Riesiger „Lost Place“ vergammelt: Jetzt gibt es einen neuen Plan
Mehr als 100 Jahre wurden hier Kämme aus Hartgummi produziert, die unter martialisch klingenden Namen wie „Matador“ oder „Herkules“ unter Friseuren weltweit zu Verkaufsschlagern wurden. Inzwischen ist das ehemals beeindruckende Gebäude der „New York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie“ zum bekanntesten Lost Place Harburgs verfallen. Immer wieder gab es Spekulationen um das Objekt, nun macht der Bezirk einen großen Schritt nach vorn.
Wucherndes Unkraut, Graffiti, Scherben und Verfall: Trotzdem lässt sich noch erahnen, was die inzwischen denkmalgeschützte Fabrik an der Ecke Nartenstraße/Neuländer Straße einst für ein gigantisches Gebäude gewesen sein muss. Im Jahr 2009 wurde die Produktion nach über 100 Jahren nach Lüneburg verlagert – seitdem entwickelte sich die ehemalige Gummiwarenfabrik zum Spekulationsobjekt, während der Zahn der Zeit weiter an der Fassade nagt.
Lost Place: Frühere Pläne scheiterten
Im Jahr 2019 verkündete der Berliner Unternehmer Christoph Gröner vollmundig, dort ein „Zukunftsquartier, das für modernes und nachhaltiges Leben, Wohnen und Arbeiten steht“, errichten zu wollen. Schon 2024 sollte das 420-Millionen-Euro-Projekt fertiggestellt sein. Nach einem Architekturwettbewerb geschah jedoch – gar nichts. Das Areal liegt weiter im Dornröschenschlaf, wurde zum Lost Place. Seitdem wurden die Grundstücke mehrfach an Investoren weitergereicht. Inzwischen befinden sie sich in Händen zweier Eigentümergesellschaften.
Der Bezirk Harburg unternimmt nun einen nächsten Versuch, die 14.000 Quadratmeter große Fläche wiederzubeleben. Grundlage dafür soll ein neuer Bebauungsplan sein, der Anfang der Woche in der Bezirksversammlung vorgestellt wurde. Dieser bestimmt die Rahmenbedingungen, an die sich potenzielle Investoren halten müssten. Zunächst hatte das „Abendblatt“ berichtet.
Entstehen könnte auf dem Areal demnach Gewerbe in „mehrgeschossiger Bebauung“, vornehmlich mit Büro-, Dienstleistungs-, Produktions- und Handwerksnutzungen. Im Erdgeschoss wären Werkstätten oder „gewerblich geprägte Höfe“ vorstellbar. Insgesamt solle mit einer Verbindung zum südlichen Quartier „Neuländer Quarree“ ein „attraktives Arbeitsumfeld mit eigenständiger städtebaulicher Prägung“ entstehen. Wohnungen sind nicht geplant, denn das Areal ist aufgrund der jahrzehntelangen Verarbeitung von Hartgummi mit krebserregenden Schadstoffen kontaminiert.
Lost Place: Gegenüber soll ein neues Wohnquartier entstehen
Immerhin soll auf der gegenüberliegenden Brachfläche ein neues Wohnquartier, das „Neuländer Areal“, entstehen. Vor kurzem stellten der Hamburger Immobilieninvestor Dieter Becken und das Architekturbüro „Strömer Murphy and Partners“ die Pläne vor: Das 2019 mal angedachte „Marriott-Hotel“ entfällt, dafür soll der Anteil der günstigen Wohnungen erhöht werden. Genauere Details sind noch nicht bekannt.
Lesen Sie auch: Menschenverachtend, antisemitisch – und Redner bei einem Gemeindefest?
Was aber wird aus dem Lost Place? Bis der Bebauungsplan in der Bezirkspolitik beschlossen wird, können mehrere Jahre vergehen. Dazu braucht es Gutachten, Untersuchungen und auch die Öffentlichkeit wird beteiligt werden. Und dann müsste sich ja auch noch ein Investor finden – das erscheint aufgrund der hohen Schadstoffbelastung bislang allerdings unwahrscheinlich.