Protest vor Bezirksamt: Pfadfinder kämpfen für ihr Heim

Pfadfinder sitzen vor dem Bezirksamt Eimsbüttel
Pfadfinder protestieren vor dem Bezirksamt Eimsbüttel.

Sie kamen mit Gitarre, Kerzen und Transparenten: Rund 30 Pfadfinder vom Stamm Saliskiaron in Lokstedt haben am Mittwochabend auf der Wiese vor dem Bezirksamt Eimsbüttel ihr Lager aufgebaut, um so für ihr neues Pfadfinderheim zu kämpfen. Es geht um ein leerstehendes Haus im Amsinckpark, das der Bezirk lieber abreißen möchte.

Es war schon dunkel, als vor dem Bezirksamt Eimsbüttel am Mittwochabend gegen 17 Uhr die Kerzen angezündet wurden. Verteilt auf fünf Kreise saßen die Jungen und Mädchen in Gruppen auf der Wiese, um ihr wöchentliches Treffen abzuhalten.

Pfadfinder aus Lokstedt machen Druck: Sie wollen das Kutscherhaus im Amsinckpark als neues Heim

Doch diesmal ging es nicht nur um das gemeinsame Singen und Naturerlebnis. Diesmal ging es um mehr. Denn:

Seit zwei Wochen haben die Kinder und Jugendlichen kein Pfadfinderheim mehr. Ihren bisherigen Versammlungsort in einer ehemaligen Kneipe am Siemersplatz mussten sie verlassen, weil das Gebäude abgerissen wird.

„Seitdem können wir uns nicht mehr alle zusammen treffen“, berichtet Iska Treibel, Gruppenleiterin und Studentin der Medizintechnik. Stattdessen müssten von Woche zu Woche verschiedene Lösungen im privaten Bereich gefunden werden, bei denen die verschiedenen Gruppen verstreut würden. Die Gemeinschaft gehe so verloren.

Dabei gibt es aus Sicht der Pfadfinder eine ganz einfache Lösung. Denn im Amsinckpark, gleich um die Ecke vom alten Pfadfinderheim, gibt es ein leerstehendes Gebäude: Das historische Kutscherhaus ist seit 2017 verwaist. Der Bezirk will es nach einem Wasserschaden abreißen, weil sein Erhalt nicht wirtschaftlich sei, und die Grünfläche des Parks somit vergrößern.

Historisches Kutscherhaus im Amsinckpark in Lokstedt soll abgerissen werden – Pfadfinder wollen es sanieren

Die Pfadfinder haben angeboten, das Haus zu sanieren, und werden in ihrem Anliegen vom Denkmalverein Hamburg unterstützt. Ende September veranstalteten sie bereits eine Kundgebung vor dem Kutscherhaus, zu der rund 500 Leute kamen.

Das Kutscherhaus am Amsinckpark
Das historische Kutscherhaus aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert liegt gut versteckt am Ende eines Privatweges am Amsinckpark. Seit 2017 steht es leer. Das Bezirksamt will es abreißen.

In der Folge fand ein Austauschtreffen zwischen dem Bezirksamt, Politikern und den Pfadfindern zu dem Thema statt, bei dem eine Besichtigung des Kutscherhauses beschlossen wurde. Was die Pfadfinder ärgert: Sie dürfen nicht dabei sein!

„Wir finden das sehr bedauerlich“, sagt Iska Treibel. „Aus unserer Sicht wäre es sinnvoll, frühzeitig unsere Expertise einzubeziehen, gerade mit Blick auf die konkreten Anforderungen eines Pfadiheims, da der Pfadfinderbund bereits ähnliche Projekte umgesetzt hat, die am Ende deutlich günstiger waren als von der Stadt vorher geschätzt.“

Hamburg: Pfadfinder fordern Raum für wichtige Jugendarbeit

Treibel befürchtet, dass der Prozess ins Stocken geraten könnte – zum Nachteil der jungen Leute. „Wir stecken gerne viel Energie und Freizeit in unsere Jugendarbeit, um Kindern und Jugendlichen einen Raum zu bieten, in dem sie sich entfalten können. Doch ohne ein Heim ist das schlichtweg nicht möglich“, sagt die 21-Jährige.

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Die Studentin erinnert SPD und Grüne in Eimsbüttel an ihren Koalitionsvertrag, in dem sie sich für eine Jugendhilfe einsetzen wollen, die „Beteiligung konsequent mitdenkt“. Iska Treibel: „Eine Besichtigung des Kutscherhauses ohne uns ist keine Beteiligung.“

Einem Sprecher des Bezirksamts zufolge gibt es keinen neuen Stand hinsichtlich des Kutscherhauses. „Zur Unterstützung der Pfadfinder hatten wir diesen einige Angebote bzw. Alternativen in der Vergangenheit unterbreitet.“ Diese hatten die Jugendlichen allerdings aufgrund der oftmals weiten Entfernungen oder schlechten Erreichbarkeit abgelehnt.