Spionage? Immer mehr mysteriöse Drohnen im Hafen

Drohnen im Hamburger Hafen (Symbolbild)
Drohnen im Hamburger Hafen (Symbolbild)

Über dem Hamburger Hafen sind immer mehr verdächtige Drohnen unterwegs. Das klingt gerade in Zeiten einer angespannten Weltlage ziemlich bedrohlich, entsprechend wachsam sind die Hafenaufsicht und Polizei. Auch im Hamburger Nachbarbundesland hat sich die Anzahl der Drohnensichtungen über wichtigen Infrastruktureinrichtungen innerhalb eines Jahres verdoppelt.

„Es ist korrekt, dass wir zunehmend Sichtungen von Drohnen im Hamburger Hafen registrieren“, teilt Sinje Pangritz von der Hamburg Port Authority (HPA) auf MOPO-Anfrage mit. Der Sprecherin zufolge würden diese mit einer „speziell für die Detektion von Drohnen ausgerüsteten Abteilung“ sowie auch „in Zusammenarbeit mit dem Landeskommando“ genau beobachtet.

Auch über Militärstützpunkten: Drohnen in Niedersachsen

Was das für Drohnen sind und wo sie herkommen – möglicherweise Spionagedrohnen aus Russland – zu diesen Fragen halten HPA und Polizei sich lieber bedeckt. Man gehe „jedem eingehenden Hinweis auf nicht ordnungsgemäßen Einsatz von Drohnen nach“ und beobachte die entsprechende Sicherheitslage „mit großer Aufmerksamkeit“, heißt es von letzterer. „Die Polizei geht davon aus, dass insbesondere bei gutem Wetter und/oder nachts oftmals Privatpersonen Drohnen nutzen und dort Fotos machen. In diesem Zusammenhang verweist die Polizei auf die Einhaltung entsprechender Bestimmungen.“

Aus Taktikgründen will man auf weitere Ausführungen zur Herkunft der Drohnen lieber verzichten. Nur so viel: „Sollten sich Hinweise auf Straftaten ergeben, werden diese durch die Staatsschutzabteilung des Landeskriminalamts und ggf. in Zusammenarbeit mit anderen Bundesländern und Behörden bearbeitet.“ Gerade im Hafen, in der Nähe der Industrieanlagen, würden die Drohnen Anlagenbesitzer und Anrainer beunruhigen.

In Niedersachsen hat sich die Zahl der Drohnensichtungen von 2023 (70) auf 2024 (131) derweil fast verdoppelt. Auch hier wollen sich Polizei und Bundeswehr nicht allzu detailliert äußern, Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung (SZ) haben jedoch ergeben, dass unter anderem über dem Fliegerhorst Nordholz bei Cuxhaven, nahe dem Marinestützpunkt in Wilhelmshaven, bei Bremerhaven und über einem Erdgasspeicher im ostfriesischen Jemgum an der Ems Drohnen gesichtet wurden, mit Tragflächenspannweiten von drei bis sechs Metern.

Polizei nimmt Drohnensichtungen in Hamburg ernst

Die Herkunft der Drohnen ist laut der Recherche bislang unklar. In Sicherheitskreisen heiße es, es sei davon auszugehen, dass die unbemannten Flugobjekte von der Nordsee kommend in den deutschen Luftraum eingedrungen sind.

Die Polizei nimmt die Sichtungen in Hamburg ernst: „Allgemein stellen die Verbreitung und der Umgang mit Drohnen und unbekannten Flugobjekten aufgrund der fortlaufenden technischen Entwicklung ein zunehmend bedeutsames Handlungsfeld dar. Folglich sind eine enge Zusammenarbeit zwischen den Sicherheitsbehörden und Technologienträgern, eine kontinuierliche Überwachung der Drohnenlage und der stetige Ausbau der Kompetenzen wie der Einsatz fortschrittlicher Systeme zur Abwehr potenzieller Gefahren erforderlich“, sagt Sprecher Florian Abbenseth.

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Auch die Bundeswehr habe bereits zahlreiche Maßnahmen getroffen, teilte diese der Deutschen Presseagentur mit. So würden Ausbildungen und Übungen vermehrt in sichtgeschützten oder überdachten Bereichen durchgeführt. Der Bestand von Abwehrsystemen sei in den vergangenen Jahren deutlich erhöht worden. Die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens (SPD) will das Thema bei der Innenministerkonferenz im Frühjahr auf die Tagesordnung setzen. Insbesondere gehe es darum, die Behörden besser auszustatten und schnell eingreifen zu können, um beispielsweise Drohnen abzufangen.