Porno-Eklat an Hamburger Bundeswehr-Uni: Kommandeur verliert seinen Posten

Vorwürfe gegen Studenten der Hamburger Bundeswehruniversität. Gegen eine Reihe von jungen Offizieren gibt es eine interne Untersuchung. Der Kommandeur wurde versetzt.
Vorwürfe gegen Studenten der Hamburger Bundeswehruniversität. Gegen eine Reihe von jungen Offizieren gibt es eine interne Untersuchung. Oberst Norbert R. wurde versetzt.

Sie trägt stolz den Namen des einstigen Bundeskanzlers Helmut Schmidt (SPD) und genießt einen exzellenten Ruf. Jetzt aber dürfte das Ansehen der Hamburger Bundeswehr-Universität in Jenfeld Schaden nehmen. Der Grund: ein Pornoskandal unter Offizieren. Gegen eine Reihe junger Soldaten gab bzw. gibt es eine interne Untersuchung. Der Kommandeur wurde versetzt. Ausgelöst wurde die Affäre durch Beschwerden von Soldatinnen der renommierten US-Militärakademie West Point, die für drei Monate an der Bundeswehr-Universität zu Gast waren. Ist jetzt sogar der Austausch mit den Amerikanern in Gefahr?

An der Universität der Bundeswehr werden Fächer wie Maschinenbau und Elektrotechnik, Geschichte und Psychologie, Politik und Erziehungswissenschaften gelehrt. Der Unterschied zu einer normalen Uni ist gar nicht so groß – nur dass es sich bei den rund 2500 Studentinnen und Studenten in Jenfeld um junge Offiziere handelt, die nach ihrem Examen in die Truppe zurückkehren.

Junger Leutnant steht in der Gemeinschaftsküche mit heruntergelassenen Hosen

Regelmäßig halten sich im Rahmen von Austauschprogrammen auch Soldatinnen und Soldaten befreundeter Staaten an der Bundeswehr-Universität auf. So waren von September bis Dezember 2024 einige Kadetten der US-Militärakademie West Point in Hamburg zu Gast – darunter auch Frauen. Gemeinsam mit deutschen Studenten wurden sie in Wohngebäuden untergebracht, die sich auf dem Uni-Campus befinden.

Dort ist es zu Vorfällen gekommen, die nun Gegenstand von Untersuchungen sind. So soll beispielsweise ein junger deutscher Soldat – Dienstgrad: Leutnant – in der Küche der Wohnebene mit heruntergelassenen Hosen (inklusive Unterhose) alle Personen begrüßt haben, die den Raum betraten, darunter auch eine amerikanische Soldatin. Es heißt, der Leutnant habe seinen Hodensack entblößt, weil er drei Kameraden eine Narbe zeigen wollte – just in dem Moment, in dem die US-Soldatin den Raum betrat.

Bundeswehr Universität Hamburg
Die Einfahrt der Bundeswehr-Universität Hamburg in Jenfeld.

Nach MOPO-Informationen hielten sich die Amerikanerinnen mit Beschwerden zurück, solange sie sich in Hamburg aufhielten. Erst als sie wieder in der Heimat waren, erhoben sie ihre Vorwürfe: Nicht nur über das Entblößen von Geschlechtsteilen beklagten sie sich, sondern auch darüber, dass es auf einem Whiteboard im Wohnbereich Zeichnungen mit anzüglichen und obszönen Darstellungen von Genitalien gegeben habe. Auch von Magnetstickern, die in Form eines Penis auf dem Whiteboard angeordnet gewesen seien, ist die Rede. Außerdem hätten die deutschen Kommilitonen in der Gemeinschaftsküche Pornos geguckt.

Oberst Norbert R. wurde als Leiter des Studierendenbereichs abgelöst und versetzt

Die Affäre hat bereits Konsequenzen nach sich gezogen. So wurde Oberst Norbert R., der ranghöchste Offizier an der Uni, von seinem Posten als „Leiter des Studierendenbereichs“ abgelöst und versetzt. In einer Abschiedsmail an die Soldaten schrieb der Oberst Mitte Februar, er habe „aufgrund von derzeitigen Ereignissen“ dem Präsidenten der Bundeswehr-Universität das Vertrauen entzogen, daraufhin sei er von seinem Dienstposten versetzt worden. „Selbstverständlich akzeptiere ich diese Entscheidung.“

Den Studenten gab der Oberst zum Abschied mit auf den Weg, sie sollten sich jeden Tag aufs Neue vergewissern, ob ihr Handeln im Einklang stehe mit ihrer Vorbildfunktion als Offizier. Zur Versetzung des Oberst teilte eine Sprecherin des Bundesverteidigungsministeriums auf Anfrage der MOPO mit, zu „konkreten personellen Veränderungen an der Universität“ werde sie „zum Schutze der Persönlichkeitsrechte und aus Gründen des Datenschutzes“ nichts sagen.

Eine Westpoint-Absolventin in Paradeuniform: Die abgebildete Soldatin gehört nicht zu dem Personenkreis, der in die Pornoaffäre verwickelt ist.
Westpoint-Absolventen in Paradeuniform: Die abgebildeten Soldatinnen gehören nicht zu dem Personenkreis, der in die Pornoaffäre verwickelt ist.

Die beschuldigten Studenten haben die Vorwürfe inzwischen weitgehend eingeräumt und bereuen ihr Verhalten. Nach MOPO-Informationen wurde gegen einen von ihnen eine Disziplinarstrafe in Höhe von 2500 Euro verhängt. Im Übrigen sind die Bewohner der fraglichen Wohnebene dazu verdonnert worden, an speziellen Seminaren teilzunehmen, damit sie für sexuelle Diskriminierung sensibilisiert werden.

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Das Bundesverteidigungsministerium nimmt zu der Affäre wie folgt Stellung: „Wir können bestätigen, dass aktuell interne Untersuchungen zu Vorkommnissen im Studierendenbereich der Helmut-Schmidt-Universität stattfinden“, so eine Sprecherin. Es bestehe der Verdacht, dass Studenten ihre Dienstpflichten verletzt beziehungsweise sie sich eines Fehlverhaltens schuldig gemacht hätten. „Die Bundeswehr duldet kein unkollegiales, unkameradschaftliches Verhalten oder die Verletzung von Rechten Dritter. Wir fahren eine ,Null Toleranz‘-Linie gegenüber allem, was dem Ansehen unserer Bundeswehr und dem inneren Gefüge schadet, und arbeiten mögliche Verdachtsfälle konsequent auf.“

Aus Sicht der Bundeswehr wird sich an der Kooperation mit West Point nichts ändern

Welche Konsequenzen zieht nun West Point aus den Vorfällen, die berühmte, 1802 von Thomas Jefferson, dem dritten Präsidenten der USA, gegründete US-Militärakademie? Der MOPO wurde zugetragen, dort sei die Entscheidung gefallen, bis zur Klärung keine Kadetten mehr nach Hamburg zu entsenden. Anfragen der MOPO sowohl an die Akademie als auch an das US-Verteidigungsministerium blieben bis Redaktionsschluss aber unbeantwortet.

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Die Bundeswehr geht davon aus, dass die Kooperation mit West Point wie geplant weiter geht. Eine Sprecherin zur MOPO: Die Bundeswehr-Universität werde im Herbst erneut Soldaten in die USA schicken. Die Frage, ob die USA auch Soldaten nach Hamburg entsenden werden, ließ sie allerdings unbeantwortet.