Polizei

Razzia in berüchtigter Unterkunft: Schlimmer Verdacht auf schweren Kindergeld-Betrug

Polizeifahrzeuge vor einem Gebäudeeingang, Einsatzkräfte im Eingangsbereich.
Großrazzia in der Geflüchtetenunterkunft am Überseering

Ende Juni wurde die Geflüchtetenunterkunft am Überseering durchsucht – wegen des Verdachts auf Kindergeldbetrug. Jetzt kam die zuständige Behörde zu einem Ergebnis.

Schon oft wurde über die Zustände in der Geflüchtetenunterkunft in der City Nord berichtet: Müll, Lautstärke, fehlende Fluchtwege. In der vergangenen Woche gab es eine Razzia, wegen des Verdachts auf Kindergeldbetrug. Und siehe da: Von 91 gemeldeten Kindern fehlte in der ehemaligen Postbank-Filiale jede Spur. Dahinter könnte eine beliebte Masche stecken.

Gegen 6 Uhr begannen die Polizisten am vergangenen Donnerstag mit der Durchsuchung von Hamburgs größter Geflüchtetenunterkunft. Diverse Mannschaftswagen parkten vor einem Eingang.

Es ging um 150 Verdachtsfälle von Kindergeldbetrug. Es sollte geprüft werden, ob alle gemeldeten Personen tatsächlich in der Unterkunft leben und über die angegebene Staatsangehörigkeit verfügen.

Zwischenbilanz nach Razzia am Überseering

Eine knappe Woche später gibt es eine erste Zwischenbilanz der Razzia: 91 Kinder und 37 erwachsene Leistungsempfänger wurden vor Ort nicht angetroffen. Noch sei nicht abschließend geklärt, ob sie anderswo unterwegs waren – oder tatsächlich gar nicht in der Unterkunft leben.

Die Kindergeldzahlung sei in den jeweiligen Fällen allerdings vorerst eingestellt worden, bestätigt eine Sprecherin der Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit. Die Zahlung könne jederzeit wieder aufgenommen werden, wenn die Berechtigung nachgewiesen wird. Es könnte aber auch zu weiteren Kürzungen kommen, da noch nicht alle Fälle final überprüft wurden.

„Ob es sich um unabhängige Einzelfälle handelt oder Strukturen dahinterstecken, wird sich zeigen“, sagt die Sprecherin.

Innenministerkonferenz: Kampf gegen bandenmäßigen Sozialleistungsbetrug

Auf der Innenministerkonferenz in Hamburg war am 19. Juni beschlossen worden, konsequenter gegen bandenmäßigen Sozialleistungsbetrug vorzugehen. Hintergrund sind vor allem Fälle, in denen Banden EU-Bürger aus Südosteuropa nach Deutschland geholt haben, um unrechtmäßig Sozialleistungen zu erlangen.

In der Unterkunft in Winterhude sind knapp 1000 Menschen untergebracht, der Großteil Familien. Die MOPO berichtete bereits mehrfach über die Zustände. Ein Feuerwehrmann forderte: „Holt doch wenigstens die Kinder da raus“ und bemängelte die Fluchtwege, nachdem es mehrere Brände gegeben hatte. Ein ehemaliger Mitarbeiter berichtete von Müllbergen, Essensresten auf den Fluren und völlig verdreckten Sanitäranlagen.

Schon oft wurde über die Zustände in der Geflüchtetenunterkunft in der City Nord berichtet: Müll, Lautstärke, fehlende Fluchtwege. In der vergangenen Woche gab es eine Razzia, wegen des Verdachts auf Kindergeldbetrug. Und siehe da: Von 91 gemeldeten Kindern fehlte in der ehemaligen Postbank-Filiale jede Spur. Dahinter könnte eine beliebte Masche stecken.