Radwege weg und Tempo 20: Zoff um Pläne für wichtige Verkehrsader in Eimsbüttel

Osterstraße
Zwischen Rad- und Autofahrern wird es auf der Osterstraße in Hamburg-Eimsbüttel manchmal eng.

Rot-weiße Absperrungen blockieren derzeit die Osterstraße in Eimsbüttel, schwere Bagger graben sich in den Boden – seit Monaten herrscht hier Ausnahmezustand wegen Bauarbeiten für eine neue Fernwärmeleitung. Jetzt droht neuer Streit: Die Verwaltung plant Tempo 20 und will die Radfahrstreifen entfernen. Autos und Radfahrer sollen sich künftig die Fahrbahn teilen. Die Planungen laufen bereits seit fast einem Jahr – doch nun stellt sich die SPD quer. Was steckt dahinter?

Rund um die Baustelle an der Ecke Osterstraße/Heußweg herrscht an diesem Nachmittag reges Treiben. Passanten eilen mit Einkaufstüten vorbei, dazwischen schlängeln sich Radfahrer. Dass die Hamburger Energiewerke seit Sommer 2024 hier das Fernwärmenetz ausbauen, wissen viele. Weniger bekannt ist jedoch, dass hier bald Tempo 20 gelten könnte.

Tempo 20 in der Osterstraße: Das plant die Verwaltung

„Die Schutzstreifen sind mittlerweile nicht mehr regelkonform, zudem lässt sich dort an einigen Stellen die vorgeschriebene neue Abstandsregel (Pkw zu Fahrrad) von 1,50 Metern nicht einhalten”, sagt ein Sprecher des Bezirks auf MOPO-Anfrage. Besonders eng wird es im Bereich der Mittelstreifen, die zum Teil mit Beeten versehen sind.

Der Plan der Verwaltung: Noch während die Bauarbeiten in der Osterstraße im Gange sind, soll hier ein sogenannter verkehrsberuhigter Geschäftsbereich eingerichtet werden. Die Radschutzstreifen fallen weg, dafür herrscht Tempo 20 und Mischverkehr – Radfahrer und Autos teilen sich die Straße.

Baustelle
Die Baustelle an der Ecke Osterstraße/Heußweg wird noch bis Herbst 2025 bestehen.

Zusätzlich soll der Lieferverkehr durch mehr Ladezonen verbessert werden und einige Ampeln entfallen, etwa an der Ecke Osterstraße/Emilienstraße. Der Verkehr auf der Osterstraße würde dort Vorrang erhalten. Damit Fußgänger trotzdem sicher über die Straße kommen, sollen die Mittelstreifen stellenweise verbreitert und die Fahrbahn angepasst werden.

Was halten die Passanten an der Osterstraße von den Plänen? „So wie es ist, kann es nicht bleiben“, sagt Lehrerin Florentine Lohse (43), die ihr Rad vorbeischiebt. Selbst auf dem eingezeichneten Fahrradweg fühle sie sich neben den Autos unwohl. Das bestätigen auch andere Radfahrer, mit denen die MOPO sprach. Dafür hat auch Autofahrer Christian Meichsner (67) Verständnis, der Bauunternehmer aus Eppendorf hat in der Osterstraße einige Immobilien. Tempo 20 „wäre mal ein Versuch”, sagt er – und geht noch weiter: Seiner Meinung nach könnte man den Autoverkehr dort komplett verbannen.

Florentine Lohse
Florentine Lohse (43), Lehrerin aus Eimsbüttel, wünscht sich eine bessere Verkehrsführung in der Osterstraße.

Viele Einzelhändler, Gastronomen und andere Geschäftsleute sehen die Pläne kritisch: „Wir sind da eher etwas vorsichtig”, sagt Tobias Struck, der im „Pfandhaus Friedrich Werdier KG” arbeitet. Er spricht für den Verein Osterstraßen e.V., die Interessensgemeinschaft der Gewerbetreibenden. Ihnen wäre es lieber, wenn die Straße wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt würde – mit den Radfahrstreifen. Die Gewerbetreibenden haben Sorge, dass weniger Kunden kommen, der Lieferverkehr Probleme hat und es keine richtige Rettungsgasse mehr gibt.

Struck nimmt einen Zollstock in die Hand und legt ihn kurzerhand am Radweg an, ab dem Kantstein misst er etwa 1,50 Meter. Er findet, da sei genug Platz. Während die MOPO-Reporter mit Struck sprechen, ist der Abstand zwischen den vorbeifahrenden Autos und Radfahrern nach Augenmaß jedoch häufig geringer als die vorgeschriebenen 1,50 Meter.

Tobias Struck
Tobias Struck von der Interessengemeinschaft Osterstraße e.V. findet, dass hier genug Platz ist.

Skeptisch ist auch Nicole Conrad vom Restaurant „Alpenkantine” nahe der Kreuzung Heußweg. „Ich fühle mich fremdbestimmt”, sagt sie. Conrad glaubt nicht an die Zusage der Verwaltung, dass die neuen Pläne keine Verzögerungen der Bauarbeiten nach sich ziehen. Sie macht sich Sorgen, dass noch weniger Gäste kommen.

SPD will Pläne der Verwaltung stoppen

Das erste Mal wurden die Pläne im Frühjahr vergangenen Jahres vorgestellt. Jetzt soll die Politik darüber abstimmen – das löst Debatten aus. Die SPD will die Pläne stoppen: „Ich habe große Sorge vor dem angedachten Mischverkehr”, sagt Roland Oehlmann von der SPD-Fraktion. Wie das die Sicherheit der Radfahrer erhöhen soll, hält er für unklar. „Zudem könnte der Busverkehr bei Tempo 20 und haltenden Lieferanten massiv verlangsamt werden”, so Oehlmann.

Bislang seien die Pläne aus seiner Sicht nie richtig vorgestellt worden. Ähnliche Bedenken hat die CDU-Fraktion.

Kathrin Warnecke von den Grünen ist anderer Meinung: „Es ist eine gute Lösung, die minimal invasiv wäre und zusätzliche Baustellen vermeidet”, sagt sie. „Parkplätze und Buslinien bleiben erhalten, da muss sich niemand Sorgen machen.” Für Radfahrer sei es auf den bisherigen Streifen eindeutig zu eng.

Fahrrad-Initiative plant Demonstration für Tempo 20

Die Alternative zu Tempo 20 ohne Radstreifen wäre Tempo 50 ohne Radstreifen. Dieser Meinung ist aktuell auch der Bezirk, prüft allerdings die Frage allerdings noch mit den zuständigen Behörden. Bei Tempo 20 gemeinsam mit den Autos auf der Straße fahren, das fände Radfahrerin Florentine Lohse auch in Ordnung. „Solange sich alle an die Geschwindigkeit halten”, fügt sie hinzu. Bei Tempo 50 würde sie sich unwohl fühlen.

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Die Initiative „Kurs Fahrradstadt” veranstaltet nun sogar eine Demo für die Pläne der Verwaltung. Sprecher Jörn Bödewadt fordert: „Wir brauchen mehr Verkehrsberuhigung für die Osterstraße.” Am Donnerstag (10. April) treffen sie sich ab 16.30 Uhr vor der Ida-Ehre-Schule in der Bogenstraße.

Am kommenden Montag wird es vermutlich auch im nächsten Kerngebietsausschuss noch einmal hoch hergehen, dann soll der SPD-Antrag für den Stopp der Pläne verhandelt werden. Sehr viel Zeit bleibt den Fraktionen allerdings nicht mehr, im Herbst sollen die Bauarbeiten an der Ecke Osterstraße/Heußweg abgeschlossen sein.