Raven um 6 Uhr früh – aber mit schwarzem Kaffee statt bunten Pillen
Techno, Tanzen, Teile schmeißen – für viele junge Hamburger ist das die heilige Dreifaltigkeit des Wochenendes. Gesund für Geist und Seele geht allerdings anders. Als Gegenentwurf zum nächtlichen Partymachen mit bewusstseinserweiternden Substanzen fand vor kurzem Hamburgs erste „A.M.“-Party statt – an einem Donnerstagmorgen um 6 Uhr früh, mit selbstgemachten „Powerballs“ und brühfrischem Kaffee.
Elektronische Klänge pulsieren rhythmisch aus der Musikanlage, am Mischpult bereitet der DJ bereits wie in Trance inmitten blinkender Lichter den nächsten Song vor, die Tanzfläche ist voll. Doch was ist das? Statt Astra trinkt das Partyvolk Americano. Raven vor der Arbeit, um energetisch in den Tag zu starten – ganz ohne Drogen. Das ist das Konzept des „A.M.“-Raves (A.M.= lat. vor dem Mittag) der zum musikalischen Frühsport animieren will.
Raven statt Snoozen
Die Idee dazu entstand vor wenigen Wochen im Team von „Geheimtipp Hamburg“, dem Veranstalter des Events. „Solche ,A.M.‘-Raves gab es bereits in New York, Utrecht und Köln – da dachten wir uns, dass Hamburg das auch mal probieren muss“, erzählen Inga (22) und Leonie (29), die das Event mitorganisiert haben.
Bei der Suche nach einer passenden Location fiel die Wahl schnell auf das „Pallas“ am Neuen Pferdemarkt 13 (Sternschanze). „Das ist für alle – egal ob links oder rechts der Alster – gut erreichbar, dachten wir uns.“ Der Ticketverkauf lief hauptsächlich über Instagram, rund 270 Karten wurden verkauft. „Unsere Zielgruppe sind 20- bis 30-Jährige, aber uns freut, dass auch ein paar Ältere ihren Weg zu uns gefunden haben“, sagt Inga lächelnd. Dass der Andrang so stark ist, haben die Veranstalterinnen nicht erwartet: „Wir hätten nicht gedacht, dass so eine ,Wake-Up-Party‘ so krass abgeht.“
Energetisch in den Tag starten – Ida ist positiv überrascht
Der Rave läuft von 6 bis 10 Uhr morgens – ein ungewohnter Zeitrahmen für Techno-Beats. Doch die Gäste lassen sich nicht lange bitten. „Um kurz vor 6 Uhr standen schon die ersten vor der Tür, das kann aber natürlich auch daran liegen, dass die ersten 50 Gäste einen Gastro-Gutschein in Höhe von 10 Euro von uns bekommen haben“, erzählt Leonie.
Und wie kommt der Früh-Rave an? Ida (21) aus Eimsbüttel zeigt sich positiv überrascht: „Es ist voller als gedacht, aber gleichzeitig nicht so eng auf der Tanzfläche wie normalerweise am Wochenende. Die Stimmung ist außerdem viel entspannter.“ Sie könnte sich gut vorstellen, künftig eine Mischung aus regulären Partys und „A.M.“-Raves zu besuchen. Ihr Fazit nach der ersten Morgensause: „Ich hab eben schon getanzt und jetzt so viel Energie, dass ich gar nicht weiß, was ich damit anfangen soll.“
Kein Platz für Restalkohol
Ab 8 Uhr leert sich die Tanzfläche allmählich. „Wir haben damit gerechnet, dass spätestens um 9 Uhr einige gehen, weil sie dann zur Arbeit müssen“, sagt Inga. Trotzdem halten einige wohl bis zum Schluss durch – vielleicht beflügelt vom Koffein und den lauten Technobeats. Doch auch für jene, die sich vor der Arbeit nicht ekstatisch auspowern wollen, ist gesorgt. Einige Tische im vorderen Bereich laden zum „gemütlichen“ Frühstücken ein – mit etwas anderem Ambiente.
Klar ist, die Zielgruppe sollen ausschließlich energetische Frühaufsteher unter der Woche sein. Anders als etwa der Fischmarkt am Sonntag soll der „A.M.“-Rave nicht zur letzten Station für Feiernde werden, die gerade aus dem Club torkeln. „Betrunkene Feiergänger wollen wir hier nur ungerne haben. Das würde das entspannte und friedliche Beisammensein stören“, stellt Leonie klar. Damit das so bleibt, sollen zukünftige Veranstaltungen ausschließlich unter der Woche stattfinden. „Am Wochenende gehen die Leute ja eh abends feiern.“
Rave zum Frühstück – bald fester Bestandteil der Stadt?
Kulinarisch setzt das „Pallas“ auf Frühstück statt Feierabendbier. Die Bar, an der sonst Cocktails, Bier und Wein fließen, serviert Kaffeespezialitäten, frisch gepressten Orangensaft und Drinks wie den „Breakfast Highball“ (9,50 Euro), eine Mischung aus Earl Grey, Zitrone, Soda und einem alkoholfreien Aperitif. In einer kleinen Nische sorgt Tarek (22), Koch im „Pallas“, für Abhilfe gegen den kleinen Hunger: Croissants (2,50 Euro), „Powerballs“ (1,50 Euro) und andere Teigspezialitäten. „Die Stimmung ist besser als erwartet“, sagt er.
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Und wie sieht die Zukunft der Morgenpartys aus? „Wir sind sehr zufrieden mit der Menge an Leuten, die dem ,A.M.‘-Rave eine Chance gegeben haben. Das wird höchstwahrscheinlich nicht das letzte Event dieser Art gewesen sein“, sagt Leonie.