Radfahrerin in Hamburg getötet: Hatte der Lkw einen Abbiegeassistenten?

Die Fahrradfahrerin wurde vom Lkw überrollt. Jede Hilfe kam für sie zu spät.
Die Fahrradfahrerin wurde vom Lkw überrollt. Jede Hilfe kam für sie zu spät.

Nach dem Tod einer Radfahrerin auf dem Veddeler Damm (Kleiner Grasbrook) ist die Polizei weiter auf Spurensuche. Dabei geht es auch um die Frage, ob der beteiligte Lkw über einen Abbiegeassistenten verfügte. Bei dem Unfall am Montagmorgen wurde die Radfahrerin vom Fahrer eines Lastzuges überrollt. Für sie kam jede Hilfe zu spät.

Zum tödlichen Zusammenstoß kam es um 7.33 Uhr. Nach ersten Erkenntnissen war die 44-jährige Radfahrerin auf der Straße Veddeler Damm unterwegs. In welche Richtung sie fuhr, ist bisher nicht bekannt. Zeitgleich bog ein stadtauswärts fahrender Lkw vom Veddeler Damm in die Straße Am Windhukkai ein. Dabei erfasste der Lkw die Radfahrerin. Sie starb noch an der Unfallstelle.

Hamburg: Radfahrerin bei Unfall mit Lkw getötet

Wieso der Fahrer des Lkws die Frau übersah, ist bislang unklar. Der Lastwagenfahrer blieb nach Angaben der Feuerwehr körperlich unverletzt. Ein Kriseninterventionsteam betreute ihn und einen Zeugen, der den Unfall beobachtete. Beide erlitten einen Schock. Die Polizei setzte zur Unfallaufnahme einen 3D-Scanner und eine Drohne ein. Auch ein Sachverständiger unterstützte die Ermittlungen.

Unklar ist bislang, ob der beteiligte Lkw über einen Abbiegeassistenten verfügte. Die MOPO fragte beim Spediteur nach: Dieser gab an, dass alle Fahrzeuge in seiner Flotte über das Assistenzsystem verfügten, einschließlich des Unfallfahrzeugs.

Das Fahrrad liegt komplett unter dem Lastwagen
Das Fahrrad liegt komplett unter dem Lastwagen.

Jedoch bestätigte die Hamburger Polizei die Angaben des Unternehmers „aufgrund der noch laufenden Ermittlungen“ zunächst nicht. Auch zur genauen Unfallursache gab es am Dienstag noch keine Neuigkeiten seitens der Ermittler.

ADFC-Sprecher: Die erneute Tötung eines Radfahrers ist unerträglich

Was beim Blick auf das Fahrerhäuschen des Lkw auffällt: Diverse Gegenstände hingen oder klebten vor der Windschutzscheibe, darunter ein großer Zettel. War der Sichtbereich des Fahrers dadurch eingeschränkt?

„Dass erneut ein:e Radfahrer:in in Hamburg durch einen rechtsabbiegenden Lkw-Fahrer getötet wurde, ist unerträglich“, sagt Dirk Lau, Sprecher des Hamburger Fahrradclubs ADFC, der MOPO. Man sei zutiefst bestürzt darüber, dass ein Mensch sein Leben verlor, nur weil er mit dem Rad unterwegs sein wollte. „Unser Mitgefühl gilt den Freund:innen und Verwandten des Opfers.“

Tödlicher Fahrradunfall Hamburg
Die Unfallstelle an der Kreuzung Veddeler Damm/Am Windhukkai.

Dabei lägen Maßnahmen, mit denen sich die Zahl weiterer Todesopfer senken ließe, auf der Hand. Dazu zählten unter anderem verpflichtende Abbiegeassistenten für alle Lkw im Stadtgebiet, die rote Einfärbung aller Bereiche, an denen sich Rad- und Kfz-Verkehr kreuzen und konsequente Kontrollen des Abbiegeverhaltens, so der Sprecher. Beim Rechtsabbiegen dürfen Lkw nämlich nur Schrittgeschwindigkeit fahren, was häufig jedoch missachtet wird.

Immer wieder werden Radfahrer von Lkw-Fahrern getötet

In Hamburg ist es in diesem Jahr bereits der zweite Unfall, bei dem ein Radfahrer getötet wurde. Im vergangenen Jahr starben neun Radfahrer bei Verkehrsunfällen. Fünf von ihnen kamen bei Unfällen mit Lkw ohne Abbiegeassistenten ums Leben. Die Technik soll Fahrern von besonders großen, schweren und unübersichtlichen Fahrzeugen eine Hilfe sein. Seit Juli 2022 sind sie Pflicht bei jedem Lkw eines neuen Fahrzeugtyps, aber erst ab Juli 2024 müssen sie in allen neuverkauften Lkw und Bussen eingebaut sein. Gebrauchtfahrzeuge bleiben von der Pflicht jedoch weiter ausgenommen.

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„Der Mensch hinter dem Steuer eines tonnenschweren Fahrzeugs hat einen anderen Menschen auf schrecklichste Weise getötet“, sagt Lau. Der ADFC Hamburg plane für Sonntag eine stille Mahnwache an der Unfallstelle. Dabei solle auch ein sogenanntes Ghost Bike in Gedenken an die getötete Radfahrerin aufgestellt werden, ein weiß angemaltes Rad.

Nach dem Tod einer Radfahrerin auf dem Veddeler Damm (Kleiner Grasbrook) ist die Polizei weiter auf Spurensuche. Dabei geht es auch um die Frage, ob der beteiligte Lkw über einen Abbiegeassistenten verfügte. Bei dem Unfall am Montagmorgen wurde die Radfahrerin vom Fahrer eines Lastzuges überrollt. Für sie kam jede Hilfe zu spät.