Hamburg

Prostituierte fordern: „Wir wollen uns nicht mehr schämen für unseren Beruf“

Prostituierte Johanna Weber
Sie kämpft für die Rechte von Prostituierten: Johanna Weber vom Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen.

Wohnungsbordelle in Hamburg waren ihr Revier: Viele Jahre ging Johanna Weber aus St. Georg dort anschaffen. Inzwischen lebt und arbeitet sie in Berlin. Die politische Sprecherin des Berufsverbands erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD) fordert: „Prostituierte muss eine normale Berufsbezeichnung werden“.

Hintergrund der Forderung ist das Prostituiertenschutzgesetz. Es soll ab 1. Juli auf den Prüfstand kommen. In einer dreijährigen Evaluation wird dann untersucht, ob das seit 2017 geltende Gesetz die Sexarbeiterinnen in Deutschland wirklich schützt und ihre Selbstbestimmungsrechte stärkt oder nicht. Für Johanna Weber ist klar: „Das Gesetz gehört abgeschafft!“

Sexarbeiterin: „Prostituiertenschutzgesetz gehört abgeschafft“

Nach Ansicht von Johanna Weber ist das Prostituiertenschutzgesetz viel zu pauschal gehalten. Aus staatlicher Sorge vor Ausbeutung, Zuhälterei, Gewalt und Menschenhandel werfe man alle Sexarbeiterinnen in einen Topf. „Die meisten von uns machen diese Arbeit, weil sie es als Job sehen. Nicht, weil sie es geil finden, aber auch nicht, weil sie dazu gezwungen werden.“

Starten Sie bestens informiert in Ihren Tag: Der MOPO-Newswecker liefert Ihnen jeden Morgen um 7 Uhr die wichtigsten Meldungen des Tages aus Hamburg und dem Norden, vom HSV und dem FC St. Pauli direkt per Mail. Hier klicken und kostenlos abonnieren.

Dass dennoch alle Sexarbeiterinnen sich alle zwei Jahre bei den Behörden melden müssten, um anzugeben, dass sie ihren Beruf freiwillig ausüben und nur dann den Prostituiertenausweis bekämen, sei eine Stigmatisierung. „Viele Sexarbeitende haben sich nicht angemeldet, weil sie Angst vor dem Outing haben. Sie arbeiten illegal“, meint Weber.

Internationaler Hurentag: Sexarbeiterinnen fordern Mitsprache

Motto des Internationalen Hurentags am 2. Juni, der weltweit Sexarbeiterinnen auf die Straße treibt, ist deshalb: „Redet mit uns statt über uns“. Für den BesD heißt das, dass die Überprüfung des Prostituiertenschutzgesetzes nicht von fachfremden Verwaltungsbeamten durchgeführt wird, sondern, dass die Sexarbeiterinnen einbezogen werden. „Wir brauchen einen Runden Tisch“, sagt Johanna Weber.

Sexarbeiterin Johanna Weber
Früher wohnte sie in St. Georg. Heute lebt und arbeitet die Prostituierte Johanna Weber (54) in Berlin.

Die 54-jährige Sexarbeiterin, die mit Abitur, einer abgeschlossenen Ausbildung zur Feinmechanikerin und einem abgebrochenen Pädagogik-Studium einen interessanten Lebenslauf hat, will das Thema Zwangsprostitution nicht kleinreden. „Natürlich gibt es diese Problemfelder. Aber sie müssen auch als solche behandelt werden und nicht nach dem Gießkannenprinzip auf die ganze Branche angewendet werden.“

Verband fordert Weiterbildung für Prostituierte

Weber weiß, wie es sich anfühlt, wenn man bei der Wohnungssuche als Beruf „Prostituierte“ eintragen muss. Oder wenn man sich fragt, ob man diesen Job bei Bewerbungen in seinem Lebenslauf angeben sollte. „Wir brauchen Entstigmatisierungsmaßnahmen, damit wir ein positives Berufsgefühl haben. Damit wir uns nicht für unseren Job schämen müssen.“

Das könnte Sie auch interessieren: Hamburgs Huren in Not

Der BesD schlägt zum Beispiel Professionalisierungsmaßnahmen für Prostituierte vor. Wenn die Sexarbeiterinnen etwa in erotischen Massagetechniken geschult werden würden oder Methoden zur Abgrenzung, Werbemaßnahmen, Sessionaufbau usw, würde das Berufsbild insgesamt aufgewertet und dadurch entstigmatisiert werden. Auch das Angebot des Bundesfamilienministeriums zum Umstieg in andere Berufsfelder ist aus Sicht des BesD ein Schritt in die richtige Richtung.

Weber: „Das jetzige Prostitutionsschutzgesetz ist auf unsere Pflichten hin ausgerichtet, nicht auf unsere Rechte. Das muss sich ändern!“

Wohnungsbordelle in Hamburg waren ihr Revier: Viele Jahre ging Johanna Weber aus St. Georg dort anschaffen. Inzwischen lebt und arbeitet sie in Berlin. Die politische Sprecherin des Berufsverbands erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD) fordert: „Prostituierte muss eine normale Berufsbezeichnung werden“.