Nach Explosion: Mehr als 80 Lagerräume geplündert

Die Ruine an der Hamburger Straße. Auf dem Gelände sollen Büros entstehen.
Die Ruine an der Hamburger Straße. Auf dem Gelände sollen Büros entstehen.

„Es wirkte, als wäre eine Bombe eingeschlagen“, sagte ein Anwohner am 1. Juni des vergangenen Jahres. In der Nacht zuvor hatte es in einem Gebäude an der Hamburger Straße (Barmbek-Süd) eine gewaltige Explosion gegeben. Die Ruine war mehr als ein Jahr nicht zu betreten – bis jetzt. Und dabei machte der Eigentümer eine Entdeckung: Plünderer haben mehr als 80 Lagerräume geleert.

Ende August wollte der Eigentümer des Gebäudes mit einem Architekten das Haus besichtigen, schauen, wie groß der Schaden ist. Dabei entdeckte er aufgebrochene Türen und leere Lagerräume. Teils hatten die Plünderer – die wohl nachts über die U-Bahn-Seite aufs Gelände gelangten – ihre Beute wohl in den Fluren stehengelassen.

Nach Explosion in Hamburg: Plünderer leeren 80 Lagerräume

Der Besitzer rief die Polizei. Ein Sprecher: „Eine Streifenwagen-Besatzung ist dorthin gefahren und hat sich dann den Sachverhalt schildern lassen.“ Die Lagerraum-Besitzer seien angeschrieben und um eine Auflistung der in den Räumen abgestellten Gegenstände gebeten worden. Nach MOPO-Informationen wurden unter anderem Möbel und hochwertige Elektroartikel mitgenommen.

Ein eingeschlagenes Fenster – sind die Täter hier ins Gebäude gelangt?
Ein eingeschlagenes Fenster – sind die Täter hier ins Gebäude gelangt?

Mieter der Lagerräume meldeten sich in der Folge auch beim Besitzer des Grundstücks. Der Grund: Sie hatten auf Ebay ihre Wertsachen wiedererkannt. Auch hier laufen zahlreiche Verfahren bei der Polizei, die nun abgearbeitet werden. „Wir gehen den Hinweisen nach, Ermittlungsansätze sind da“, sagte der Sprecher, auch wenn noch keine Täter ermittelt bzw. festgenommen worden seien.

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Ein Problem bei den Arbeiten der Kripo (LKA 142): der mögliche Tatzeitraum. Noch können die Ermittler die Tat nicht zeitlich eingrenzen. Zu lange war das Gebäude dazu nicht betretbar – es herrschte akute Einsturzgefahr. Am Anfang hatten die Beamten das Gelände mit Drohnen überflogen, auch die U-Bahnstrecke war tagelang gesperrt.

Das Haus galt und gilt als einsturzgefährdet.
Das Haus galt und gilt als einsturzgefährdet.

Seit einigen Tagen ist nun ein Bagger an der Baustelle. Das Gebäude – in dem sich eine Tanzschule, diverse Firmen und eben jene Lagerräume befanden – wird abgerissen. Ein Bürokomplex soll dort entstehen.

Hier wurde die Explosion ausgelöst. Die Decke ist von Ruß bedeckt.
Hier wurde die Explosion ausgelöst. Die Decke ist von Ruß bedeckt.

Ein Mann, der im Haus gegenüber arbeitet, sagt zur MOPO: „Dadurch, dass da jetzt abgerissen wird, sah man, dass viele Türen gewaltsam aufgebrochen worden sind. Sämtliche Lager wurden durchsucht. Für die Verbrecher muss es lukrativ gewesen sein.“ Eine Schadenssumme gibt es laut Polizei nicht. Mit Explosion und den Diebstählen dürfte aber ein hoher Millionen-Schaden verursacht worden sein.

Die Detonation war damals laut Polizei mutwillig bei einem Selbstmord ausgelöst worden.

Hilfe in schweren Stunden

Ihre Gedanken hören nicht auf zu kreisen? Sie befinden sich in einer scheinbar ausweglosen Situation und spielen mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen? Hier finden Sie Beratungs- und Seelsorgeangebote:

Telefonseelsorge: Unter 0800 – 111 0 111, 0800 – 111 0 222 oder 116 123 erreichen Sie rund um die Uhr Mitarbeiter, mit denen Sie Sorgen und Ängste teilen können. Auch ein Gespräch via Chat ist möglich. telefonseelsorge.de

Kinder- und Jugendtelefon: Das Angebot des Vereins „Nummer gegen Kummer“ richtet sich vor allem an junge Menschen. Erreichbar montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter 116 111. Es gibt auch ein Elterntelefon, das unter 0800 – 111 0550 erreichbar ist. Samstags nehmen die jungen Berater des Teams „Jugendliche beraten Jugendliche“ die Gespräche an. nummergegenkummer.de.

Muslimisches Seelsorge-Telefon: Die Mitarbeiter von MuTeS sind 24 Stunden unter 030 – 44 35 09 821 zu erreichen. Viele sprechen Türkisch. mutes.de

Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention: Unter suizidprophylaxe.de gibt es eine Übersicht aller telefonischer, regionaler, Online- und Mail-Beratungsangebote in Deutschland.