Von fünf S-Bahnen überfahren: Warum haben die Lokführer den Mann übersehen?
Am Bahnhof Bergedorf ist in der Nacht zu Sonnabend ein Mann von mehreren S-Bahnen überrollt worden, ehe ein Zugführer ihn bemerkte. Er kam mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus. Warum hat ihn keiner der Lokführer vorher entdeckt ?
Laut eines Sprechers der Bundespolizeiinspektion ging gegen 3.15 Uhr ein Notruf bei Feuerwehr und Polizei ein. Ein Zugführer meldete eine leblose Person im Gleisbett am Ende des Bahnhofes am Weidenbaumsweg. Ein Löschzug, ein Rettungswagen und der Notarzt sowie mehrere Streifenwagen rückten an.
Hamburg: Mann in Bergedorf von fünf S-Bahnen überfahren
Während Polizisten den Bahnhofsbereich absperrten und den weiteren Zugverkehr einstellen ließen, stiegen Feuerwehrmänner in das Gleisbett und hievten einen Mann aus den Gleisen. Er hatte schwere Verletzungen, war aber noch am Leben. Der Notarzt versorgte die Wunden und transportierte ihn dann in das Unfallkrankenhaus nach Boberg.
Hier wurde dem Mann in einer Notoperation ein Oberschenkel amputiert. Er liegt inzwischen auf der Intensivstation. Es besteht weiterhin Lebensgefahr. Wie der Sprecher der Bundespolizei weiter bestätigte, sei der Mann anhand gesichteter Videoaufnahmen gegen ein Uhr alkoholisiert über den Bahnsteig getorkelt und dann in das Gleisbett gestürzt. Hier wurde er jedoch nicht gleich entdeckt.
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In der Folge ist er von vier nachfolgenden S-Bahnen überfahren worden. Das ergab die polizeiliche Ermittlung. Der Triebwagenführer des fünftes Zuges bemerkte dann den leblosen Körper im Gleis und setzte den Notruf ab. Wie konnte der Mann so lange unentdeckt bleiben ?
Hamburg: Bahn verweist auf laufende Ermittlungen
Auf MOPO-Nachfrage bei der Bahn, wollte man sich zu den Vorfall nicht äußern. Man verwies auf die laufenden Ermittlungen der Bundespolizei. Lediglich dass die Dunkelheit eine Rolle gespielt haben könnte, räumte ein Sprecher ein.
Ein Bahn-Insider, den die MOPO zu dem Unglück in befragt hat, lieferte eine mögliche Erklärung. Seinen Aussagen zufolge, könnte die Dunkelheit tatsächlich eine tragende Rolle gespielt haben. Außerdem sind die Zugführer laut Aussage des Insiders dazu angehalten, ihr Hauptaugenmerk bei der Ein- und Ausfahrt eines Zuges auf das Geschehen auf dem Bahnsteig legen.
Über Bahnsteigkameras richtet die Person im Führerhaus seinen Blick hauptsächlich auf dort befindliche Monitore um eingreifen zu können, falls sich Menschen dem anfahrenden Zug bedrohlich nähern. Insofern ist davon auszugehen, dass der Verunglückte bei noch herrschender Dunkelheit auch erst sehr viel später hätte entdeckt werden können.