Schönheits-OP, um unterzutauchen: Die Mafia-Vergangenheit vom Drogen-Baron „der Hai“
Er gilt als einer der einflussreichsten Akteure im internationalen Drogenhandel. Princ D. (60), bekannt als „Peshkaqeni“ („der Hai“), soll große Mengen Kokain über den Hafen in Deutschland geschleust haben – und wurde nun nach Hamburg ausgeliefert. Doch wer ist der Mann, der in den 90er Jahren zu einer zentralen Figur der albanischen Mafia wurde? Seine bewegte Vergangenheit führt durch mehrere Länder und Gefängnisse. Er soll sich sogar einer Schönheits-OP unterzogen haben, um sein Aussehen zu verändern.
Princ D. verließ den Kosovo im Jahr 1988 und ging zunächst nach Deutschland, wo er im Casinogeschäft aktiv wurde. Später zog es ihn nach Norwegen. Dort stieg D. nach MOPO-Informationen groß in den Drogenhandel ein – und wurde 1993 verhaftet. Er bekam 14 Jahre Haft.
Internationaler Einfluss und Verbindungen zum Hamburger Hafen
Doch D. blieb nicht lange hinter Gittern. 1997 gelang ihm die Flucht aus dem norwegischen Gefängnis. Berichten zufolge durch Bestechung eines Wärters. Wie die MOPO erfuhr, soll sich D. mit Hilfe einer Schönheitsoperation in Kroatien ein neues Aussehen zugelegt haben. Er tauchte unter und setzte seine kriminellen Aktivitäten fort.
In verschiedenen europäischen Ländern knüpfte „Der Hai“ ein Netzwerk von Komplizen und Kooperationspartnern. Nach MOPO-Informationen arbeitete er mit Hafenmitarbeitern und anderen Mittelsmännern zusammen, um Kokain in großen Mengen unbemerkt durch den Hamburger Hafen zu schleusen. Dies soll auch über einen längeren Zeitraum nahezu unbemerkt geblieben sein.
Über verschlüsselte EncroChat-Nachrichten steuerten er und seine Partner die Lieferungen und sorgten dafür, dass das Kokain von Containerschiffen ins Land gelangte. EncroChat war jahrelang das bevorzugte Kommunikationsmittel vieler krimineller Netzwerke, bis die französische Polizei das System 2020 knackte und dadurch zahlreiche Ermittlungen in Europa ermöglichte.
Drogenchef „der Hai“ werden elf Fälle vorgeworfen
Der Weg von Princ D. wurde schließlich durch intensive Ermittlungen verschiedener Polizeibehörden verfolgt. So kam es im November 2023 in der kosovarischen Stadt Peja zu einer großangelegten Razzia, bei der mehrere seiner Wohnsitze durchsucht wurden. D. wurde im Rahmen dieser Operation festgenommen und nach Hamburg ausgeliefert, wo ihm nun der Prozess gemacht werden soll. Die „Zeit“ hatte zuerst berichtet.
Wie die Staatsanwaltschaft der MOPO sagte, werden D. elf Fälle nun zur Last gelegt. Mia Sperling-Karstens, Oberstaatsanwältin und Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaft: „Eine zeitliche Prognose für den Abschluss des Ermittlungsverfahrens vermag ich derzeit nicht zu treffen.“ Dass die zuständige Staatsanwältin in diesem Fall in der Öffentlichkeit aus Angst anonym bleiben möchte, wie es in mehreren Medienberichten geschrieben wurde, bestreitet die Sprecherin. „Es ist absolut Usus, dass unsere Kolleginnen und Kollegen in der Presse nicht namentlich genannt werden möchten. Dies liegt vor allem daran, dass es nicht um sie persönlich, sondern um ihre in dienstlicher Funktion wahrgenommene Tätigkeit geht“, so die Sprecherin.
Zahl der Drogentoten steigt
Die Aktivitäten von Princ D. stehen symbolisch für den milliardenschweren Kokainhandel in Europa. Besonders stark ist der Anstieg des Kokainkonsums in Deutschland, der zunehmend auch Crack – aufbereitetes Kokain – umfasst. Laut Bundeskriminalamt (BKA) hat sich die Zahl der Drogentoten in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Der Marktwert von Kokain zeigt die Dimensionen: Während ein Kilogramm in Mittelamerika etwa 3000 Euro kostet, liegt der Wert in Europa bei bis zu 80.000 Euro pro Kilogramm.
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Princ D. soll nun in Hamburg der Prozess gemacht werden, wo ihm zahlreiche Anklagepunkte im Zusammenhang mit internationalem Drogenschmuggel vorgeworfen werden. In den kommenden Wochen wird die Anklage vorbereitet. Bis zum Prozessbeginn bleibt D. unter strengen Sicherheitsmaßnahmen in Haft, um eine erneute Flucht zu verhindern.