Polizei
Tote 15-Jährige: Mutter soll ihre Tochter mit einem Beil getötet haben
Der Tod der 15-Jährigen aus Bramfeld schockiert die Stadt, tatverdächtig ist die Mutter. Nun gibt es neue Details.
Tatort: ein Wohnhaus an der Berner Chaussee in Bramfeld. Die Polizei findet dort in der Nacht von Samstag auf Sonntag eine tote 15-Jährige – die Leiche ist blutüberströmt. Von „massiver Gewalteinwirkung“ ist die Rede. Tatverdächtig: ihre eigene Mutter. Mittlerweile gibt es neue Details zur Tat. Die 43-Jährige soll das Mädchen mit einem Beil erschlagen haben. Die Frau sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Es gibt Hinweise auf eine psychische Erkrankung.
Nach Medieninformationen soll es sich bei der Tatwaffe um ein Beil gehandelt haben. Polizei und Staatsanwaltschaft haben dies bislang nicht offiziell bestätigt. Auch zur genauen Todesursache und zur Art der Verletzungen äußerten sich die Ermittler zunächst nicht.
Moisha kehrte nicht in ihre Jugendwohnung zurück
Moisha lebte nicht bei ihrer Mutter, sondern in einer Jugendwohnung. Am Wochenende hielt sich die 15-Jährige bei der 43-Jährigen in deren Wohnung an der Berner Chaussee auf. Sie soll ihre Mutter besucht haben, um sich mit ihr zu versöhnen. Was dem Treffen vorausging und was sich anschließend zwischen Mutter und Tochter abspielte, ist Gegenstand der Ermittlungen.
Als Moisha am Samstagabend nicht wie vereinbart in ihre Einrichtung zurückkehrte, meldete eine Betreuerin sie als vermisst. Im Zuge der Suche fuhren Polizisten in der Nacht auch zur Wohnung der Mutter. Die Beamten klingelten. Die 43-Jährige öffnete die Wohnungstür und ließ die Polizisten hinein.
In der Wohnung stießen die Einsatzkräfte demnach auf ein verschlossenes Zimmer. Die Mutter soll sich zunächst geweigert haben, die Tür zu öffnen. Daraufhin sollen die Polizisten der Frau den Schlüssel abgenommen haben. Bei dem Gerangel habe die 43-Jährige einen Beamten leicht verletzt.
Hinter der verschlossenen Tür lag Moisha
Als die Einsatzkräfte das Zimmer schließlich öffneten, machten sie eine entsetzliche Entdeckung: Moisha lag leblos in dem Raum. Die Jugendliche war blutüberströmt, auch an den Wänden sollen sich zahlreiche Blutspuren befunden haben. Sofort wurden Rettungskräfte alarmiert. Doch für die 15-Jährige kam jede Hilfe zu spät. Ein Notarzt konnte um kurz vor 2 Uhr nur noch den Tod der Jugendlichen feststellen.
Die Polizei bestätigte, dass die Jugendliche mit Spuren „massiver Gewalteinwirkung“ in der Wohnung gefunden wurde. Die detaillierten Schilderungen aus dem Inneren der Wohnung und der genaue Ablauf sind bislang nicht offiziell bestätigt.
Die Mutter wurde noch vor Ort festgenommen und am Montag einem Haftrichter vorgeführt. Dieser erließ Haftbefehl und ordnete Untersuchungshaft an. Die Frau steht im dringenden Verdacht, ihre Tochter getötet zu haben. Die Mordkommission und die Abteilung für Kapitaldelikte der Staatsanwaltschaft ermitteln.
Nachbarn berichten von auffälligem Verhalten
In der Nachbarschaft soll die Mutter bereits seit längerer Zeit durch ihr Verhalten aufgefallen sein. Eine Anwohnerin schilderte der „Bild“, die Frau habe wiederholt vor den Häusern herumgeschrien. Sie habe außerdem versucht, sich wegen ihrer psychischen Probleme selbst Hilfe zu organisieren – offenbar ohne Erfolg.
Ein Nachbar sagte der MOPO, die 43-Jährige habe drei Kinder. Das Jugendamt habe die Kinder aus ihrem Haushalt genommen, weil die Mutter nicht in der Lage gewesen sei, sich um sie zu kümmern. Die Angaben des Mannes sind bislang nicht von den zuständigen Behörden bestätigt. Nach „Bild“-Informationen soll eine Tochter bereits volljährig sein. Eine weitere, jüngere Tochter soll in einer Pflegefamilie leben. Wie die jeweiligen Sorge- und Betreuungsverhältnisse aussehen, ist bislang nicht abschließend geklärt.
Die Polizei hatte zunächst mitgeteilt, dass die Mutter offenbar nicht sorgeberechtigt gewesen sei, diese Angabe später jedoch korrigiert. Der genaue Sorgerechtsstatus sei noch ungeklärt. Offiziell bestätigt ist, dass es Anhaltspunkte für eine mögliche psychische Erkrankung der Beschuldigten gibt. Ob eine Erkrankung vorliegt und welchen Einfluss sie auf die Schuldfähigkeit der Frau zur mutmaßlichen Tatzeit gehabt haben könnte, müssen die weiteren Ermittlungen und ein psychiatrisches Gutachten zeigen.
Mitschüler nehmen Abschied von Moisha
Am Montag versammelten sich Mitschülerinnen und Mitschüler vor dem Wohnhaus in Bramfeld. Sie legten Blumen und Fotos der getöteten Jugendlichen nieder, stellten Teddybären auf und zündeten Kerzen an. Auf einem Zettel neben einem Bild von Moisha steht: „Du fehlst uns!!“ Darunter ist zu lesen: „Ruhe in Frieden“ und „Du wirst immer in Erinnerung bleiben.“ Eine weitere Botschaft lautet: „Du bist jetzt an einem besseren Ort.“
Besonders persönlich ist ein handgeschriebener Abschiedsgruß. Darauf steht: „Liebe Moisha, du wirst für immer einen Platz in meinem Herzen haben. Ich werde dich nie vergessen.“
An den Briefkästen hängen weitere Trauerkarten. „Ein junges Leben wurde viel zu früh beendet“, steht auf einer von ihnen. Auf einer anderen Karte heißt es: „Heute leuchtet diese Kerze für dich. Mögest du Frieden finden. Wir werden dich nicht vergessen.“
Die Mutter eines Mitschülers hat am Montagabend eine Spendenaktion gestartet, damit die Kosten für die Beerdigung gedeckt sind. In dem Aufruf auf der Plattform Gofundme ist von „schwierigen Verhältnissen“ in der Familie des Mädchens die Rede. „Freunde, Bekannte und ihre gesamte Klasse wünschen sich eine würdige Beerdigung. Wir wollen es schaffen, so viel Geld wie möglich zusammenzubekommen, damit (sie), die ihr ganzes Leben noch vor sich hatte, mit so viel Blumen, wie es nur geht, in einem Sarg wie nie gesehen, ihre letzte Reise beginnen kann.“
Tragödie von Bramfeld: Spendenziel von 14.000 Euro für getötete 15-Jährige
In dem Aufruf sind als Trauernde neben Freunden, Bekannten und Familienangehörigen auch die DRK-Wohngruppe, in der die 15-Jährige gelebt hat, sowie die Klasse 9e genannt. Moisha E. besuchte die Erich-Kästner-Stadtteilschule (Farmsen-Berne). Das Spendenziel liegt bei 14.000 Euro. Bislang (Stand Dienstag, 20.30 Uhr) sind etwas mehr als 5100 Euro zusammengekommen. 205 Menschen haben gespendet.
Unterdessen ist weiter unklar, warum Moisha sterben musste und was sich in den Stunden vor ihrem Tod in der Wohnung abspielte. Die Ermittlungen dauern an. Für die tatverdächtige Mutter gilt die Unschuldsvermutung.
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