„Pulverfass“: Ärger zwischen Burlesque-Star Eve Champagne und Cabaret-Chefs eskaliert

Burlesque-Tänzerin Eve Champagne ist ein Star auf der Reeperbahn. (Archivbild)
Burlesque-Star Eve Champagne erhebt schwere Vorwürfe gegen das ‚Pulverfass‘. (Archivbild)

Es brodelt im „Pulverfass“. Nachdem Psychologe Maximilian Protsch und sein Verlobter, Steuerberater Hendrik Kupfernagel, das legendäre Travestie-Theater an der Reeperbahn übernommen hatten, krempelten sie einiges um. Einen „Zirkus mit Transsexuellen“, die am Ende der Show blankziehen – so etwas wollten sie nicht mehr. Stattdessen holten sie die erste „Cis-Frau“, die als Frau geboren wurde und sich mit ihrem Geschlecht identifiziert, auf die Bühne. Burlesque-Star Eve Champagne. Doch damit ist nun Schluss. Eve ist raus. Zurück bleiben Enttäuschung, Fassungslosigkeit und mächtig Ärger.

Mehr als zweieinhalb Jahre lang war Eve Champagne festangestellt im „Pulverfass“, nachdem sie ihren Job bei Olivia Jones aufgegeben habe, um ihr „eigenes Ding“ zu machen. Acht „Pulverlesque“-Shows (mit jeweils 21 Auftritten) brachte sie erfolgreich auf die Bühne. Doch hinter den Kulissen gab es Stress. „Es waren unhaltbare Zustände. Künstler:innen wurden monatelang nicht bezahlt, Lieferanten ebenso. Man hat freiwillig unzählige Überstunden gemacht und es gab keinerlei Wertschätzung vom Chef. Stattdessen wurden Leute gegeneinander ausgespielt und es gab permanent Machtspiele. Der Chef ist einfach ein echter Narzisst“, sagt die Burlesque-Tänzerin sauer.

Wer sich beschwerte, flog laut Eve Champagne raus

Sie wirft Maximilian Protsch sogar vor, Stunden manipuliert zu haben. Jeden Tag hätten sie sich an einer elektronischen Stempeluhr auf einem Tablet ein- und wieder ausloggen müssen. „Meine Überstunden wurden im System einfach mal auf null gesetzt. Eine absolute Frechheit. Ich habe sogar mal Minusstunden angerechnet bekommen, obwohl ich regelmäßig mehr als 200 Überstunden im Monat gemacht habe.“ Wer sich beschwerte, sei laut Eve Champagne rausgeflogen. Anfang August hätte auch sie gehen müssen. Ebenso wie ihr Freund, der im Pulverfass als technischer Leiter arbeitete. Permanent habe er Überstunden schieben müssen.

„Die Mitarbeiter werden im ,Pulverfass‘ total verheizt. Ich war kurz vor einem Burnout und krankgeschrieben, da lag auf einmal die fristlose Kündigung im Briefkasten. Ohne einen Grund“, sagt Eves Partner. Er vermutet jedoch, dass ein von ihm verfasster Facebook-Eintrag etwas mit der Kündigung zu tun hat. Darin hatte er seinem Ärger über die „Unfähigkeit der Leitung“ Luft gemacht. Von „narzisstischem Wahn“ des Chefs ist die Rede und dass es unmöglich sei, mit dieser Spitze auf professioneller Ebene zu arbeiten. „Ich habe also meine Gesundheit aufs Spiel gesetzt für Arschlöcher“, schrieb er.

Das sagen die „Pulverfass“-Chefs zu den Vorwürfen

Und was sagen die „Pulverfass“-Chefs zu den Vorwürfen? Maximilian Protsch: „Es ist nicht meine Art, mit Scheiße um mich zu werfen. Ich kann nur sagen, dass wir allen Pflichten, die wir als Arbeitgeber haben, nachkommen. Es ist nie jemand nicht bezahlt worden. Wir möchten uns allerdings zu diesen realitätsfremden Anschuldigungen nicht weiter äußern. Wir haben Eve in den vergangenen Jahren sehr viel durchgehen lassen. Deshalb sind wir schwer enttäuscht von ihrer haltlosen Kritik.“ Zudem wundere es ihn, dass Eve und ihr Freund nach wie vor regelmäßig zu Besuch im Pulverfass seien, „wenn doch alles so schlimm war.“

Die neuen Chefs vom „Pulverfass“: Maximilian Protsch (r.) und Hendrik Kupfernagel stehen im Saal vom „Pulverfass“.
Die Chefs vom „Pulverfass“: Maximilian Protsch (r.) und Hendrik Kupfernagel

Sein Partner Hendrik Kupfernagel fügt hinzu: „Offensichtlich braucht sie gerade Publicity. Zwischen ‚Du bist der beste Arbeitgeber der ganzen Welt‘ bis hin zu ‚Es ist alles scheiße‘ liegt bei Eve häufig nur ein Bier.“ Er stellt klar: „Dennis haben wir gekündigt. Es war nicht der einzige Grund, aber nach seinen öffentlichen Beleidigungen und Lügen haben wir keine Basis mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gesehen.“ Jedoch sei es bei Eve andersrum gewesen. „Sie wollte gerne aus dem Vertrag raus und hat uns gebeten, sie zu kündigen. Das bedauern wir.“

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Die Situation scheint festgefahren, ein Weg zurück ausgeschlossen. Klar ist: Die „Pulverlesque“-Halloween-Show wird stattfinden – ohne Eve Champagne. „Das schmerzt mich sehr. Ich habe diese Show zu einem großen Erfolg gemacht“, sagt die Burlesque-Queen. Sie startet jetzt mit einer eigenen Produktion durch. Mit „Nakedtainment“ geht Eve gemeinsam mit anderen Künstler:innen aus dem „Pulverfass“ auf Tournee. Sie wollen ein Stück Kiez in „Randgebiete“ bringen. Den Anfang machen sie aktuell in einem Club in Vreden, im Münsterland.