Tödliche Rad-Unfälle: Macht die Polizei jetzt endlich ernst mit Lkw-Kontrollen?

Zum bundesweiten Verkehrssicherheitsaktionstag führte die Polizei in der HafenCity eine große Kontrolle durch.
Zum bundesweiten Verkehrssicherheitsaktionstag führte die Polizei in der HafenCity eine große Kontrolle durch.

Mehr Kontrollen, mehr Rücksicht – weniger tote Fahrradfahrer? Vor zwei Wochen sind in Hamburg zwei Radfahrer (11 und 53) bei Lkw-Unfällen ums Leben gekommen. Zum bundesweiten Aktionstag lädt Innensenator Andy Grote zur großen Lkw-Kontrolle und kündigt mehr Kontrollen an. Macht die Polizei jetzt endlich ernst?

Grote kommt am Dienstag mit dem Fahrrad zur Kontrolle. Der Innensenator ist kaum zu übersehen: neongelber Helm, begleitet von drei Polizisten, darunter Verkehrsdirektionsleiter Thomas Model. Die Innenbehörde hat zum bundesweiten Verkehrssicherheitsaktionstag in die HafenCity zur großen Lkw-Kontrolle geladen. An der Kreuzung Osakaallee/Ecke Überseeallee steigt Grote ab und posiert mit dem Geschwindigkeitsmessgerät. Knallblauer Himmel, strahlende Sonne – perfektes Fotowetter.

Lkw-Unfälle in Hamburg: Zwei Tote binnen zwei Tagen

Direkt gegenüber steht ein weißes Ghostbike. Es erinnert an eine 34-jährige Radfahrerin, die hier 2023 von einem rechtsabbiegenden Lkw erfasst wurde und starb. Nun sind erneut zwei Radfahrer tot: der elfjährige Simon aus Wilstorf und ein 53-Jähriger, der 48 Stunden später in Billbrook ums Leben kam.

Am vergangenen Freitag kontrollierte die Polizei an genau dieser Kreuzung die Geschwindigkeit der Lkw. Seit 2020 gilt innerorts beim Rechtsabbiegen Schrittgeschwindigkeit. Doch die Realität sieht anders aus: In nur vier Stunden wurden 21 Verstöße festgestellt.

Grote verspricht mehr Lkw-Kontrollen

Die Schwerpunktkontrolle in Billbrook war die siebte in diesem Jahr, am Aktionstag dann die achte. Es sollen noch viele folgen, sagt Grote. In diesem Jahr werde es mehr Kontrollen geben als in den Vorjahren, verspricht er. 2025 waren es 28, 2024 gab es 26. Eine konkrete Zahl der geplanten Kontrollen nannte Grote allerdings nicht.

„Es kann nicht hinter jedem Lkw ein Polizist fahren“, sagt Grote. Unfälle seien meist auf individuelle Fehler zurückzuführen. „Wir brauchen mehr Aufmerksamkeit von allen Verkehrsteilnehmern.“

Während Grote über Rücksicht spricht, hupt hinter ihm auf der Kreuzung ein grauer SUV. Eine Frau auf einem Hollandrad schreit ihn an. Der Autofahrer will nach rechts, sie geradeaus. Ein Moment, der zeigt, wie schnell Rücksicht im Alltag endet. Die Kommunikation zwischen den Verkehrsteilnehmern müsse sich verbessern, sagt Grote. Mehr Austausch untereinander, mehr Verständnis für den anderen.

Fahrradfahrer im Lkw-Führerhaus

„Selbst, wenn ich als Radfahrer im Recht bin, sollte ich einmal überlegen: Hat mein Gegenüber mich wirklich gesehen?“, sagt Verkehrsdirektionsleiter Thomas Model.

Thomas Model, Leiter der Verkehrsdirektion der Polizei Hamburg.
Thomas Model, Leiter der Verkehrsdirektion der Polizei Hamburg.

„Es lässt sich immer leicht über die Lkw schimpfen, aber wer einmal selbst im Führerhaus sitzt, merkt, dass das auch nicht so leicht ist.“ Auch darum soll es an dem Aktionstag gehen: den Perspektivwechsel. Radfahrer bekommen die Möglichkeit, selbst ins Lkw-Führerhaus zu steigen und sich dort einen Eindruck zu verschaffen.

Lkw-Fahrerin über Herausforderungen im Straßenverkehr

„Spiegel eins, Spiegel zwei, Spiegel drei und Spiegel vier“, zeigt Fahrerin Sarah Larsen entlang der 2,50 Meter breiten Frontscheibe ihres Lkw. „Und wenn ich beim vierten Spiegel angekommen bin, kann im ersten schon wieder ein Fahrradfahrer angekommen sein.“

Sarah Larsen in ihrem Lkw
Sarah Larsen ist seit fünf Jahren Lkw-Fahrerin.

Sie selbst sei sich ihrer Verantwortung immer bewusst, sagt sie. Kein Lkw-Fahrer möchte in so einen Unfall verwickelt werden: „Wir verlieren dann unseren Job, unsere Existenz und das ganze Leben ist versaut, wenn wir mit dieser Schuld leben müssen.“

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Wie der Fahrer, der in Billbrook einen Radfahrer überfuhr. Sein Unternehmen nahm regelmäßig an solchen Aktionstagen teil. Der Lkw war neu, ausgestattet mit allen verfügbaren Assistenzsystemen. Doch sie halfen nicht. Am Ende steht wieder ein toter Radfahrer – und ein weiteres weißes Gedenkrad am Straßenrand.