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Stadtderby HSV gegen St. Pauli: So droht die Polizei den Fußball-Schlägern

Am 34. und vorerst letzten Erstliga-Spieltag des HSV eskalierte die Situation im Volkspark. Ultras zündeten Bengalische Feuer, Polizisten sicherten den Platz.

Am 34. und vorerst letzten Erstliga-Spieltag des HSV eskalierte die Situation im Volkspark. Ultras zündeten Bengalische Feuer, Polizisten sicherten den Platz.

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imago/Jan Huebner

Diensthunde, Pferdestaffel und ein Online-Portal für Zeugen: Die Polizei hat am Mittwoch gemeinsam mit Vertretern von HSV und FC St. Pauli ihr Sicherheitskonzept für das Stadtderby am Sonntag vorgestellt. Die Beamten rechnen mit bis zu 1000 gewaltbereiten Fans – und sagen ihnen den Kampf an!

Die Polizei werde mit deutlich überdurchschnittlich vielen Kräften im Einsatz sein, teilte Polizeisprecher Timo Zill im Volksparkstadion mit. Nach MOPO-Informationen heißt das: Mehr als 1500 Polizisten werden in der Stadt für Ordnung sorgen. Neben Diensthunde- und Pferdestaffel sowie der Bereitschaftspolizei werden auch viele szenekundige Beamte und Polizisten in Zivil unterwegs sein. „Wir werden sehr präsent sein und beobachten die Lage genau“, sagte Zill.

Es soll ein Online-Portal – wie bei G20 – geben

Die Arbeit der Polizei wird nach dem Spieltag nicht getan sein. „Wir werden einen langen Atem haben, um die Gewalttäter zu verfolgen“, kündigte Zill mit Blick auf ein Internet-Portal an, das schon am Sonnabendabend von der Polizei online gestellt werden wird. Dort können Zeugen wie nach den Ausschreitungen rund um den G20-Gipfel Fotos und Videos von Gewalttaten und -tätern hochladen. Die Beamten können die Hinweise noch während des Einsatzes auswerten und Maßnahmen einleiten.

Ähnliches Gewaltpotenzial: Beim Nordderby in Bremen im März 2014 versuchten HSV-Fans durch eine Polizeikette zu Werder-Anhängern zu gelangen.

Ähnliches Gewaltpotenzial: Beim Nordderby in Bremen im März 2014 versuchten HSV-Fans durch eine Polizeikette zu Werder-Anhängern zu gelangen.

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dpa

Für St. Pauli-Sprecher Christoph Pieper ist das übertrieben. „Für uns greift das zu weit“, sagte er, „wenn man sich überlegt, dass in Dortmund am letzten Wochenende Neonazis bei einem angemeldeten Aufmarsch verhältnismäßig unbehelligt durch die Stadt laufen und schreien: ,Wer Deutschland liebt, ist Antisemit‘, muss man sich um das gesellschaftliche Signal ein bisschen Gedanken machen.“ Pieper betonte aber die ansonsten „hervorragende Zusammenarbeit mit der Polizei“.

Krawall-Potenzial sehen die Sicherheitsbehörden nicht erst am Derby-Sonntag – schon jetzt ist die Lage brisant. Mittwochmorgen entdeckten Autofahrer bei der Einfahrt nach Hamburg acht braun-weiß verkleidete Strohpuppen, die unter anderem an Autobahnbrücken aufgehängt waren, Zill sprach von einer „hirnlosen und geschmacklosen Aktion“.

Im Video: So will die Polizei das Derby sichern

Die Situation dürfte in den nächsten Tagen, auch nach dem Angriff von rund 30 St. Paulianern, die eine HSV-Choreo zerstört und zwei Fans schwer verletzt haben sollen, angespannt bleiben. „Wir haben Hinweise darauf, dass schon der Sonnabend von Interesse sein könnte“, sagte Zill.

Aller Voraussicht nach werden dann bereits gewaltbereite Fußballfans aus anderen deutschen Städten und dem Ausland anreisen, um die Vereine zu unterstützen. So könnte die Zahl der Randale-Bereiten laut Polizei auf bis zu 1000 steigen! Die aggressiven Anhänger teilen sich in etwa gleich auf beide Klubs auf, das gilt auch für ihre auswärtigen Unterstützer.

Falls es am Sonnabend knallen sollte, wird das Konsequenzen für die Täter haben. „Wenn jemand vor dem Spiel gewalttätig wird, werden wir alles dafür tun, dass die Personen das Spiel am Sonntag nicht gucken können“, drohte Zill.

Polizei will auf „klare Fantrennung“ setzen

Ronny von Bresinski , Sprecher der Bundespolizei

Ronny von Bresinski , Sprecher der Bundespolizei

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RUEGA/ Ruediger Gaertner

Damit die Rivalen gar nicht erst aufeinandertreffen, setzt die Polizei auf „klare Fantrennung“. Und die soll nicht erst am Stadion beginnen. In Absprache mit Fanvertretern des FC St. Pauli und Offiziellen des Kiez-Klubs wurde mit der Bundespolizei und der Bahn eine gesonderte Anreise organisiert. Die Fans der Braun-Weißen können ab 10.10 Uhr mit drei Sonderzügen vom S-Bahnhof Landungsbrücken bis nach Bahrenfeld fahren, dort warten elf Shuttle-Busse auf sie. Außerdem wird es aus Bahrenfeld einen Fanmarsch bis zum Volksparkstadion geben. „Wir rufen alle unsere Fans auf, daran teilzunehmen“, sagte St. Pauli-Sprecher Pieper. Die Sonderzüge werden auch zur Abreise nach dem Spiel fahren. „Die Fans des HSV können wie üblich mit den Bahnen S21 und S3 bis Stellingen und Eidelstedt zum Stadion fahren“, sagte Ronny von Bresinski von der Bundespolizei.

Neben dem Bereich rund ums Stadion hat die Polizei auf St. Pauli ein weiteres Einsatzfeld. Auch beim Public Viewing am Millerntor, das seit Dienstag mit 15.000 Zuschauern ausverkauft ist, werden Beamte verstärkt vor Ort sein, denn natürlich ist auch der Kiez ein Ort, an dem Krawalle und Ausschreitungen drohen.

Volksparkstadion wird zum Hochsicherheitstrakt

Rund um das Volksparkstadion wurden die Sicherheitsmaßnahmen schon vor Tagen erhöht, Securitys bewachen die Arena nachts, damit keine Pyros deponiert werden können.

Das Spiel soll nur sportlich für Schlagzeilen sorgen. „Wir kennen alle Derby und wir können alle Derby“, sagte Timo Zill. Ronny von Bresinski ergänzte, dass „wir alle auf ein Sportspektakel hoffen“. Ein besonderes Signal für friedfertigen Fußball: Die Spieler beider Mannschaften sollen jeweils mit Kindern des anderen Vereins einlaufen. Wenn bloß alle so versöhnlich wären…