Rettung der Sternbrücken-Clubs: Hamburg bekommt ’ne neue Party-Meile

Visualisierung der Kasematten am Deichtor mit einem Club und einem Café, davor Menschen
Der künftige Standort für die Sternbrücken-Clubs „Fundbureau“ und „Beat Boutique“ soll Hamburgs neue Partymeile werden.

Lange mussten die Clubs unter der Sternbrücke zittern: Die Eisenbahnbrücke wird abgerissen, ihre Heimat dem Erdboden gleichgemacht – ein neuer Standort war nicht in Sicht. Doch wie die MOPO vor drei Wochen exklusiv erfuhr, finden „Fundbureau“, „Beat Boutique“ und Co. eine neue Heimat. Am Freitag zeigte Senator Dressel die neue Location für die Kult-Clubs. Erfahren Sie hier, wo Hamburgs neue Partymeile entstehen soll und was genau geplant ist.

Es ist zwar nicht die Sternbrücke, aber doch eine Eisenbahnbrücke mit ratternden Zügen. Dazu raue Mauern und Graffitti: Die Kasematten an den Deichtorhallen verströmen tatsächlich einen Hauch Sternbrücken-Feeling. Hier sollen bald die Clubs „Fundbureau“ und „Beat Boutique“ einziehen.

Sternbrücke wird abgerissen – Clubs verlieren ihr zu Hause

Jahrelang war die Sternbrücke ihr zu Hause: oben S-Bahn und Fernzüge, unten die mit dumpfen Bässen erfüllte Nacht. Doch dieses Party-Zentrum wird bald sterben – am 31. Dezember steigen hier die letzen Raves, bevor die Sternbrücke abgerissen wird und mit ihr die kleinen Clubs.

Das „Fundbureau“ unter der Sternbrücke bei Nacht
Die Sternbrücke wird abgerissen – die Clubs darunter, hier das „Fundbureau“, verlieren damit ihre Heimat. (Archivbild)

Eigentlich sollten Fundbureau, Waagenbau und Co. in ein Clubhaus ganz in der Nähe ziehen. Doch die Planungen verschoben sich immer wieder und das Clubhaus wurde nie gebaut. Das Ende der Kult-Läden stand somit kurz bevor.

Doch vor drei Wochen die gute Nachricht: Alle Clubs sind gerettet. Am Freitag präsentierte Andreas Dressel (SPD) die neue Location an den Deichtorhallen – der Finanzsenator ist gleichzeitig auch Chef der städtischen Sprinkenhof, die für die Sanierung der Gewölbe zuständig ist.

Die Kasematten an den Deichtorhallen wird das neue zu Hause für die Sternbrücken-Clubs – dass hier bald die Nacht durchgetanzt wird, ist noch schwer vorstellbar.
Die Kasematten an den Deichtorhallen werden das neue Zuhause für die Sternbrücken-Clubs – dass hier bald die Nacht durchgetanzt wird, ist noch schwer vorstellbar.

Derzeit wird das Gewölbe, in das die Clubs im Frühling ziehen sollen, für eine knappe Million Euro saniert. Dass hier in wenigen Monaten Hunderte Partygänger bis in die Morgenstunden tanzen sollen, ist noch schwer vorstellbar. Bisher zeigen nur Visualisierungen das künftige bunte Treiben vor den Kasematten.

An den Deichtorhallen soll ein ganz neuer Kiez entstehen – gefeiert wurde hier allerdings früher schon: Das legendäre „Traxx“ war in den 90er Jahren, als Clubs noch „Disco“ hießen, einer der angesagtesten Party-Orte in Hamburg. Stars und Sternchen feierten in der Kasematte nahe den Deichtorhallen, und Poptitan Dieter Bohlen soll dort sogar Verona Feldbusch, heute Pooth, kennengelernt haben.

Der Bereich rund um die Altländer Straße soll zu Hamburgs neuer Party-Meile werden.
Der Bereich rund um die Altländer Straße soll zu Hamburgs neuer Party-Meile werden.

Die Club-Besitzer zeigten sich höchst zufrieden: „Es ist eine totale Erleichterung, dass wir jetzt eine Perspektive haben“, sagt „Beat Boutique“-Chef Marco Francke. Dass so lange unklar war, ob und wie es für den Laden weitergeht, sei sehr anstrengend gewesen.

Party-Hotspot Sternbrücke: „Für viele ist das da wie ein zweites Wohnzimmer“

Auch Luna Twiesselmann vom „Fundbureau“ ist froh, dass es an den Deichtorhallen weitergeht. „Hier sind viele Museen in der Nachbarschaft, die Umgebung ist total toll“, sagt sie mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Gleichzeitig sei es natürlich sehr traurig, dass die Zeit unter der Sternbrücke zum Jahreswechsel zu Ende geht: „Für viele ist das da wie ein zweites Wohnzimmer“, sagt Twiesselmann.

Luna Twiesselmann vom „Fundbureau“ ist sehr zufrieden mit der neuen Location an den Deichtorhallen.
Luna Twiesselmann vom „Fundbureau“ ist sehr zufrieden mit der neuen Location an den Deichtorhallen.

Bis die Kasematten im Frühjahr bezugsfertig sind, wird es das „Fundbureau“ und die „Beat Boutique“ eine Weile nicht geben – für die Betreiber heißt das: mehrere Monate ohne Einnahmen. „Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass es keine Unterbrechung für die Clubs gibt, bis sie hier an den neuen Standort ziehen können“, sagt Senator Dressel der MOPO. Doch für so ein aufwendiges Projekt fahre man schon ein sehr ordentliches Tempo. Und auch „Beat Boutique“-Chef Marco Francke winkt ab: „Das ist keine Herausforderung. Wir haben mehrere Jahre Corona ausgehalten, die paar Monate schaffen wir jetzt auch noch.“

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Der „Waagenbau“ zieht im Übrigen nicht an die Deichtorhallen – dem Vernehmen nach hat man aber auch für den Techno-Schuppen eine Lösung gefunden. „Wir sind mit dem ,Waagenbau‘ derzeit noch im Gespräch und in einem sehr guten Austausch“, sagte Senator Dressel.

In ungefähr zwei Jahren sollen das „Fundbureau“ und die „Beat Boutique“ in benachbarte Kasematten ziehen. Dann soll auch die „Bar 227“ dazukommen. Und wenn es nach Senator Dressel geht, sollen noch viele weitere Läden Hamburgs neue Partymeile an den Deichtorhallen bereichern.