Protest gegen das Bettelverbot: Mehr als 13.000 Unterschriften an den HVV überreicht
Das Bettelverbot in Hamburgs U- und S-Bahnen erregt die Gemüter. Gegner der seit Mai verstärkt durchgesetzten Maßnahme haben in den vergangenen Wochen fleißig Unterschriften gesammelt. Mehr als 13.000 Menschen haben Listen signiert oder die noch immer aktive Online-Petition unterzeichnet. Am Freitag wurden die Listen an den HVV übergeben.
„Stoppt das Bettelverbot im HVV – Sofort!“, steht in riesigen Buchstaben auf einem roten Transparent, das von einer Gruppe Demonstranten am Freitagmittag vor der HVV-Zentrale am Brooktorkai (HafenCity) hochgehalten wird.
Protest gegen das Bettelverbot im HVV: 13.064 Menschen haben unterschrieben
Gegen 14 Uhr treten die Sprecher von HVV und Hochbahn vor das Gebäude. Bereitwillig stellen sie sich den Fragen der Demonstranten. Zu diesen gehört auch Peter Hagemann (58), Projektleiter in einem großen Hamburger Konzern, der die Online-Petition gegen das Bettelverbot im Juni gestartet hat. Er überreicht einen dicken Ordner, in dem die gesammelten 13.064 Unterschriften abgeheftet sind, an die beiden Vertreter der Hamburger Verkehrsunternehmen.
„Das Bettelverbot setzt an der falschen Stelle an“, sagt Hagemann. „Es sollte nicht das Betteln, sondern Bedrängung und Belästigung verboten werden.” Hagemann fragt, was der Unterschied zwischen einer freundlichen Frage nach etwas Kleingeld und der Frage, ob der Zug am Hauptbahnhof hält, ist. Seine These: „Das Problem ist, dass die Menschen nicht mit Armut konfrontiert werden wollen.“ Und genau deshalb, so Hagemann, sei das Bettelverbot falsch. Hagemann forderte die Unternehmen auf, ihre Regeln zu überprüfen, zu hinterfragen und an die Realität anzupassen.
Linken-Politikerin: Arme Menschen mit Bußgeldern zu belegen, macht die Not nur noch größer
Auch Olga Fritzsche von der Linken, die die Petition unterstützt hat, tritt ans Mikrofon. Sie verweist auf die wachsende Armut in Hamburg und die steigende Wohnungslosigkeit. „Angesichts dieser dramatischen Zunahme versagen die Hilfssysteme. Die Betroffenen erhalten keine Unterstützung mehr. Da muss es doch möglich sein, dass sie ihre Mitmenschen um ein bisschen Hilfe bitten!“
Wenn Menschen nun mit Bußgeldern belegt würden, die ohnehin schon arm sind, gehe es ihnen nur noch schlechter. „Vielleicht werden sie dadurch gezwungen, sich ihr Essen zu klauen“, mahnt Fritzsche.
Und auch Vertreter der Lobbygruppe gegen Verdrängung und Diskriminierung fordern ein Ende des Bettelverbots sowie einen Dialog mit sozialen Einrichtungen und Organisationen, um Alternativen zum aktuellen Vorgehen zu erarbeiten.
Hochbahn-Sprecher: „Wir müssen unser Serviceversprechen einhalten“
Genau solch ein Dialog werde längst geführt, erklärt HVV-Sprecher Rainer Vohl. „Natürlich ist es diskutabel, ob Betteln stört.“ Ziel des Unternehmens sei es jedoch, „dass unsere Gäste gerne mit uns fahren und sich wohl fühlen“. Hochbahn-Sprecher Christoph Kreienbaum tritt ihm zu Seite und verweist auf eine repräsentative Umfrage unter 1000 Hochbahn-Kunden.
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Danach hätten 75 Prozent der Fahrgäste angegeben, sie empfänden Betteln als störend. 85 Prozent würden die Durchsagen, die an das Bettelverbot erinnern, begrüßen. Und 59 Prozent würden gar das Bußgeld für richtig halten. „Es ist ein verdammt schwieriges Thema. Aber wir müssen unser Serviceversprechen einhalten“, so Kreienbaum.
Peter Hagemann sieht das komplett anders. Das Vorgehen gegen Bettler allein auf eine Umfrage unter 1000 Personen zu basieren, fände er „schwierig“. Denn: „Es geht hier um Werte!“