Hamburg
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Mysteriöse Schüsse in Shisha-Bar: Polizei entdeckte den Tatort nur durch Zufall
Mehr als zehn Einschusslöcher sind in der Glasfassade einer Shisha-Bar auf St. Pauli zu sehen. Verletzte gab es offenbar nicht. Wann genau dort geschossen wurde – darüber rätselt die Polizei. Denn einen Notruf gab es nicht. Nur durch Zufall kamen die Beamten der Sache auf die Spur.
Der anonyme Anruf ging gegen 9.20 Uhr bei der MOPO ein. Ein Mann meldet Einschusslöcher in der Glasfassade einer Shisha-Bar in der Holstenstraße/Ecke Simon-von-Utrecht-Straße. Kurz nach Gesprächsbeginn ist klar: Der Anrufer hat detaillierte Kenntnisse.
Polizei bestätigt scharfe Schüsse – Beweismaterial sichergestellt
Den Angaben des Insiders zufolge sei in der Nacht zu Montag innerhalb der Shisha-Bar geschossen worden. Womöglich hat deshalb kein Anwohner die Schüsse laut wahrgenommen und die Polizei informiert.
Die Polizei gibt an, dass die Einschusslöcher zufällig von einer Beamtin auf dem Weg zum Dienst entdeckt worden seien und bestätigt, dass es sich um Schüsse aus einer scharfen Schusswaffe gehandelt habe. Umfangreiches Beweismaterial sei sichergestellt worden. Hintergründe und Tatzeitraum seien Gegenstand laufender Ermittlungen.
Blutiger Krieg um Drogen – ein Toter
Der Fall erinnert an den Überfall auf eine Shisha-Bar in der Lübecker Straße. Dort wurde Terry S. im Juni 2022 mit einem Kopfschuss hingerichtet. Dass es bei dem Überfall nicht noch mehr Opfer gab, ist nach MOPO-Informationen nur der Tatsache geschuldet, dass die Waffe des Schützen, eine Uzi, Ladehemmung hatte.
Hintergrund des Attentats: Terry S. soll zusammen mit Mittätern einem Unterwelt-Boss mehrere Kilo Kokain gestohlen haben. Welche Skrupellosigkeit in der Szene herrscht, zeigte sich dann am 10. Januar in Tonndorf: In der Straße Am Pulverhof wurde ein Luxus-Audi von einer Vielzahl von Schüssen regelrecht durchsiebt. Kaisar R. – ein polizeibekannter 26-Jähriger – saß am Steuer und wurde von mehreren Projektilen getroffen. Er überlebte aber wie durch ein Wunder. Sein Beifahrer (30) erlitt einen Streifschuss.
„Die erschießen ihre Gegner einfach“, sagt ein Kripo-Mann
Auch die Schüsse, die kurz darauf in Osdorf fielen, sollen Teil eines in Hamburg tobenden Konflikts um die Macht im Drogenmilieu sein. In einer Grünanlage nahe des Elbe-Einkaufszentrums wurde einem Mann (33) ins Bein geschossen. „Die erschießen ihre Gegner einfach“, sagte Jan Reinecke vom Bund deutscher Kriminalbeamter (BDK) damals zur MOPO.
Horst Niens, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), sieht die aktuelle Eskalation mit großer Sorge. „Ein Polizist muss heutzutage jederzeit damit rechnen, dass sein Gegenüber eine Waffe zieht und abdrückt. Es muss dafür Sorge getragen werden, dass die Schutzausrüstung der Beamten immer dem neuesten Standard angepasst wird.“