Tödliches Gas: Wie Mieter eines Ottenser Hauses nur knapp dem Tod im Schlaf entkamen
Kohlenmonoxid (CO) ist ein leiser Killer. Drei Harburger wurden vor neun Jahren im Schlaf von dem geruchlosen Gas getötet. 2021 traf es eine Frau aus Rotherbaum. In Ottensen kam es jetzt beinahe zu einem ähnlichen Unglück. Dank eines aufmerksamen Mieters konnten die Bewohner eines Hauses aber noch rechtzeitig gerettet werden. Die MOPO erklärt, wie sich das tödliche Gas im Haus verbreitet hat, warum man so schnell an einer CO-Vergiftung stirbt – und was die Feuerwehr sagt.
Am Sonntag gegen 22 Uhr rief ein Bewohner der Gaußstraße einen Rettungswagen, weil er sich unwohl fühlte. Als Sanitäter das Haus betraten, lösten ihre CO-Warngeräte aus. Ein großes Aufgebot der Feuerwehr wurde alarmiert. Die Bewohner mussten ihre Wohnungen verlassen und wurden in einen bereitgestellten HVV-Bus gebracht. Der Anrufer kam ins Krankenhaus.
Gas-Austritte endeten in Harburg und Rotherbaum tödlich
Die Ursache: eine defekte Heizungsanlage im Keller. Die Messungen dort ergaben einen vierstelligen CO-Wert, laut eines Reporters vor Ort soll er 1800 ppm betragen haben. Zum Vergleich: Länger anhaltende Belastungen mit mehr als 100 ppm gelten bereits als gesundheitsgefährdend. Erst gegen 1 Uhr durften die Bewohner zurück in ihre Wohnungen, nachdem die Feuerwehr das Haus belüftet hatte.
Weniger glimpflich lief ein Einsatz im Jahr 2014 ab: Damals war auch wegen einer defekten Heizung Kohlenmonoxid in Wohnhäuser in Harburg geströmt, 13 Menschen wurden verletzt, darunter ein ein Jahr altes Kind. Drei Menschen starben im Schlaf.
Im September 2021 starb eine 28-Jährige in einem Haus in Rotherbaum, auch Polizisten und zwei Bewohner wurden verletzt. Einen Tag zuvor arbeiteten Handwerker in der Wohnung der Frau an einer defekten Therme. Die zwei Männer mussten sich in einem Prozess am Amtsgericht verantworten. Das Urteil: Dass sie den Gas-Austritt mit Verstellen von Knöpfen verursacht hatten, sei unwahrscheinlich, so ein Gutachter. Eher sei ein defektes Gebläse für den Unfall ursächlich gewesen. Der Richter sprach die Angeklagten frei.
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Kohlenmonoxid ist ein farbloses Gas. Es riecht und schmeckt nicht, verhält sich wie Luft, ist aber hochgiftig für den Körper. Das Blut bindet das Gas etwa 300 Mal stärker an sich als Sauerstoff. Es kommt schnell zu einem Sauerstoff-Mangel. Tritt das Gas in die Wohnung eines Schlafenden, kann nur ein eingebauter und piepender CO-Melder diese Person in den meisten Fällen noch retten. Wache Menschen fühlen dagegen oft ein Unwohlsein. Wie der Mieter aus dem Ottenser Wohnhaus.
Das sagt die Feuerwehr
Die Retter der Feuerwehr Hamburg sind seit Jahren mit CO-Meldern ausgestattet. Die kleinen Geräte werden an der Uniform getragen und piepen selbst bei geringer Normabweichung. Sprecher Christian Wolter zur MOPO: „Es ist das einzige Mittel, um dieser tödlichen Gefahr zu entgehen.“