Porno-Eklat unter Offizieren: Skandal hat weitreichende Konsequenzen

Prof. Klaus Beckmann, der Präsident der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr. Er wird in Kürze in die USA reisen und sich in West Point entschuldigen müssen für den Pornoskandal, den junge Studenten ausgelöst haben.
Prof. Klaus Beckmann, der Präsident der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr. Er wird in Kürze in die USA reisen und sich in West Point entschuldigen müssen für den Pornoskandal, den junge Studenten ausgelöst haben.

Nicht nur ein Oberst wurde gefeuert, auch ein Oberstleutnant ist seines Postens enthoben. Und in Kürze wird der Uni-Präsident in die USA reisen und sich persönlich beim Chef der berühmten US-Militärakademie West Point entschuldigen müssen … Der Porno-Skandal an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Jenfeld – er hat noch viel weitreichendere Konsequenzen als bisher bekannt.

Vor einer Woche berichtete die MOPO exklusiv über die Affäre. Während Sprecher der Bundeswehr und des Bundesverteidigungsministerium seither mauern und nur bestätigen, was sowieso nicht mehr zu dementieren ist und sich ansonsten hinter Persönlichkeitsrechten und Datenschutz verstecken, werden der MOPO von anderer Seite nun immer mehr Details zugespielt.

Austauschprogramm mit US-Akademie auf Eis gelegt

So hat sich beispielsweise der Verdacht erhärtet, dass die Verantwortlichen in der US-Militär-Akademie West Point so sauer sind auf die Deutschen, dass sie das Austauschprogramm mit Hamburg auf Eis gelegt haben, und zwar so lange, bis die Ermittlungen abgeschlossen sind. „Die schicken ihre Soldaten vorerst nur noch zur Bundeswehr-Universität München“, so ein Informant zur MOPO.

Was geschehen ist? Zwischen September und Dezember 2024 hielten sich im Rahmen des Austauschprogramms US-Soldatinnen und -Soldaten aus West Point an der Bundeswehr-Universität in Jenfeld auf. Gemeinsam mit jungen deutschen Offizieren wurden sie in Wohngebäuden untergebracht, die sich auf dem Uni-Campus befinden. Dort ist es dann zu bizarren Vorfällen gekommen. Intern ist von „unangemessenem Verhalten“ die Rede.

Vorwürfe gegen Studenten der Hamburger Bundeswehruniversität. Gegen eine Reihe von jungen Offizieren gibt es eine interne Untersuchung. Der Kommandeur wurde versetzt.
Vorwürfe gegen Studenten der Hamburger Bundeswehruniversität. Gegen eine Reihe von jungen Offizieren gibt es eine interne Untersuchung. Oberst Norbert R. wurde versetzt.

So hat beispielsweise ein deutscher Leutnant in der Küche der Wohnebene mit heruntergelassenen Hosen (inklusive Unterhose) alle Personen begrüßt, die den Raum betraten, darunter auch eine amerikanische Soldatin. Es heißt, der Leutnant habe seinen Hodensack entblößt, weil er drei Kameraden eine Narbe zeigen wollte – just in dem Moment, in dem die US-Soldatin den Raum betrat.

Deutsche Soldaten guckten Pornos und hefteten sexistische Bilder ans Whiteboard

Außerdem ist die Rede davon, dass jemand Zeichnungen mit obszönen Darstellungen von Genitalien am Whiteboard angebracht hat. Außerdem seien Magnetsticker so auf dem Whiteboard angeordnet gewesen, dass die Umrisse eines Penis zu erkennen waren. Schließlich beklagten sich die Amerikanerinnen auch darüber, dass die deutschen Kommilitonen in der Gemeinschaftsküche Pornos geguckt hätten.

Bundeswehr Universität Hamburg
Prof. Klaus Beckmann (l.), der Präsident der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr, Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und Oberst Norbert R., der im Zuge der Porno-Affäre seinen Posten verlor.

Nach MOPO-Informationen haben die US-Soldaten ihre Beschwerden erst nach ihrer Rückkehr in die USA vorgebracht. Die Angelegenheit wurde von West Point ans Pentagon gemeldet, das US-Verteidigungsministerium. Von dort wurden die Beschwerden an das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) in Berlin übermittelt. Daraufhin wurde die Bundeswehr-Universität angewiesen, der Sache auf den Grund zu gehen.

Oberst Norbert R. nannte das Verhalten der jungen Offiziere eine „Schande für Deutschland“

Inzwischen hat die MOPO erfahren, wieso im Zuge der Affäre Oberst Norbert R., der ranghöchste Militär an der Bundeswehr-Universität, von seinem Posten entbunden wurde. Das kam so: Nach Bekanntwerden der Porno-Vorwürfe hatte der Oberst im Februar bei einem Antreten vor den versammelten Studenten gesagt, ein solches Verhalten sei „eines deutschen Offiziers unwürdig“ und eine „Schande für Deutschland“ sei. Obwohl er keine Namen und auch nicht den Wohnbereich nannte, in dem die Vorfälle stattgefunden hatten, beschwerten sich daraufhin Soldaten bei der Wehrbeauftragten des Bundestages über ihn. Der Vorwurf: Der Oberst habe das Ergebnis der internen Untersuchungen nicht abgewartet und Soldaten vorverurteilt.

Oberst Norbert R. soll daraufhin verlangt haben, dass der Präsident der Bundeswehr-Universität, Prof. Dr. Klaus Beckmann, ihm Rückendeckung gibt. Beckmann soll dies aber verweigert haben. Daraufhin hat Oberst R. dem Präsidenten sein Vertrauen entzogen. Anschließend beantragte Präsident Beckmann beim Bundesamt für Personalmanagement die Versetzung von Oberst R.

Auch ein Oberstleutnant wurde zwangsversetzt: Bagatellisierte er die Vorfälle?

Am 13. Februar hatte der Oberst seinen letzten Tag an der Uni. Zum Abschied schrieb er eine Mail an alle Studenten der Bundeswehr-Universität, in der er den jungen Offizieren in Anspielung auf die Vorkommnisse den Rat mit auf den Weg gab: „Tragen Sie Verantwortung für das Verhalten Ihrer Untergebenen, aber zuvorderst für Ihr eigenes Verhalten. Tragen Sie immer einen Taschenspiegel bei sich, um sich jeden Tag darin zu vergewissern: handle ich auf Grundlage meines Treueeides und in Haltung und Vorbild als Offizier oder Offizierin?“

Bundeswehr Universität Hamburg
Die Einfahrt der Bundeswehr-Universität Hamburg in Jenfeld.

Wie die MOPO erfuhr, hat die Affäre nicht nur den Oberst, sondern auch noch einen Oberstleutnant den Job gekostet, den Leiter eines Studierendenfachbereichs an der Uni. Ihm wurde vorgeworfen, bei der Aufklärung von Dienstvergehen nicht konsequent genug vorgegangen zu sein, sie bagatellisiert und heruntergespielt zu haben. Daraufhin wurde er angeblich zwangsversetzt.

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Inzwischen ist nach MOPO-Informationen die interne Untersuchung abgeschlossen. Die Vorwürfe der Amerikanerinnen haben sich demnach weitgehend bestätigt. Es heißt, dass der Präsident der Hamburger Bundeswehr-Universität, Prof. Beckmann, in Kürze seinen „Gang nach Canossa“ antreten und sich in den USA vor dem Präsidenten von West Point in den Staub werfen wird. Möglicherweise wird anschließend die Kooperation zwischen der US-Militärakademie und der Hamburger Bundeswehr-Universität wieder aufgenommen.