Schockanrufe steigen drastisch an – Seniorin starb womoglich vor Aufregung
Schockanrufe durch falsche Polizisten oder angebliche Staatsanwälte bei zumeist betagten Menschen steigen immer weiter an. Und immer öfter machen die Ganoven dabei zum Teil hohe Beute und bringen die Senioren um Schmuck, Gold und große Eurobeträge.
Die Folgen bei den Opfern sind häufig nicht nur der Verlust von Geld und Wertgegenständen. Immer wieder kommt es vor, dass die Geschädigten vor Aufregung kollabieren und ärztlich versorgt werden müssen.
In einem Fall, der sich am 5. Dezember vergangenen Jahres in Rahlstedt zutrug, endete ein solches Verbrechen besonders tragisch. Eine Seniorin (80) starb mutmaßlich vor Aufregung. Laut späterer Obduktion könnte ein Zusammenhang zwischen Tat und Tod denkbar sein.
Seniorin wird Opfer von Schockanrufer und verstirbt kurz darauf
Die 80-Jährige erhielt an diesem Tag einen Anruf von einem angeblichen Polizisten. Der erklärte ihr, dass es in der Umgebung ihres Wohnortes an der Loher Straße mehrere Einbrüche gegeben habe und Verdacht bestehe, dass sie das nächste Opfer wird. Um ihre Wertgegenstände zu schützen, sollte die Seniorin sie vor die Haustür legen. Ein Beamter käme vorbei und sichere ihren Schmuck.

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Kurz darauf kam tatsächlich ein Mann. Der war aber natürlich kein Polizist. Er nahm die Wertgegenstände an sich und verschwand. In der Folge rief das Opfer total aufgelöst ihre Tochter an und kollabierte offenbar vor Aufregung. Die Tochter alarmierte dann den Rettungsdienst. Doch die Retter kamen zu spät. Die Frau war verstorben.
Kein Einzelfall: Auch in Poppenbüttel und in Marmstorf verstarben Tage später zwei ältere Menschen (81 und 86 Jahre), nachdem sie Opfer von Schockanrufen wurden. Hier ergab eine Obduktion allerdings keine zwingend nachvollziehbare Kausalität zum eigentlichen Verbrechen.
Schockanrufe: Zahlen haben sich verdreifacht
Schockanrufe nehmen nach MOPO-Informationen drastisch zu. Im Vergleich zu 2024 verdreifachten sie die Zahlen 2025. Aus Polizeikreisen ist zu entnehmen, dass es im vergangenen Jahr zu 754 versuchten und 122 vollendeten Delikten kam. Bei den Vollendeten wurden Werte von mehr als fünf Millionen Euro erbeutet. Darunter neben Bargeld auch Schmuck und Gold.
Zuletzt gab es in Flensburg (Landkreis Schleswig-Flensburg) einen besonders schweren Fall. Dort wurde am Mittwoch eine 66-jährige Opfer von Schockanrufern. Bei ihr hatte sich eine vermeintliche Familienangehörige gemeldet und behauptet, einen schweren Unfall verursacht zu haben und nun ins Gefängnis zu müssen.
Kurz darauf meldete sich ein angeblicher Polizeibeamter und versprach die angedrohte Gefängnisstrafe umgehen zu können, wenn eine hohe Geldsumme bezahlt werde. Der Anrufer brachte die Seniorin dazu, ihm Gegenstände im Wert von mehr als 100.000 Euro zu übergeben.
Die Polizei gibt wichtige Tipps, wie man sich im Falle von Schockanrufen verhält
- Skepsis bei Schocknachrichten: Seien Sie misstrauisch, wenn am Telefon Geld oder Wertsachen gefordert werden, besonders bei Unfällen.
- Sofort Auflegen: Beenden Sie das Gespräch sofort, wenn Sie sich unsicher fühlen oder unter Druck gesetzt werden.
- Keine Daten preisgeben: Geben Sie niemals Informationen über Ihr Vermögen, Bargeld oder Schmuck bekannt.
- 110 selbst wählen: Wenn Sie unsicher sind, legen Sie auf und rufen Sie selbst die 110 an.
- Angehörige kontaktieren: Überprüfen Sie die Geschichte, indem Sie Ihre Verwandten unter deren Ihnen bekannter Nummer anrufen.
- Keine Übergabe: Übergeben Sie niemals Bargeld oder Schmuck an Unbekannte.
Anmerkungen oder Fehler gefunden? Schreiben Sie uns gern.