Ramsch, Kunst, Skurrilitäten: Willkommen in der Zauberwelt im Karoviertel

MOPO-Reporter in Krimskrams-Laden
Da staunt MOPO-Reporter Thomas Hirschbiegel: Jeder Quadratzentimeter ist im Kellerladen an der Marktstraße angefüllt mit Krimskrams.

Von der Decke baumeln Kasperleköpfe, Netze voller Kunststoffteile oder die Hände einer Schaufensterpuppe. Im Eingang steht eine uralte Beinprothese aus Holz, daneben stolpert man über ein halbes menschliches Skelett aus Kunststoff. Willkommen im „Galerielokal Senator Watrin“ im Karoviertel. Treffender wär’ aber wohl die Bezeichnung: der irrste Trödelladen Hamburgs, eine Zauberwelt aus Ramsch, Kunst und allerlei Skurrilitäten.

Schon auf dem Gehweg vor dem schrägen Laden in der Marktstraße 29 stapeln sich Berge von Trödelkrams. Doch das ist noch gar nichts im Vergleich zum Inneren des Geschäfts. Jeder Quadratzentimeter ist gefüllt mit allerlei Krimskrams. Instinktiv zieht man den Kopf ein, wenn man den Kellerladen betritt. Befinden sich hier 10.000 Gegenstände oder sind es eher eine Million?

Eingang des Ladens
Der irre Laden befindet sich in der Marktstraße 29

Schreck beim Anblick von Gummimasken

Sehr vorsichtig, fast ängstlich betreten die MOPO-Reporter den Laden, staunen über ein Display mit ausgestopften Mäusen, erschrecken beim Anblick von Gummimasken, an denen früher einmal die Mund-zu-Mund-Beatmung geübt wurde. Wir blättern in der 60 Jahre alten Jugendzeitschrift „Rasselbande“, entdecken ein verrücktes Teil nach dem anderen.

Kunstwerk mit Zigaretten
So was nennt man dann wohl „Kippenkunst“

Nur einen Menschen finden wir nicht und rufen: „Hallo“, doch niemand reagiert. Wir machen uns schon Sorgen. Liegt der Laden-Betreiber vielleicht unter all dem Kram, wurde er verschüttet? Da entdecken wir einen freundlich lächelnden Herrn, der in einer Ecke ein Buch liest. Voilà! „Senator“ Stephan Watrin. Der 76-jährige Rheinländer hat einmal ein ganz bürgerliches Leben geführt, war Abteilungsleiter bei „Kaufhof“. Das füllte ihn nicht aus, und er wurde Erzieher, doch auch diesen Job, dann schon in Hamburg, gab er auf, weil er „mehr Zeit für die Kunst haben wollte“.

Besitzer im Laden
Kaum zu entdecken: Stephan Watrin (76) in seinem schrägen Geschäft

„Kunst“ bedeutet für Watrin unter anderem das Sammeln weggeworfener Teile aus Kunststoff, die er dann zu tatsächlich kunstvollen bunten Gebilden verknüpft. Überhaupt, das Sammeln, das ist eine echte Lust, aber manchmal wohl auch eine Last für den Mann.

Begonnen hat alles mit einer Kindernähmaschine

Angefangen hat es vor 45 Jahren mit einer Kindernähmaschine, die Watrin eigentlich einer „jungen Liebe“ schenken wollte. Aber dann gefiel ihm das Teil so gut, dass er es behielt, und irgendwann brachen alle Dämme, seine Wohnung wurde zu voll.

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2003 konnte Watrin dann den Kellerladen an der Marktstraße mieten. Sammlers Traum wurde wahr. Und heute steht Watrin dazu, was er schon vor 15 Jahren bekräftigt hat: „Ich bin ja verrückt.“ Und ein bisschen verrückt, aber auch herrlich sozial muss wohl auch der Hausbesitzer sein, der Watrin die Räume im Karoviertel nun schon so lange zur Verfügung stellt.

Von der Decke baumeln Kasperleköpfe, Netze voller Kunststoffteile oder die Hände einer Schaufensterpuppe. Im Eingang steht eine uralte Beinprothese aus Holz, daneben stolpert man über ein halbes menschliches Skelett aus Kunststoff. Willkommen im „Galerielokal Senator Watrin“ im Karoviertel. Treffender wär’ aber wohl die Bezeichnung: der irrste Trödelladen Hamburgs, eine Zauberwelt aus Ramsch, Kunst und allerlei Skurrilitäten.