Polizei

Nach monatelangem Terror: Neonazi in Psychiatrie eingewiesen

Mann mit „Hamburg“-Shirt hält eine lange Metallstange vor Lamellen im Innenraum.
Tim Schulze (Name geändert) ist in der Neonaziszene bekannt.

Monatelang lebten Anwohner in Hamburgs Altstadt in Angst. Nun wurde der 65-Jährige nach erneutem Polizeieinsatz in eine Psychiatrie gebracht.

Der Nazi von nebenan: Monatelang terrorisierte ein 65-Jähriger die Bewohner eines Wohnblocks in der Hamburger Altstadt. Immer wieder rückte die Polizei an, zuletzt wurde er zur Räumung seiner Wohnung verurteilt. Nun ist der Mann in einer psychiatrischen Klinik.

Polizisten nahmen den 65-Jährigen am frühen Dienstagmorgen in seiner Wohnung in Gewahrsam. Nach Angaben der Polizei hatte er erneut die Ruhe in dem Wohnhaus gestört. „Zu seinem Schutz und zum Schutz unbeteiligter Dritter“ wurde er anschließend in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht, sagt eine Polizeisprecherin. Die „Bild“ berichtete, dass er auch vor den Beamten angekündigt habe, das Haus anzuzünden.

Anwohner lebten seit Jahren in Angst

Die MOPO hatte Ende Juni ausführlich über die Zustände in dem Wohnblock berichtet. Anwohner schilderten, der Mann schreie zu jeder Tages- und Nachtzeit rassistische, frauenfeindliche und homophobe Parolen, werfe Gegenstände und Fäkalien vom Balkon und bedrohe seine Nachbarn. Bei einem Polizeieinsatz soll er angekündigt haben, das gesamte Haus „totzuschlagen“. 

Der 65-Jährige ist seit Jahrzehnten in der Neonazi-Szene bekannt. 1997 führte ihn das Bundesamt für Verfassungsschutz auf einer Liste als Rechtsextremisten. Später wurde er wegen des Zeigens des Hitlergrußes verurteilt. Videos, die der MOPO vorliegen, zeigen zudem, wie er einen Hund misshandelt. Das Tier wurde ihm mittlerweile weggenommen. 

Gericht hatte bereits Räumung angeordnet

Auch der Vermieter hatte nach zahlreichen Beschwerden Konsequenzen gezogen. Das Amtsgericht entschied im Juli, dass der Mann seine Wohnung bis zum 30. September räumen muss. Zuvor war das Mietverhältnis nach mehreren Abmahnungen gekündigt worden. 

Die Polizei konnte zuvor hingegen wenig tun, trotz diverser Einsätze wegen Ruhestörungen, Vandalismus und Drohungen. Für eine psychiatrische Unterbringung gegen den Willen des Betroffenen muss eine Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegen. Am Dienstag sah der hinzugezogene Amtsarzt sie offenbar als gegeben an. Wie lange der Mann in der psychiatrischen Klinik bleiben wird, ist noch unklar. (mp)