Neue Zahlen: So gefährlich sind Hamburgs Bahnhöfe
Wie gefährlich sind Hamburgs Bahnhöfe? Zwar sorgen Polizei und Sicherheitskräfte für ein insgesamt hohes Sicherheitsniveau, doch dort, wo viele Menschen aufeinandertreffen, steigt das Konfliktpotenzial. An einigen Stationen konzentriert sich Gewalt, Täter finden mehr Gelegenheiten, die Hemmschwelle sinkt – manche Orte gelten daher als Brennpunkte. Die MOPO hat aktuelle Zahlen der Bundespolizei ausgewertet, die zeigen, wie sich die Kriminalität an den einzelnen Bahnhöfen entwickelt.
Eines der zentralen politischen Themen bleibt der Zustand am Hauptbahnhof. Nach der Einführung von Quattrostreifen sowie einem Waffenverbot als Reaktion auf einen Anstieg der Gewaltdelikte sind die Fallzahlen inzwischen rückläufig: 2023 wurden 720 Fälle registriert, 2024 waren es 546. Bis Oktober dieses Jahres wurden 433 Taten erfasst. Die Bundespolizei erwartet einen weiteren Rückgang. Als Gewaltdelikte gelten unter anderem Körperverletzungen, Raub und Widerstand gegen Beamte.
Kriminalität am Hauptbahnhof: Gewaltdelikte gehen zurück
Deutlich schwankender zeigen sich die Zahlen bei Sexualdelikten: Nach einem Rückgang 2023 (von 28 auf 20 Fälle) stiegen sie im vergangenen Jahr wieder auf 35. Im laufenden Jahr liegen sie bislang bei 20. Ähnlich sieht es bei Diebstählen aus: Zwischen 2021 und 2023 stiegen die Fälle von 1060 auf 2954, 2024 waren es 2854 – weiterhin ein hohes Niveau. Die Bundespolizei spricht deshalb von einem „progressiven Trend“, obwohl bis Oktober dieses Jahres erst rund 2300 Fälle erfasst wurden.
Bei der Gesamtkriminalität an Hamburgs Bahnhöfen zeigte sich zuletzt ein Rückgang: Nach dem Ende der Corona-Beschränkungen stiegen die Fallzahlen wie erwartet, von 5816 Fällen im Jahr 2021 auf 8449 im Jahr 2022. 2023 wurden 9326 Delikte erfasst, 2024 sank die Zahl auf 8389. In diesem Jahr wurden bislang 6218 Fälle an den rund 70 Bahn- und S-Bahn-Stationen registriert.
Altona, Reeperbahn, Harburg: Die größten Hotspots
Nach dem Hauptbahnhof fallen besonders die Stationen Altona (2023: 834 Fälle; 2024: 713; bis Oktober: 352), Reeperbahn (375/530/292) und Harburg (764/692/428) mit hohen dreistelligen Deliktzahlen auf. Altona ist als Fernbahnhof stark frequentiert, zudem halten sich viele Obdachlose im Umfeld auf. Die Reeperbahn ist Anlaufpunkt für Partygänger, die oft alkoholisiert unterwegs sind. In Harburg spielt das angrenzende Phoenix-Viertel eine Rolle, in dem es regelmäßig zu Auseinandersetzungen kommt.
Bergedorf kratzt mit 99 Fällen im Jahr 2024 an der Dreistelligkeit, dicht dahinter folgen Landungsbrücken (77), Harburg Rathaus (62) und Neugraben (66). In den Vorjahren lagen sie teils über 100 Fällen, aktuell jedoch sind die Zahlen – auch mit Blick auf dieses Jahr – rückläufig.
Jungfernstieg: Warum der Brennpunkt ruhiger wurde
Deutliche Anstiege verzeichnen dagegen die Veddel (2023: 30 Fälle; 2024: 63), die Holstenstraße (51/71) und Hammerbrook (25/52). Am Jungfernstieg, im Sommer ein Hotspot für Jugendliche und Gangs und damit besonders konfliktanfällig, gehen die Zahlen hingegen zurück: von 210 Fällen im Jahr 2021 auf 145, 89 und zuletzt 64. Sicherheitsbehörden führen dies auf eine stärkere Polizeipräsenz zurück. Allerdings: Im laufenden Jahr wurden bereits 81 Fälle registriert – ein erneuter Anstieg.
Das könnte Sie auch interessieren: Müllberge direkt an Landstraße im Norden: Spuren deuten auf einen Täterkreis hin
Besonders unauffällig bleiben Bahnhöfe wie Iserbrook, Tonndorf, Rahlstedt, Alte Wöhr oder Sülldorf, wo die Zahlen seit Jahren nicht einmal zweistellig sind. Überraschend ist zudem: In Wandsbek und an der Sternschanze wurden in den vergangenen fünf Jahren zusammen lediglich neun Straftaten angezeigt.