Razzia in Hamburger Drogenpark: „Wenn es dunkel wird, wird es hier gefährlich“

Kripo-Ermittler bei der Razzia im Dulsberg-Park am Dienstag.
Kripo-Ermittler bei der Razzia im Dulsberg-Park am Dienstag.

Eine beschauliche Wiese, am Ende mit einem Spielplatz – gesäumt von Häuserreihen. Doch die Idylle in diesem Park in der Nähe des Osterbek-Kanals ist trügerisch. Schon tagsüber versuchen hier Männer-Gruppen, offensiv Drogen zu verkaufen – teils sogar an Eltern mit kleinen Kindern. „Und wenn es dunkel wird, wird’s gefährlich“, so ein Anwohner. Viele haben Angst, sollen von den Dealern sogar bedroht und eingeschüchtert werden. Jetzt griff die Polizei ein – schafft sie es, die Dealer aus dem Park zu vertreiben?

Die Mitarbeiterin eines Kiosks, der direkt am Dulsberg-Park liegt, der sich westlich und östlich des Ring 2 (Nordschleswiger Straße) erstreckt, winkt sofort ab: „Ich weiß, worum es geht“, sagt sie, noch gar nicht auf die Drogenproblematik angesprochen. „Es ist schlimm geworden“, ergänzt sie und zeigt nach draußen. „Da hatte ich früher eine Bank stehen. Doch die Dealer konsumierten ihr eigenes Zeug direkt vor meinem Laden. Darum ist sie jetzt weg.“

Dealer im Dulsberg-Park: „Man kann sie nicht übersehen“

Sie erzählt von rücksichtslosen Dealern, die ihren Stoff – überwiegend Marihuana – auch an Kinder verkaufen. Die Tagesmutter eines Babys, die vom Park wegspaziert, bestätigt das. „Die dealen hier zu jeder Tages- und Jahreszeit. Es kommen immer mehr Gesichter dazu. Man kann sie nicht übersehen.“ Ihre Auftraggeber schickten die größere Tochter nicht mehr alleine durch den Park zur Schule. „Es ist ein bekanntes Problem“, sagt die Tagesmutter. „Man hat hier einfach ein mulmiges Gefühl.“

Auch auf dem Spielplatz soll laut Aussagen mehrerer Anwohner offen gedealt werden.
Auch auf dem Spielplatz soll laut Aussagen mehrerer Anwohner offen gedealt werden.

Besonders schlimm: Auch auf dem Spielplatz und an der angrenzenden Schule sollen Dealer ihren Stoff verkaufen. Tatsächlich kommen an vielen Stellen des Parks fünf leere Drogentütchen auf nicht mal zwei Quadratmeter.

Liegen im Park überall: Kleine, leere Drogentütchen.
Liegen im Park überall: leere Drogentütchen.

Eine Frau, die seit 16 Jahren am Dulsberg-Park lebt, erzählt von einer sich verschiebenden Drogenszene: Vor Jahren seien die Dealer im westlichen Teil des Parks aktiv gewesen, im Bereich der Hundeauslaufzone, sagt sie. Doch die Stadt reagierte und ließ die Hecken, hinter denen sich Drogenverkäufer oft versteckten, abholzen. Daraufhin verlagerte sich das Geschehen auf die östliche Seite.

„Es ist deutlich schlimmer geworden“, sagt sie, die Dealer seien mittlerweile in viel größeren Gruppen unterwegs und sehr aufdringlich. „Wenn die Polizei kommt, und sie kommt oft, dann hört man nur das Pfeifen der Männer und dann sind sie weg. Die scheinen bestens strukturiert.“ Ob die Lebensqualität durch die Umstände gelitten habe? „Würde ich nicht sagen, aber die Leute fühlen sich unwohler, gerade am Spielplatz. Für Kinder ist das total schlimm.“

Anwohner in Sorge: „Es ist schon gruselig“

Der Park ist kaum beleuchtet. Konsumiert wird an jeder Ecke.
Der Park ist kaum beleuchtet. Konsumiert wird an jeder Ecke.

Auf einer Bank in der Sonne sitzt ein Mann, an seiner Seite sein Fahrrad. Er ist Pfleger im hiesigen Krankenhaus. Und er kennt ebenfalls das Drogenproblem. „Je später die Stunde, desto zugedröhnter sind sie“, erzählt er und meint die Dealer, die tagsüber noch relativ „ruhig ihrem Geschäft“ nachgingen, „aber wenn es dunkel wird, wird’s gefährlich“. Er mache sich große Sorgen und habe mit eigenen Augen gesehen, wie die Dealer für zehn Euro Drogen an Kinder verkauften. „Der Park ist kaum beleuchtet, es gibt zu wenige Laternen. Es ist schon gruselig.“

Eins sagen alle, ob Kiosk-Mitarbeiterin oder Krankenpfleger: Seit einigen Wochen habe sich die Lage verschlimmert. Auch der Polizei, die laut den Anwohnern oft dort Streife läuft, ist das Problem bekannt, sogar eine Anzeige wegen Bedrohung bearbeitet die Kripo momentan. Ein Sprecher zur MOPO: „Wir setzen dort zielgerichtet uniformierte und zivile Kräfte ein, um diesem Deliktsfeld entgegenzutreten.“

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Am Dienstag filzten die Drogenfahnder des LKA 68 in einer größeren Aktion den gesamten Park, kontrollierten 13 Männer. Die Beamten leiteten acht Strafverfahren ein, darunter wegen Drogenhandel und Drogenbesitz. Zudem fanden sie 80 Gramm Marihuana, abgepackt in kleinen Tüten. Diensthunde erschnüffelten diverse Drogenbunker. Zwei Männer (24, 26) kamen in U-Haft. Nach MOPO-Informationen plant die Polizei bereits weitere Kontrollaktionen.