„Rassistisch“: Hamburger Theater entschuldigt sich für „schwerwiegende Fehler“
Vergangenes Wochenende feierte das Deutsche Schauspielhaus seinen 125. Geburtstag. Bei der großen Jubiläumsfeier wurden Besucher mit auf eine Zeitreise durch die lange Geschichte des Theaters genommen. Doch bei der Vorstellung wurden auch Aufnahmen von „Blackfacing“ gezeigt. Das ist nicht der einzige „große Fehler“, den Intendantin Karin Beier nun einräumt.
Am vergangenen Sonntagabend feierte das Deutsche Schauspielhaus sein 125-jähriges Bestehen. Der Abend endete mit Standing Ovations – und mit ordentlich Kritik. Was war passiert?
Blackfacing-Aufnahmen gezeigt
Zum Jubiläum brachte das Ensemble die Geschichte des 1900 eröffneten Deutschen Schauspielhauses auf die Bühne – inklusive Best-of vergangener Inszenierungen. Dabei wurden auch Theaterfotos projiziert, unter anderem von den „Othello“-Aufführungen von Peter Zadek (1976) und Stefan Pucher (2004), auf denen weiße Darsteller mit dunkel geschminkten Gesichtern zu sehen waren. Diese Praxis, bekannt als „Blackfacing“, gilt als zutiefst rassistisch.

Blackfacing geht auf die ‚Minstrel Shows‘ des 18. und 19. Jahrhunderts in den USA zurück. Bei diesen Musik- und Unterhaltungsshows schauspielerten dunkel geschminkte Darsteller häufig Sklavenrollen und bedienten dabei rassistische Stereotype.
Offener Brief: Kulturschaffende sind „entsetzt“
Nach der Jubiläumsfeier zeigten sich Kulturschaffende in einem offenen Brief „entsetzt“ über die gezeigten Aufnahmen und forderten eine Stellungnahme des Hauses. Diese folgte am Freitagabend in einem Beitrag auf den sozialen Medien, in dem Schauspielhaus-Intendantin Karin Beier „zwei schwerwiegende Fehler“ einräumte, für die das Theater Verantwortung übernimmt.
Beier: Fotos wurden nicht angemessen kontextualisiert
Zum einen seien die Fotos in ihrem Kontext in keiner Weise angemessen dargestellt gewesen, so Beier. „Wir haben fälschlicherweise angenommen, dass die Präsentation innerhalb einer Darstellung der Theatergeschichte eine hinreichende Kontextualisierung darstellt. Das war ein Irrtum.“ Der unterhaltende Charakter der Geschichtsdarstellung habe eine kritische Auseinandersetzung mit der rassistischen Praxis des Blackfacings unmöglich gemacht, heißt es in dem Beitrag weiter. „Damit blieb das gezeigte Blackfacing eine rassistische Darstellung, die Menschen verletzt, ausgrenzt und diffamiert.“
Der „zweite große Fehler“ sei die unmittelbare Reaktion des Schauspielhauses auf die „völlig berechtigte“ Kritik gewesen, so Beier. Diese sei „oberflächlich und unzureichend“ gewesen. „Wir entschuldigen uns aufrichtig bei allen Menschen, die wir durch unser Handeln verletzt haben – insbesondere bei Schwarzen Menschen und People of Color.“
Schauspielhaus will Vertrauen zurückgewinnen
Das Geschehene stehe im Widerspruch zum Anspruch und Selbstverständnis des Theaters, „das sich der Antidiskriminierung und dem respektvollen Umgang mit allen Menschen verpflichtet fühlt. Diese Fehler und die daraus folgenden Verletzungen, Irritation und Empörung tun uns zutiefst leid.“
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In den Kommentaren unter dem Post loben zahlreiche Nutzer das Statement. „Fehler eingestehen, bedeutet Stärke“, schreibt so eine Nutzerin. Andere bleiben kritischer: „Dieses Statement war das absolut Notwendigste. Besser wäre es gewesen, wenn dieser Fehler gar nicht erst passiert wäre“, schreibt eine andere Nutzerin.
Auch das Schauspielhaus betont: „Wir können die Fehler nicht ungeschehen machen, aber wir werden in unserer Unternehmenskultur und in unserer Bühnenkunst alles dafür tun, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.“ (mp)
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