Radikaler Vorstoß – Anwohner fordern: Sperrt unser Viertel ab!

Das Karolinenviertel liegt in der Nähe der Messe und des Heiligengeistfeldes.
Das Karolinenviertel liegt in der Nähe der Messe und des Heiligengeistfeldes.

Idyllische Hinterhöfe, charmante Altbauten und viele kleine Läden: Das Karolinenviertel zwischen St. Pauli und Sternschanze gehört zu den beliebtesten Wohngegenden Hamburgs. Die Anwohner sind regelmäßig von Krach und Trubel umgeben – schließlich finden hier nicht nur Messen statt, sondern auch der Hamburger Dom. Nun liegt jedoch ein Vorschlag auf dem Tisch, der die Belastung deutlich reduzieren soll.

Karoviertel leidet besonders bei Messe und Dom

Treffen Großveranstaltungen wie der Hamburger Dom und Messen aufeinander, leidet das Karoviertel unter der hohen Verkehrsbelastung. So heißt es in einem Antrag des Quartiersbeirats an den Cityausschuss Hamburg-Mitte. Der Quartiersbeirat ist ein beratendes Gremium der Bezirkspolitik, in dem unter anderem Anwohner, Geschäftsleute, Grundstückseigentümer und lokale Organisationen vertreten sind.

Anwohner fordern Schranken gegen den Verkehr

Besonders während Großveranstaltungen suchen zahlreiche Autofahrer im Viertel nach ohnehin knappen Parkplätzen. Der Quartiersbeirat schlägt deshalb vor, zentrale Zufahrten temporär durch eine Schranke zu sperren. Zutritt hätten dann nur noch Anwohner und Rettungskräfte.

Absperrbaken an der Flora-Neumann-Straße im Gespräch

Eine weitere Lösung könnten auch Absperrbaken an der Flora-Neumann-Straße sein, heißt es in dem Antrag. „Die Zufahrt wäre dann ausschließlich für Anwohnende über die Feldstraße möglich.“ Mitarbeitende der Messe könnten eingesetzt werden, um Autofahrer auf andere Parkmöglichkeiten aufmerksam zu machen.

Moia-Fahrzeuge sollen an Bushaltestelle halten

Ein großes Problem sieht der Beirat außerdem in den Moia-Fahrzeugen: Moia ist der elektrische Sammeltaxi-Service von VW, der seit 2019 durch Hamburg fährt. Per App bestellt, nehmen die goldenen Kleinbusse Fahrgäste mit ähnlicher Strecke mit. Besonders zu Dom-Zeiten steigen viele Fahrgäste in der Laeiszstraße ein und aus. „Ein Linienverkehr gehört nicht in Anwohnerstraßen“, argumentiert der Beirat. „Die Bushaltestelle an der Feldstraße ist gut erreichbar und sollte stattdessen genutzt werden.“

Bezirk prüft Vorschlag für ein autoarmes Viertel

Der Vorstoß des Beirats erinnert an das Wahlversprechen der neu angetretenen Ampel-Koalition im Bezirk Hamburg-Mitte: SPD, Grüne und FDP hatten im Juni angekündigt, das Karoviertel schrittweise autoarm zu gestalten. „Unser Ziel ist es, die Lebensqualität im Quartier zu steigern, den öffentlichen Raum aufzuwerten und mehr Platz für Menschen statt für Autos zu schaffen“, erklärt die Grünen-Fraktionschefin im Bezirk, Julia Brinkmann.

Dafür brauche es jedoch eine gründliche Vorbereitung und solide Planung. „Übereilte Maßnahmen, die am Ende nicht tragfähig sind, wollen wir vermeiden“, stellt sie klar. Der Vorschlag des Quartiersbeirats werde ernst genommen und gründlich geprüft – unter Einbeziehung von Anwohnern, Geschäftsleuten, Besuchern und Verkehrsteilnehmern. Der Cityausschuss berät am Dienstagabend über den Antrag.