im Onlinehandel“ erkennen lasse. Für das gesamte Geschäftsjahr erwarte der Otto-Konzern einen deutlich gestiegenen Umsatz und ein operatives Ergebnis auf Niveau des Vorjahres (2020/21: 688 Millionen Euro).

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