Pro-kurdische Demos in Hamburg und Norddeutschland: Tausende auf der Straße
Lautstarke Proteste, kurdische Flaggen und Pyrotechnik: Zahlreiche Menschen ziehen durch Hamburg, Hannover, Bremen und Salzgitter. Was ist der Hintergrund? Bleibt alles friedlich?
Rund 2000 Kurdinnen und Kurden sowie Unterstützerinnen und Unterstützer demonstrierten am Abend unter dem Motto „Verteidigt die Revolution“ in Hamburg. Hintergrund ist die Lage im Norden und Nordosten Syriens, wo Regierungstruppen mit den kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) um Macht, Einfluss und Gebietskontrolle kämpfen.
Wie die Polizei bestätigte, startete der Aufzug gegen 18.30 Uhr am Heidi-Kabel-Platz nahe des Hauptbahnhofs und führte durch Teile der Innenstadt über die Lombardsbrücke. Die Demonstration endete gegen 21 Uhr mit einer Abschlusskundgebung am Mittelweg an der Ecke Theodor-Heuss-Platz enden.

Anders als bei vorherigen Protesten blieb die Versammlung in Hamburg nach Angaben der Polizei weitgehend friedlich. Lediglich vereinzelt wurde Pyrotechnik gezündet und Leuchtfackeln eingesetzt, weshalb der Aufzug an der Lombardsbrücke kurzzeitig gestoppt wurde. Nach einer Durchsage der Versammlungsleitung setzte sich die Demonstration ohne weitere Zwischenfälle fort.
Im Umfeld der Demonstration kam der Autoverkehr zum Erliegen, auch Buslinien waren davon betroffen. Am Samstag haben die Veranstalter erneut eine Demonstration in Hamburg geplant. Sie soll um 15 Uhr nahe dem Hauptbahnhof beginnen.
Tausende Demonstranten im Norden
Hamburg ist dabei nicht allein. Zeitgleich gingen in mehreren Städten in Norddeutschland Tausende Menschen auf die Straße. Zu den Demonstrationen hatte der kurdische Dachverband „Konföderation der Gemeinschaften Kurdistans in Deutschland“ aufgerufen. Seit Tagen gibt es bundesweit Kundgebungen unter dem Aufruf, die kurdische Selbstverwaltung in Rojava gegen Angriffe zu verteidigen.
In Hannover kamen nach Schätzungen von Reportern rund 2000 Menschen zusammen, die Polizei sprach von etwa 800 Teilnehmenden. Auch dort wurde vereinzelt Pyrotechnik gezündet, insgesamt blieb die Versammlung aber friedlich. In Bremen zählte die Polizei rund 2300 Demonstrierende, die mit kurdischen Flaggen und Sprechchören durch die Innenstadt zogen. Die Polizei war mit zahlreichen Kräften vor Ort, auch ein Wasserwerfer stand bereit. In Salzgitter versammelten sich nach Angaben der Polizei etwa 600 Menschen, die Stimmung wurde als emotional, aber friedlich beschrieben.

Das könnte Sie auch interessieren: Mutter von vier Kindern schießt aus Fenster – Polizei unterstützt Jugendamt
Die Proteste zeigen, wie stark die Entwicklungen in Syrien die kurdische Community in Deutschland bewegen. Die als Rojava bekannte kurdische Selbstverwaltung im Nordosten Syriens gilt vielen als Symbol für politische Selbstbestimmung – und steht nun erneut im Zentrum eines militärischen Konflikts, der weit über die Region hinaus für Mobilisierung sorgt. (mit dpa)
Anmerkungen oder Fehler gefunden? Schreiben Sie uns gern.