Protestcamp Moorweide: „Geh doch duschen!“ – Pro-Israel-Demonstrantin beleidigt

Pro-palästinensisches Protestcamp Moorweide
Eingang des pro-palästinensischen Protestcamps auf der Moorweide. Eine pro-israelische Demonstrantin wurde beschimpft: „Geh doch duschen!“

Genau dort, wo während der NS-Zeit Hamburger Juden in die Vernichtungslager deportiert wurden, auf der Moorweide, findet seit Samstag ein antiisraelisches Protestcamp statt. Schon zum zweiten Mal nach 2024. „Bridges of Resistance“, Brücken des Widerstands, lautet das Motto. Organisiert wird es von linken und linksextremistischen Gruppierungen, die Israel „Apartheid“ und einen „Genozid“ an den Palästinensern vorwerfen. Die Veranstalter betonen, sie hätten mit Antisemitismus, also dem Hass auf Juden, nichts am Hut. Aber stimmt das wirklich?

Die MOPO hat Nikodem Kaddoura interviewt, den 25-jährigen Pressesprecher des Protestcamps. Auf die Frage: „Wie stehen Sie zum Existenzrecht Israels? Stellen Sie es infrage?“ antwortete er knapp: „Meine persönliche Meinung tut hier nichts zur Sache.“

Pro-palästinensisches Protestcamp Moorweide
Improvisierte Pressekonferenz am Montagmorgen auf der Moorweide: Dort befindet sich für eine Woche das antiisraelische Protestcamp „Bridges of Resistance“

Als Nächstes fragen wir ihn, was er von der Hamas hält, deren Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 den Gaza-Krieg überhaupt erst auslöste. „Das hat Sie nicht zu interessieren“, so Kaddouras Antwort. Wir haken trotzdem nach: „Ist die Hamas aus Ihrer Sicht eine Terrororganisation oder nicht? Dazu müssen Sie doch eine Haltung haben.“ Kaddoura schüttelt den Kopf: „Dazu möchte ich keine Aussagen tätigen.“

„Thawra! Hamburg“ steht unter Antisemitismus-Verdacht

Als die MOPO ihn schließlich auf Antisemitismus anspricht, betont er mehrfach, die Veranstalter des Protestcamps lehnten Antisemitismus ebenso ab wie jede andere Form von Rassismus.

Zumindest eine der am Protestcamp beteiligten Gruppen wird wegen Extremismus-Verdachts vom Hamburger Landesamt für Verfassungsschutz überwacht: „Thawra! Hamburg“. Die Gruppierung, der auch Camp-Pressesprecher Kaddoura angehört, sei geprägt von deutlichem Antisemitismus und der Ablehnung des Existenzrechts Israels, heißt es zur Begründung aus der Behörde.

Pro-palästinensisches Protestcamp Moorweide
Einer von zwei Pressesprechern des propalästinensischen Protestcamps auf der Moorweide: Nikodem Kaddoura (25), Mitglied der Gruppe „Thawra! Hamburg“. Das Wort „Thawra“ bedeutet Revolution, Aufstand, Revolte.

Auch das Verwaltungsgericht Hamburg war bereits mit „Thawra! Hamburg“ befasst. Erst im März stellten die Richter fest, es gebe „tatsächliche Anhaltspunkte“, dass die Aktivitäten der Gruppe gegen den Gedanken der Völkerverständigung gerichtet seien. Hierzu zählte das Gericht die Unterstützung beziehungsweise Befürwortung gegen Israel gerichteter militärischer Aktionen von Hamas und Hisbollah. „Thawra“ bedeutet übrigens Revolution, Aufstand, Revolte.

Camp-Veranstalter werfen Bundesregierung „Komplizenschaft“ beim Genozid vor

Zurück zum Protestcamp auf der Moorweide: Am Montagmorgen luden die Veranstalter zu einer Pressekonferenz ein, um zu erklären, welches Ziel sie mit ihrem Camp verfolgen. Demnach gehe es darum, die Öffentlichkeit auf die „Komplizenschaft“ der Bundesrepublik aufmerksam zu machen. Nach Darstellung der Veranstalter unterstützt die Bundesregierung den „Genozid“ Israels am palästinensischen Volk nicht nur politisch und diplomatisch, indem sie Regierungschef Benjamin Netanjahu den Rücken freihält, sondern auch wirtschaftlich und logistisch.

Dabei spiele der Hamburger Hafen eine große Rolle. In den vergangenen drei Jahren seien von Hamburg aus mindestens 17.000 Kisten mit Munition nach Israel geliefert worden, erklärten die Veranstalter. Deutschland und die deutsche Rüstungsindustrie verdienten an der Unterdrückung und der massenhaften Ermordung der palästinensischen Zivilbevölkerung „Millionen und Milliarden Euro“ jedes Jahr.

Anti-Israel-Protest auf der Moorweide: „Kein beliebiger öffentlicher Raum“

Auch zu der Frage, warum das Protestcamp ausgerechnet an dem Ort stattfindet, an dem sich Hamburgs Juden zur Deportation in die NS-Vernichtungslager versammeln mussten, nahmen die Veranstalter Stellung. Sprecher Nikodem Kaddoura sagte, er könne nicht erkennen, dass „der Kampf um Freiheit und Gerechtigkeit für Palästinenser“ im Widerspruch zum Gedenken an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus stehe. „Im Gegenteil: Wir protestieren gegen jede Form von Faschismus, gegen jeden Genozid, gegen jede Entrechtung und Unterdrückung.“ Auf Nachfrage sagte Kaddoura, dazu zähle aus seiner Sicht auch die „faschistische Regierung“ Israels, die das palästinensische Volk auslöschen wolle, um ein „Groß-Israel“ zu errichten.

Pro-palästinensisches Protestcamp Moorweide
Pro-palästinensisches Protestcamp auf der Moorweide. Es steht unter dem Motto „Bridges of Resistance“.

Zur Erinnerung: Hamburgs Jüdische Gemeinde hatte gegen den Veranstaltungsort des Protestcamps protestiert: Die Moorweide sei kein beliebiger öffentlicher Raum, sondern der Ort, an dem im Holocaust etwa 6000 Juden sowie Sinti und Roma deportiert wurden, so der Vorsitzende der Gemeinde, Philipp Stricharz. Daraufhin unternahmen die Hamburger Behörden den Versuch, das Camp in den Sternschanzenpark zu verlegen. Doch die Veranstalter zogen vors Verwaltungsgericht – und bekamen Recht.

Strafverteidigerin Dr. Christiane Yüksel meldet Gegendemo an

Noch bis Ende der Woche soll das Protestcamp weitergehen. Für Samstag ist eine Großdemonstration angekündigt. Unter dem Motto „Stop Nakba Now! End Occupation and German Complicity“ soll ein Demonstrationszug von den Landungsbrücken bis zur Moorweide ziehen. Start ist um 15 Uhr. Mit dem arabischen Wort „Nakba“ bezeichnen Palästinenser die Flucht und Vertreibung Hunderttausender Menschen im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948.

Dr. Christiane Yüksel
Die Anwältin Dr. Christiane Yüksel hat eine Gegendemonstration gegen Antisemitismus angemeldet.

Gut möglich, dass es während der Demo am Samstag zu Auseinandersetzungen kommt. Denn die Hamburger Strafverteidigerin Dr. Christiane Yüksel hat zeitgleich ebenfalls eine Demonstration angemeldet. Das Motto der Gegenveranstaltung lautet: „Null Toleranz gegenüber Antisemitismus und Fanatismus! Freiheit für das iranische Volk!“

Israelfreundliche Demonstranten wurden am Samstag beschimpft und bedroht

Wie die MOPO erfuhr, kam es schon am vergangenen Wochenende rund um das Protestcamp zu israelfeindlichen Vorfällen. Ein MOPO-Leser berichtet von problematischen Sprechchören seitens der Camp-Teilnehmer: „Falastin Arabye“ sei gerufen worden, also „Palästina ist arabisch“. In Verbindung mit den im Camp gezeigten Karten, auf denen Israel vollständig fehlt, transportiere dies, so der Leser, eine klare Botschaft: Das Existenzrecht Israels werde negiert.

Laut Anwältin Christiane Yüksel wurden am Samstag israelfreundliche Demonstranten, die vor dem Camp erschienen, beschimpft und bedroht. Eine Frau, die mit ihrer 85-jährigen Mutter vor Ort war, erzählt, ihr sei zugerufen worden: „Geh doch duschen!“ Eine Anspielung auf die Gaskammern der Nationalsozialisten, die als Duschen getarnt waren.

Genau dort, wo während der NS-Zeit Hamburger Juden in die Vernichtungslager deportiert wurden, auf der Moorweide, findet seit Samstag ein antiisraelisches Protestcamp statt. Schon zum zweiten Mal nach 2024. „Bridges of Resistance“, Brücken des Widerstands, lautet das Motto. Organisiert wird es von linken und linksextremistischen Gruppierungen, die Israel „Apartheid“ und einen „Genozid“ an den Palästinensern vorwerfen. Die Veranstalter betonen, sie hätten mit Antisemitismus, also dem Hass auf Juden, nichts am Hut. Aber stimmt das wirklich?