Randale vor Edel-Klub: Wirt flippt aus

Mit nacktem Oberkörper steht der wütende „Chesa“-Wirt im Eingang seines Lokals, Polizisten versuchen, ihn zu überwältigen.
Mit nacktem Oberkörper steht der wütende „Chesa“-Wirt im Eingang seines Lokals, Polizisten versuchen, ihn zu überwältigen.

Randale im Edelklub – was gibt es Schöneres für einen jungen Polizeireporter? Als ich in der Nacht zum 4. Dezember 1977 an der „Chesa“ beim Schlump eintraf, wurde ich nicht enttäuscht, dort stauten sich schon die Peterwagen, und auch die Feuerwehr war vor Ort.

Das Nachtlokal mit der schweren, holzvertäfelten Tür muss man dem geneigten Leser heute erklären. Gegründet vermutlich vom Gastronomen Peter Belkofer (führte auch die legendäre „Tenne“ in Kampen/Sylt), wurde die „Chesa“ in den 1970er Jahren schnell zum Treff von Schickeria, Promis und Rotlichtfiguren. Es soll auch einige weibliche Gäste gegeben haben, die gegen Barzahlung bereit waren, mit männlichen Gästen ins Bett zu steigen. Einer der Stammgäste: der legendäre NDR-Moderator Carlo von Tiedemann (1943-2025).

Die „Chesa“ war damals ein Edel-Klub in Hamburg

Im März 1977 starb der „Chesa“-Betreiber an Krebs, und Angelika M. übernahm den Nachtklub am Schlump in Eimsbüttel. Die Gastronomin hatte einen cholerischen Mann, und der drehte nach einem Streit mit seiner Frau in jener Nacht komplett durch und demolierte die wertvolle Einrichtung des Klubs. Er warf Whiskyflaschen in Spiegel, zertrümmerte Barhocker und räumte die Bar ab.

Angelika M. konnte dem Tobenden entkommen und die Polizei rufen. Zunächst erschienen zwei Peterwagen vor Ort, doch die vier Beamten zogen sich zurück, weil sie von dem Wüterich mit Flaschen bombardiert wurden. Die Polizisten riefen über Funk Verstärkung, und drei weitere Peterwagen mit sechs Mann Besatzung rückten an.

Der Wirt hatte die Holztür verrammelt

Der Randalierer hatte aber inzwischen die schwere Holztür verrammelt. So wurde auch die Feuerwehr gerufen, damit die Fachleute die Tür knacken konnten. Dann öffnete der Wirt eine Klappe und redete durch diese heftig auf die Beamten ein. Normalerweise nutzte diese Klappe der Türsteher, um gefahrlos überprüfen zu können, ob die Leute vor der Tür auch zum edlen Klub passen würden.

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Als der Wirt gerade die Klappe wieder schließen wollte, steckte ein Beamter seinen Gummiknüppel in den Spalt. Es begann ein wildes Gezerre, dann gab der ausgeflippte Wirt scheinbar auf, öffnete die Tür. Mit nacktem Oberkörper und wirrem Blick stürzte er sich auf die Polizisten. Die setzten Gummiknüppel ein, doch jetzt griff wiederum die Ehefrau ein und versuchte, sich vor ihren Mann zu stellen. Nach einem wilden Gerangel konnten dem Gastwirt schließlich Handschellen angelegt werden.

Die MOPO-Klatschreporterin Dagmar Vieljans schrieb damals zu meinem Foto: „Arme Chesa, was ist aus dir geworden …“

Die „Chesa“ wurde die Animierbude für ein Bordell

Tja, aber es kam noch übler. Nach verschiedenen Besitzerwechseln war das Lokal schließlich nur noch Animierbude für das Bordell „Nobel“ an der nahen Schröderstiftstraße. Die Freier sprachen die Prostituierten am Tresen der „Chesa“ an, und im Taxi ging es dann in den Puff am Fernsehturm.

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Lang, lang ist es her … Irgendwann in den 2000er Jahren wurde die „Chesa“ dichtgemacht. Vor ein paar Jahren ist das Lokal dann umgebaut worden, und eine große Wohnung mit Terrasse entstand. Aus dem „Nobel“, welches sich in einer schönen Villa befand, ist ebenfalls wieder ein Wohnhaus geworden.