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Private Seenotrettung: Erstes Schiff unter deutscher Flagge unterwegs zum Mittelmeer

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Die Überführungs-Crew des Schiffes, darunter die Hamburger Klaus Merkle (5.v.r.), Gorden Isler (4.v.r.) und Juan Camargo (2.v.r.)

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HFR

Die privaten Seenotretter im Mittelmeer haben seit dem Regierungswechsel in Italien mit starkem Gegenwind zu kämpfen. Teils durften sie nicht anlanden, wurden wochenlang im Hafen festgehalten oder bekamen plötzlich Flaggen der Niederlande oder Panamas entzogen. Jetzt scheint es eine Lösung zu geben: das erste Rettungsschiff unter deutscher Flagge! Und zwar mit ganz viel Hamburg an Bord.

„Ich kann immer noch nicht glauben, dass es wirklich geklappt hat“, sagt Gorden Isler  (36), einer von drei Vorständen von „Sea Eye“. Die NGO hat mit der „Professor Albrecht Penck“ ihr erstes Rettungsschiff unter deutscher Flagge. Und das ist nun unterwegs Richtung Mittelmeer, will ab Mitte Dezember vor Libyen, Italien und Malta kreuzen. „Eine Weihnachtsmission“, nennt es Isler, einer von mehreren Hamburgern in der Organisation und an Bord des „Professors“.

Hamburg soll Heimathafen werden

„Wir erwägen, Hamburg zum Heimathafen des Schiffes zu machen.“ Die meisten Helfer und Unterstützer kämen vom Sitz der Organisation Regensburg, danach folge aber schon die Hafenstadt Hamburg, so Isler weiter.

Der Nautische Offizier und vermutlich künftige Kapitän und der aktuelle Schiffskoch sind Hamburger, sie überführen das Schiff mit einer Rumpfcrew nach Algeciras (Spanien). Dort stößt unter anderem die Wandsbeker Ärztin Nicole Grimske (44) dazu, die auch schon das Bord-Hospital eingerichtet hat.

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Das Schiff „Professor Albrecht Penck“ am Kai in Cuxhaven

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Als Ärztin habe sie eine natürliche Haltung dazu, wenn Menschen in Not seien: „Die Menschen, die aus Libyen fliehen, wissen, dass sie sich mit ihrer Flucht in Lebensgefahr begeben. Sie tun es trotzdem, weil es noch schlimmer wäre, dort zu bleiben. Einen Menschen in dieser Situation ertrinken zu lassen, wäre für mich undenkbar.“ Politische Fragen nach Fluchtursachen oder gar einem möglichen Verschulden der Geflüchteten spielten in dem Moment keine Rolle.

Viele Anfeindungen, aber nie von Menschen mit sozialen Jobs

Ärzte, Krankenschwestern, Rettungsfahrer – von solchen Menschen gäbe es nie Anfeindungen für die privaten Seenotretter. „Die wissen, was Not bedeutet.“ Und wenn Menschen sagen: Die haben sich doch selbst in die Situation gebracht?  „Das ärgert mich am meisten“, so Isler. Was wäre dann mit Seglern oder Bergsteigern, die sich überschätzen?

Auch die Frau von „Schiffskoch“ Juan Camargo ist Bordärztin, allerdings aktuell auf der Sea-Watch 3. Es ist nicht ihre erste Mission, die Rettung Geflüchteter ist fast schon ein Familienprojekt.  „Dass europäische Politiker vorsätzlich Menschen ertrinken lassen, kann man doch nicht zulassen“, sagt er.

Als bekannt wurde, dass die Penck-Mission startet, habe Camargo – im echten Leben Eventmanager – gleich angerufen, ob er helfen kann. „Morgen Abend musst du an Bord sein“, habe Isler geantwortet. Ordentliche Verpflegung – mit das Wichtigste, wenn man wochenlang unterwegs ist.

Der Käpt'n kommt aus Winterhude

Das weiß auch Klaus Merkle. Der Winterhuder Kapitän zur See ist auf der Überführung nach Algeciras Nautischer Offizier. Ab da wird er höchstwahrscheinlich das Kapitänsamt übernehmen. Jahrelang hat er Chemietanker geführt.

Als die Diskussionen um Geflüchtete im Mittelmeer begannen, war ihm aber klar: „Seit der Titanic ist das legendäre SOS der einheitliche Seenotruf. Dass Brückenbesatzungen jetzt von europäischen Regierungen genötigt werden, die Augen zu verschließen und Seenotfälle zu ignorieren, ist für mich unerträglich.“ Daher wurde er erst Einsatzleiter auf der „Aquarius“, einem weiteren Rettungsschiff. Und jetzt der Einsatz mit „Professor Penck“.

Hauptaufgabe der Mission: Beobachtung! Die Situation festhalten, dokumentieren. Erstversorgung von Verletzten, Kindern, Kranken, wenn ein Flüchtlingsboot auftaucht, sei selbstverständlich, so Isler. Dann die italienischen Behörden unterrichten und bei größeren Schwierigkeiten auch evakuieren.

Vollmatrosen bitte melden!

Für die Mission würden noch Nautiker und Vollmatrosen dringend gesucht. Dank der deutschen Beflaggung gelten strengere Regeln beim Schiffspersonal. Aber der Einsatz lohne sich, sagt Isler: „Es ist das Sinnvollste, was ich in meinem ganzen Leben je gemacht habe.“