Neue Kriminalstatistik: Hamburg „immer sicherer“ – doch es gibt einen Haken
Innensenator Andy Grote (SPD) war spürbar zufrieden, als er am Donnerstag die Kriminalstatistik für 2025 vorstellte – gemeinsam mit dem Polizeipräsidenten Falk Schnabel und LKA-Chef Jan Hieber. Fast alle Zahlen sind rückläufig, Hamburg werde „immer sicherer“, hieß es. Allerdings gibt es einen Haken …
„Hamburg ist eine sehr sichere Stadt“, sagte der Senator zu Beginn der Pressekonferenz wörtlich. „Und sie ist im letzten Jahr wieder ein Stück sicherer geworden.“ Jedoch nicht für alle. Die Fälle von Partnerschaftsgewalt stiegen 2025 von 5535 auf 5804. Das Geschlechterverhältnis ist dabei eindeutig: Dreiviertel der Opfer sind Frauen.
Kriminalitätsstatistik: Fünf Frauen 2025 umgebracht
Fünf Frauen wurden laut LKA im vergangenen Jahr umgebracht (Männer: 12). Der erste Fall passierte bereits am 2. Januar 2025 in Groß Borstel: Derek W. erstach seine Ehefrau Stefanie, Mutter des dreijährigen Sohnes, im Treppenhaus der gemeinsamen Wohnung. Im Oktober wurde er dafür zu 13,5 Jahren Haft verurteilt.

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Doch auch an öffentlichen Orten kommt es zu Gewalt und Übergriffen gegen Frauen, beim Feiern, auf dem Heimweg, im Bus. Ein Fall liegt erst wenige Tage zurück: Am Sonntag wurde eine Frau im Harburger Schienenersatzverkehr von zwei Männern sexuell belästigt. Beide wurden vorläufig festgenommen.
Hamburg: Zwölf Prozent mehr Vergewaltigungen angezeigt
2025 kam es allerdings mit 1907 Fällen von sexueller Belästigung zu etwa 100 Fällen weniger als im Vorjahr. Dafür stieg die Zahl der Vergewaltigungen um zwölf Prozent auf 319.

Polizei und Innenbehörde führen den Anstieg unter anderem auf Informationskampagnen und das daraus resultierende gestiegene Anzeigeverhalten zurück. In mehr als 80 Prozent der Fälle gab es eine Vorbeziehung zum Täter, bei einem Drittel stammt der Tatverdächtige aus der Familie des Opfers.
„Die Anzahl an Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen sowie zur sogenannten Partnerschaftsgewalt ist erneut alarmierend“, sagt Deniz Celik, innenpolitischer Sprecher (Die Linke). Er fordert: Investitionen in den Gewaltschutz, ausreichend finanzierte Frauenhäuser, verpflichtende Täterarbeit und eine „Polizei und Justiz, die Betroffene ernst nimmt“.
PKS 2025: Straftaten gingen um 5,6 Prozent zurück
Insgesamt ging die Zahl der Straftaten im Vergleich zum Vorjahr um rund 11.000 Fälle (5,6 Prozent) zurück. Der Rückgang zieht sich durch nahezu alle Bereiche: Wohnungseinbruch, Fahrzeugdiebstahl, Betrugs-, und Rauschgiftdelikte. Im vergangenen Jahr ging auch die Zahl der Gewaltdelikte um 5,4 Prozent zurück.
Die Zahl der versuchten Tötungen stieg von 27 auf 49. Insgesamt wurden 17 Menschen umgebracht, drei mehr als im Vorjahr. Dafür ging die Zahl der Raube und Körperverletzungen zurück. Hotspots sind hier weiterhin St. Georg und St. Pauli. Das liege an der Belebtheit der Viertel, aber auch am Drogen- und Alkoholkonsum der Menschen.
Kriminalstatistik: Weniger Messer und Schusswaffen
Besonders auffällig war der Rückgang der Messer als Tatmittel: Hier gibt es einen Rückgang um 34,6 Prozent, was die Polizei auf ihre Großkontrollen etwa im HVV zurückführt. Scharfe Schusswaffen wurden 16 mal abgefeuert (Vorjahr 24 Fälle). Die Aufklärungsquote lag bei 49,1 Prozent, dem höchsten Wert seit 1997.
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2025 sei somit insgesamt „ein gutes Jahr“ gewesen, sagt Grote. Das Ziel einer sicheren Stadt sei aber erst erreicht, „wenn wir auch eine Gesellschaft sind, in der sich auch Frauen sicher fühlen.“
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