Zoll-Razzia bei Sushi-Lieferdienst – das steckt dahinter

Zollbeamte gehen in ein Restaurant
Der Zoll durchsuchte ein Sushi-Restaurant in Eimsbüttel.

Plötzlich steht der Zoll vor der Tür: In einem Hamburger Sushi-Imbiss hat es am Dienstag eine Razzia gegeben – wegen des Verdachts auf Schwarzarbeit. In Neumünster wurde aus diesem Grund zuletzt eine ganze Fabrik durchsucht. Mehrere Rumänen sollen dort unter ständiger Aufsicht 13 Stunden pro Tag gearbeitet haben – komplett unbezahlt. Wie der Zoll versucht, gegen Schwarzarbeit anzukämpfen und warum das so schwierig ist, lesen Sie hier.

Vier Einsatzwagen des Zolls stehen am Dienstagmittag vor einem Sushi-Lieferdienst in Eimsbüttel. Mehrere Beamte steigen aus und betreten den Imbiss. Sie suchen nach möglichen Schwarzarbeitern und Beweisen, die belegen, dass hier nicht legal abgerechnet wurde. „Es wurden Datenträger und Unterlagen sichergestellt, die nun ausgewertet werden. Die Ermittlungen dauern folglich an“, heißt es von der Hamburger Staatsanwaltschaft.

Schwarzarbeit ist kein Kavaliersdelikt

Eines der Hauptprobleme ist die hohe gesellschaftliche Akzeptanz von Schwarzarbeit. „Das ist ein Verbrechen, das zum Teil immer noch als Kavaliersdelikt gesehen wird“, sagt Zoll-Sprecher Oliver Bachmann. Schwarzarbeit würde streng genommen schon da anfangen, wo der Elektriker nach Feierabend nochmal losfährt und bei dem Nachbarn gegen Bargeld die Lampe anschließt. Sie endet bei großen Unternehmen, die Schwarzarbeit gezielt nutzen, um den Mindestlohn zu umgehen, mehr Profit zu machen und schlechte Arbeitsbedingungen zu verschleiern.

Häufig ist der Niedriglohnsektor betroffen: „Je schlechter Menschen bezahlt werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie von Schwarzarbeit betroffen sind“, so der Zoll-Sprecher. Aber es gebe Einzelfälle in jeder Bevölkerungs- und Einkommensschicht.

Neumünster: Ausbeutung in Fabrikhalle aufgedeckt

Ein besonders schwerer Fall von Schwarzarbeit wurde vergangene Woche bei einer Durchsuchung in Neumünster entdeckt. Ein 52-jähriger Fabrikbesitzer soll mehrere Rumänen mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt haben. Danach habe er sie in eine Fabrikhalle eingesperrt und ausgebeutet: Die Arbeiter sollen unter ständiger Aufsicht bis zu 13 Stunden am Tag gearbeitet haben. Der Fabrikbesitzer soll weder Löhne noch Steuern oder Sozialabgaben gezahlt haben. Erst als einer der Arbeiter fliehen konnte und sich bei der Polizei meldete, flog der Fall auf.

Zoll deckt menschenunwürdige Zustände für Arbeiter auf
Das Schlaflager von Arbeitern in einer Fabrik in Neumünster.

Der Zoll ist auf genau solche Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Grundsätzlich ist der Zoll immer berechtigt, sich Arbeitsverhältnisse genauer anzugucken. Jedes Unternehmen zu kontrollieren, wäre allerdings viel zu aufwendig. Es bleibt bei Stichproben und Durchsuchungen, wenn ein konkreter Verdacht besteht. „Die Frage ist immer, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir etwas finden und wie hoch ist der wirtschaftliche Gesamtschaden?“, so Bachmann.

Schwarzarbeit nimmt nicht ab: Entwicklung verläuft in Wellen

Trotz Kontrollen nimmt die Schwarzarbeit nicht ab. „Die Entwicklung verläuft in Wellenbewegungen“, sagt Bachmann. Im Jahr 2023 wurden laut Zoll 2879 Ermittlungsverfahren wegen Straftaten im Zusammenhang mit Schwarzarbeit eingeleitet. Mehr als 13 Millionen Euro Strafe mussten gezahlt werden.

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„Wir müssen dafür sorgen, dass ein gesellschaftliches Umdenken stattfindet“, sagt Bachmann. Der einzige Weg dahin sei, möglichst viele Branchen und Arbeitsverhältnisse zu untersuchen – von der Fabrikhalle bis zum Sushi-Imbiss von nebenan.