Polyesterfummel statt Sommerkleid: Wie Fake-Shops sich als deutsche Modehäuser tarnen

Zwei-drei Klicks, schon kommt die Ware – manchmal drohen aber böse Überraschungen beim Online-Shopping.
Zwei-drei Klicks, schon kommt die Ware – manchmal drohen aber böse Überraschungen beim Online-Shopping.

Die Seiten der Online-Shops wirken echt: korrekte Rechtschreibung, viele gute Bewertungen, dazu „.de“ als Endung der Domain. Doch was wie ein deutsches Unternehmen daherkommt, ist tatsächlich ein sogenannter „Fake Shop“, der billigstes Plastikzeug aus China vertreibt – und die sozialen Medien mit emotionaler Werbung flutet, in der etwa eine vermeintliche kleine Manufaktur „schweren Herzens“ einen Ausverkauf veranstalten muss. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat Ratschläge, wie Kunden die Abzock-Shops erkennen, bevor es zu spät ist.

Sie haben Namen wie „Brandt & Belle Düsseldorf“, „BergXperten“ oder „Stilhaus Mode“, „Imperio Hamburg“ oder „Matthäus Modehaus“. Die Texte in ihren Anzeigen auf Facebook und Instagram sind oft rührselig, etwa wenn „Johann und Anna leider, leider“ ihre kleine Ledermanufaktur schließen und ihre hochwertigen Handtaschen nun im Ausverkauf günstig abgeben müssen. Ähnliche Maschen gibt es mit Cashmerepullis, Sommerkleidern, Korksandalen, Armbanduhren, mit so fast jeder Warengruppe. Das Ende ist stets dasselbe: Die Kunden halten Kunststoffkram in den Händen, Plastikgaloschen statt Korksandalen, Polyesterfummel statt Baumwollkleid. Dinge, für die man niemals auch nur einen Euro bezahlen würde.

Spätestens beim Lesen der Rücksendebedingungen kommt das böse Erwachen: Das vermeintliche Düsseldorfer Modehaus sitzt in China, die Rücksendung der Schrottware soll zu Fantasiepreisen an eine Adresse in Mazedonien erfolgen. Danach bekäme der geleimte Kunde das Geld zurück – in Form eines Gutscheins für weiteren Schrott.

Viele Beschwerden von Verbrauchern

„Wir haben viele Beschwerden in diesem Bereich“, sagt Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale. „Es betrifft alle Altersgruppen. Selbst Menschen, die eigentlich vorsichtig sind, fallen darauf herein, weil suggeriert wird, dass es sich um deutsche Händler handelt.“ Wie kann man sich schützen? „Jahrelang haben wir dazu geraten, einen Blick ins Impressum von Online-Shops zu werfen und erst dann zu bestellen, wenn dort eine vertrauenswürdige Adresse in Europa, besser noch Deutschland steht“, sagt Rehberg. Doch das allein scheine nun nicht mehr zu nützen: Aktuell etwa gebe es viele Beschwerden zu fragwürdigen Modeshops, die in den Niederlanden ansässig sein sollen, so zum Beispiel zu den Internetseiten amodafashion.de, emma-keller.de, gesundesschuhe.de, variera.de und wolffashion.de.

Drei Tipps gegen Abzocke

  • Bei Bewertungsportalen wie „Trustpilot“ unbedingt die Ein-Punkt-Bewertungen lesen. Die sind oft die einzigen, die von echten Kunden stammen und nicht gekauft sind.
  • An den Käuferschutz des Bezahlsystems wenden. Haken: Paypal etwa erstattet die Summe erst, wenn die Ware wieder beim Händler ist. Wegen der hohen Rücksendegebühren lohnt sich das oft nicht. Andererseits: Je mehr Beschwerden über ein Unternehmen bei den Bezahldiensten landen, desto eher fliegt ein Abzockshop raus.
  • Prüfen, ob der Name des Shops bereits auf der sehr langen, alphabetisch geordneten Warnliste der Verbraucherzentrale Hamburg vermerkt ist.

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Und bereits auf der Seite, am besten noch vor dem Stöbern, sollte man immer checken: Wer steht im Impressum? Gibt es einen Kundenservice in Deutschland? Sind konkrete Informationen zu den Rückgabebedingungen zu finden? „Wenn dazu nichts vermerkt ist, Hände weg“, so die Expertin.