Radler haben das Nachsehen: Bezirk stoppt Mega-Umbau für Hamburger Verkehrsachse!

So sollte die Verkehrsachse einmal aussehen: Autos haben nur noch eine Fahrspur pro Richtung.
So sollte die Verkehrsachse einmal aussehen: Autos haben nur noch eine Fahrspur pro Richtung.

Bei kaum einem anderen Verkehrsprojekt im Bezirk Wandsbek kochen die Emotionen derart hoch wie beim Umbau des Berner Heerwegs: Dort sollten die Autos eigentlich deutlich weniger Platz bekommen. Doch diese Pläne wurden jetzt während der Gespräche für eine neue Koalition im Bezirk überraschend über den Haufen geworfen. Was steckt dahinter, wie geht es jetzt weiter – und sind die Grünen gegenüber der FDP eingeknickt? Immerhin waren für das Projekt sogar schon Gelder vom Senat eingeplant.

Im Detail geht es um den nördlichen Bereich des Berner Heerwegs zwischen Neusurenland und Berner Brücke. Aktuell fahren Autos auf dieser wichtigen Verbindungsstraße im Hamburger Osten auf zwei Spuren pro Richtung, zu Spitzenzeiten sind es um die 16.400 Fahrzeuge pro Tag.

Umbau gestoppt: Berner Heerweg bleibt weiterhin vierspurig

Und das wird auch erst einmal genauso bleiben – obwohl die ehemalige rot-grüne Koalition in Wandsbek nach einer Umfrage im Herbst 2021 beschlossen hatte, die Straße nicht nur zu sanieren, sondern auch komplett neu zu ordnen. Im Dezember 2023 wurden die Pläne dann konkret: Statt zwei Auto-Fahrspuren pro Richtung sollte es künftig nur noch eine geben. Radfahrer sollten auf der ehemaligen Autospur einen eigenen, 2,50 Meter Radweg bekommen, der vom ebenfalls 2,50 Meter breiten Gehweg getrennt würde. Für das Jahr 2025 waren die Bauarbeiten geplant.

Derzeit fahren die Autos auf dem Berner Heerweg noch auf zwei Spuren pro Richtung.
Derzeit fahren die Autos auf dem Berner Heerweg noch auf zwei Spuren pro Richtung.

Doch nach der Bezirkswahl im Juni wurde dann plötzlich neu gewürfelt. „Der Berner Heerweg bleibt vierspurig erhalten“, erklärten die Wandsbeker FDP-Vorsitzenden Jennyfer Dutschke und Jan Christopher Witt im Anschluss an die Sondierungsgespräche mit SPD und Grünen im September. Derzeit laufen die Koalitionsgespräche für eine Ampel-Regierung im Bezirk – und der Umbau ist tatsächlich abgeblasen.

Pläne für Berner Heerweg liegen erst einmal auf Eis

Sind SPD und Grüne eingeknickt? „Wir haben in Wandsbek das Problem, dass es sehr viele Baustellen auf einmal gibt“, erklärt der Bramfelder SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Lars Pochnicht auf MOPO-Nachfrage die plötzliche Rolle Rückwärts. „Da ist zum Beispiel die Grundinstandsetzung des Straßenzugs August-Krogmann-Straße/Karlshöhe/Farmsener Weg oder die neuen Bus-Überliegeplätze am U-Bahnhof Farmsen“, zählt er auf. „Deshalb konnten wir uns nicht vorstellen, dass jetzt auch noch der Berner Heerweg angefasst wird.“

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Da seien sich alle einig gewesen, betont Pochnicht. Auch bei den Grünen, die sich immerhin jahrelang für die zweispurige Lösung ausgesprochen hatten? Ja, sagt Justin Orbán, Kreisvorsitzender der Wandsbeker Grünen. Ein Umbau sei in einer solchen Größenordnung aktuell einfach nicht darstellbar. „Entsprechend war der Berner Heerweg ungeachtet einer möglichen Koalition auch kein Teil unseres Wahlprogramms zur Bezirkswahl“, sagt er der MOPO.

CDU und FDP wehren sich seit Jahren gegen Umbau

„Gleichwohl bleibt die faire Verteilung von Verkehrsraum für alle Verkehrsträger das politische Ziel der Wandsbeker Grünen“, betont Grünen-Politiker Orbán. Und auch Pochnicht stellt klar: „Die Radverkehrsanlagen müssen natürlich ausgebaut und die Gehwege saniert werden. Das steht außer Frage.“ Nur eben nicht jetzt – und ob es dann tatsächlich nur zwei Autospuren werden, da will man sich auch noch nicht festlegen.

Dabei stand der Umbau inklusive Fahrbahnreduzierung sogar schon im Haushaltsplan-Entwurf des Senats für das Jahr 2025/2026, der gegenwärtig von der Hamburgischen Bürgerschaft beraten wird. Doch dabei handele es sich laut der SPD-Fraktion bislang eben „nur“ um einen Entwurf, der bereits im Juni 2024 erstellt wurde. Die vier Spuren würden erst einmal sicher bleiben.

Bei der Öffentlichkeitsbeteiligung im Jahr 2021 standen damals fünf Varianten für den Berner Heerweg zur Auswahl: Eine sah weiterhin vier Spuren vor, der Rest nur noch zwei. Die Mehrheit der Teilnehmer stimmten damals für die Varianten B bis E mit nur noch einer Spur für die Autos pro Richtung.

Bei kaum einem anderen Verkehrsprojekt im Bezirk Wandsbek kochen die Emotionen derart hoch wie beim Umbau des Berner Heerwegs: Dort sollten die Autos eigentlich deutlich weniger Platz bekommen. Doch diese Pläne wurden jetzt während der Gespräche für eine neue Koalition im Bezirk überraschend über den Haufen geworfen. Was steckt dahinter, wie geht es jetzt weiter – und sind die Grünen gegenüber der FDP eingeknickt? Immerhin waren für das Projekt sogar schon Gelder vom Senat eingeplant.