Rentnerin betrogen: 130.000 Euro in Goldbarren getauscht – nun ist alles weg

Trickbetrug per Telefon.
Trickbetrug per Telefon. (Symbolbild)

Sie könne es nicht verstehen, sie sei immer so vorsichtig gewesen. Trotzdem ist Ulrike H. (83, Name geändert) skrupellosen Telefon-Betrügern zum Opfer gefallen. Die Rentnerin schenkte der Stimme am Hörer Vertrauen. Am Ende verlor sie ihr ganzes Erspartes – 130.000 Euro. Die Täter gingen raffiniert vor.

Ulrike H. ist körperlich eingeschränkt, hat Probleme mit dem Gehen. Sie hat die Welt bereist, sechs Berufe erlernt, war Funkerin. Sie wohnt in einem Apartment in Winterhude, die Seniorin hat keinen Fernseher, hört nur Radio. Am 6. Oktober veränderte sich ihr Leben für immer.

Betrug am Telefon: So gingen die Gangster vor

Um 10.30 Uhr klingelt an dem Tag das Telefon. Eine Frau Ellenberg meldet sich. Sie sei von der Kripo, behauptet sie. Sie sagt, das Geld der 83-Jährigen sei nicht mehr sicher. „Zuerst forderte sie noch nichts, es war ein nettes Gespräch“, so die Rentnerin. Doch dann häufen sich die Anrufe. Mal heißt der angebliche Polizist Mathis, dann Süß, einmal ruft auch eine angebliche Sekretärin an. „Was mich wunderte war, dass sie offenbar von meinem Vermögen wussten.“

Ulrike H. hat von einem verstorbenen Familienmitglied 130.000 Euro geerbt. Ob die Täter davon wissen oder einfach ins Blaue raten, ist unklar. Jedenfalls wird es einige Tage später dann konkret: Der angebliche Polizist rät der Frau, ihr Geld abzuheben und in Goldbarren zu tauschen. Einerseits, damit das Geld von der „unsicheren Bank“ weg wäre, andererseits, weil Gold eine zeitlose Sicherheit sei. Ulrike H. veranlasst, ihr Erspartes in insgesamt 23 Goldbarren umzutauschen. Mitarbeiter der Bank hinterfragen den Umtausch nicht.

„Kaum war ich zu Hause, da klingelte schon das Telefon“, sagt die Frau. Sie glaubt: „Die müssen mich beobachtet haben. Immer wenn ich da war, riefen sie an.“ Der falsche Polizist erklärt der Frau, er müsse das Gold auf Echtheit überprüfen, der Bank könne man ja nicht trauen. Kurz darauf kommt ein Mann zu Ulrike H. in die Wohnung, nimmt das Gold mit. Weil sich niemand mehr meldet, geht sie zur Polizei. Dort erfährt sie, dass sie reingelegt worden ist.

Sie leide seitdem unter schlimmen Albträumen, sagt sie. Immer verfolge sie jemand. In ihre Wohnung könne sie seitdem niemanden mehr reinlassen. „Wenn ich jetzt ins Krankenhaus komme, dann war’s das. Ich habe absolut keine Reserven mehr.“ Trotzdem: Die Rentnerin will stark bleiben, stark sein. „Das muss ich. Ich habe keine andere Wahl.“

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Dass sie das Geld wiederbekommt, ist sehr unwahrscheinlich. Hinter den Anrufen stecken professionell agierende Täter-Gruppen, die europaweit zuschlagen. Häufig rufen sie aus Callcentern in der Türkei oder aus Albanien an, die Hintermänner leben in Saus und Braus. Gerade Anfang Oktober wurden 30 Verdächtige in Callcentern in der türkischen Provinz Mersin festgenommen, die vor allem Senioren in Bayern und Baden-Württemberg abgezockt haben sollen.

Die Polizei rät: „Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl und lassen Sie sich Zeit, diese Anrufe zu überdenken! Kann diese abenteuerliche Geschichte stimmen?“ Man solle sich in jedem Fall an eine Person seines Vertrauens wenden – auch wenn die Täter am Hörer etwas anderes sagen. Hilfreich könne auch ein Telefonnummer-Wechsel oder die Löschung des Vornamens sein – die Täter suchen Opfer meist im Telefonbuch. Im schlimmsten Fall: „Legen Sie einfach auf. Und rufen Sie die echte Polizei.“

Sie könne es nicht verstehen, sie sei immer so vorsichtig gewesen. Trotzdem ist Ulrike H. (83, Name geändert) skrupellosen Telefon-Betrügern zum Opfer gefallen. Die Rentnerin schenkte der Stimme am Hörer Vertrauen. Am Ende verlor sie ihr ganzes Erspartes – 130.000 Euro. Die Täter gingen raffiniert vor.