Die HSV-Fans während des Vorfalls im Jahr 2024 am Hauptbahnhof.

Die HSV-Fans während des Vorfalls im Jahr 2024 am Hauptbahnhof. Foto: Screenshot Instagram

Prozessbeginn gegen HSV-Fans: Rechtsextreme Parolen und schwere Körperverletzung

Ein virales Video machte den Fall bundesweit bekannt: Nach dem HSV-Spiel gegen Magdeburg sollen Fans am Hauptbahnhof rechte Parolen gerufen, White-Power-Gesten gezeigt und auf einen Demonstranten eingeprügelt haben. Jetzt sitzen ein Vater, sein Sohn und seine Nichte auf der Anklagebank – und vor Gericht beginnt der Streit um die Frage, wer wen angegriffen hat.

D. (48), sein Sohn F. (23) und seine Nichte Do. (26) sind wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung angeklagt. Am 20. Oktober 2024 sollen sie nach dem HSV-Heimspiel gegen Magdeburg am Hamburger Hauptbahnhof eine kleine Pro-Palästina-Kundgebung gestört haben. Anschließend soll die Lage eskaliert sein. Nach der Anklage wird ein Demonstrant so schwer am Finger verletzt, dass er operiert werden muss.

Prozessbeginn: Eine halbe Familie angeklagt

Mit rund 40 Minuten Verspätung beginnt am Donnerstag der Prozess vor dem Amtsgericht. Grund ist das verspätete Erscheinen der Verteidigung. Im Mittelpunkt steht ein Vorfall, der weit über den Hauptbahnhof hinaus Schlagzeilen macht: Ein Video geht in den sozialen Netzwerken viral. Darauf ist zu sehen, wie ein HSV-Fan das Mikrofon überreicht bekommt und „Bitte wählt alle die AfD“ hinein schreit. Unter Gelächter und Applaus zeigt ein anderer mehrfach das rechtsextreme White-Power-Zeichen.

Alle drei Angeklagten bestätigen zum Prozessauftakt, am Hauptbahnhof gewesen zu sein. Sie schildern die Situation jedoch deutlich harmloser. Do. sagt, sie habe nach dem HSV-Spiel „nur eben eine rauchen wollen“. Den Schlag gegen den Geschädigten M. (49) bestreitet sie. Sie habe lediglich dessen Handy „weggedrückt“, weil sie nicht gefilmt werden wollte und sich bedroht gefühlt habe. Laut Gericht hatte sie zum Tatzeitpunkt rund 1,1 Promille.

Angeklagte spielen Vorwürfe herunter

F. erklärt, er habe seine Cousine nur beschützen wollen. In dem viralen Video ist der junge Mann in HSV-Montur zu sehen, wie ihm aus der Versammlung heraus ein Mikrofon hingehalten wird. Dann ruft er: „Bitte wählt alle die AfD.“ Vor Gericht nennt er das eine „dumme Idee“. So ein Verhalten passe eigentlich nicht zu ihm. Sein Vater D. weist die schwerwiegenden Vorwürfe ebenfalls zurück. Das White-Power-Zeichen habe er nur einmal und erst nach der körperlichen Auseinandersetzung gezeigt. In die Prügelei selbst will er nicht verwickelt gewesen sein.

Die Videoaufnahmen zeichnen allerdings ein anderes Bild. Nach Einschätzung des Gerichts zeigen sie, dass D. die Geste mehrfach machte und dazu „White Power” rief. Der genaue zeitliche Tatablauf bleibt dennoch umstritten. Auf den Überwachungsvideos sind offenbar zwei Eskalationsphasen zu erkennen. Immer wieder ringen Verteidigung und Staatsanwaltschaft darum, welche Szene auf welchen Aufnahmen gerade zu sehen ist.

Zeuginnen schildern aggressive Stimmung

Die geladenen Zeuginnen beschreiben die Angeklagten als aggressive Störer. Besonders von Do. sei eine „enorme Aggression“ ausgegangen. Sie soll die Eskalation mit einem Schlag ins Gesicht ausgelöst haben. Der Geschädigte M. soll daraufhin von den restlichen HSV-Fans zu Boden gebracht und geschlagen worden sein. Eine Zeugin sagt, sie habe anfangs noch versucht, mit ihr „vernünftig zu sprechen“. Sie erinnert sich, Do. habe gesagt: „Von Ausländern lasse ich mich nicht anfassen“, bevor sie zugeschlagen habe.

Der Geschädigte M. zeigte im Gerichtssaal die Folgen der Attacke. Laut Anklage musste sein Finger nach einem Bruch operiert werden. An die genauen Einzelheiten erinnert er sich nicht mehr. Sicher ist er sich darin, dass Do. ihm zunächst die Brille vom Gesicht geschlagen und er sie weggedrückt habe. Daraufhin hätten F. und D. gemeinsam mit weiteren, nicht identifizierten HSV-Fans auf ihn eingeprügelt.

Richter verliert zeitweise die Geduld

Auch im Gerichtssaal bleibt die Stimmung gereizt. Bei der Befragung des Geschädigten stellt die Verteidigung dessen Verletzungen infrage. Mehrfach wird sie wegen unpassender und sich wiederholender Fragen ermahnt. Zwischenzeitlich verliert der Richter die Geduld.

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Viele Fragen zum genauen Ablauf bleiben nach dem ersten Verhandlungstag offen. Der Prozess wird im Mai fortgesetzt.

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