„Massenschlägerei“ bei Fußballspiel: Polizei rudert zurück – das sagen die Klubs

Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot zu der Massenschlägerei aus, die bei einem Fußballspiel ausgebrochen war.
Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot zu der Massenschlägerei aus, die bei einem Fußballspiel ausgebrochen war.

Großalarm am vergangenen Sonntag auf der Veddel: Direkt nach Abpfiff eines Fußballspiels soll eine Massenschlägerei mit 100 Beteiligten ausgebrochen sein, die Polizei schickte ein Großaufgebot, sogar ein Hubschrauber war in der Luft. Doch dann korrigierten sich die Beamten. Von der Feuerwehr und den beiden Vereinen gibt es widersprüchliche Aussagen.

Fakt ist: Gegen 14 Uhr eskalierte ein Streit neben dem Sportplatz an der Slomanstraße, auf dem sich gerade die Mannschaften von Kosova 2 und Veddel United mit einem Unentschieden getrennt hatten. Die Polizei ging nach ersten Meldungen von einer eskalierenden Lage mit mehr als 100 Beteiligten aus.

Mehr als ein Dutzend Streifenwagen machten sich auf den Weg. Auch der Polizeihubschrauber „Libelle“ war im Einsatz, um die Kräfte vor Ort zu unterstützen.

Doch nun rudert die Polizei zurück: „Am Sonntag kam es zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen im Rahmen eines Kreisliga-Fußballspieles“, schreiben die Beamten auf X. „Da wir zunächst von einer Massenschlägerei ausgingen, wurden entsprechend viele Einsatzkräfte hinzugezogen. Wir bitten, die knappe Kommunikation zu entschuldigen.“

Massenschlägerei: Polizei nennt Details zum Stand der Ermittlungen

Ein Sprecher der Polizei nennt der MOPO weitere Details zum Stand der Ermittlungen. Demnach kam es nach dem Abpfiff zu einem Streit zwischen einem Kosova-Spieler, der vom Platz gestellt worden war, und seinem Kontrahenten. Daraufhin eilten etwa zehn bis 20 weitere Personen – laut Polizei vermutlich Spieler der beiden Vereine, möglicherweise auch Zuschauer – hinzu, um zu schlichten.

Mehrere Anrufer hatten währenddessen die Polizei alarmiert und von einer dreistelligen Anzahl von Beteiligten gesprochen. Daher rückten die Beamten mit einem Großaufgebot an. Momentan laufen Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Körperverletzung gegen die beiden beteiligten Spieler. Zur Schwere der Verletzungen machte der Sprecher keine Angaben.

Coach: Spieler sei am Boden liegend getreten worden

Die Feuerwehr sprach am Sonntag von einem Leichtverletzten, der vor Ort behandelt wurde und nicht in ein Krankenhaus kam. United-Trainer Sefa Yilmaz hingegen berichtet, einer seiner Spieler sei am Boden liegend getreten worden. Er habe sich später in ein Krankenhaus begeben, wo der Coach ihn besucht habe.

Eigentlich gilt das Verhältnis zwischen den beiden Veddeler Vereinen als entspannt. Doch am Sonntag wurde die Stimmung giftig.

Schiedsrichter zeigt Kosova-Spieler die Rote Karte

Erst hatte Schiedsrichter Onur Sinan Kaya einem Kosova-Spieler die Rote Karte (87. Minute) gezeigt. Dann schoss United auch noch in letzter Sekunde das Ausgleichstor zum 4:4-Endstand. Das Team habe das „wie einen Sieg gefeiert“, so United-Trainer Yilmaz.

Bis dahin war die Situation laut Yilmaz noch ruhig: Er sprach noch einige Minuten auf dem Platz mit seinem Team, während die Gastgeber von Kosova 2 den Platzabbau erledigten. Als United dann in die Kabine ging, soll die Stimmung gekippt sein.

Möglicherweise seien „beleidigende Worte“ gefallen

Ab da unterscheidet sich Yilmaz‘ Darstellung deutlich von den Angaben der Polizei: Möglicherweise seien vonseiten einiger United-Spieler „beleidigende Worte“ in Richtung der gegnerischen Akteure beziehungsweise deren Anhänger gefallen, sagte der United-Trainer, was diese sich nicht gefallen ließen. „Ich habe nur gesehen, wie plötzlich zwei unserer Spieler von einer Gruppe, die aus rund zehn bis 20 Personen bestand, attackiert wurden“, so Yilmaz, der präzisierte: „Einer unserer Spieler lag am Boden und ich habe gesehen, wie ihm gegen den Kopf und in den Nacken getreten wurde.“

Daraufhin seien die anderen Veddeler Spieler und er zum „Tatort“ geeilt, um die beiden Akteure zu beschützen. „Zum Glück ließ sich die Situation auch schnell beruhigen“, so Yilmaz, der „nicht genau sagen konnte“, um wen es sich bei den Angreifern handelte: „Ich denke aber, dass es keine Spieler von Kosova waren, weil die, wie gesagt, noch mit dem Abbau des Platzes beschäftigt waren“, so der United-Coach.

Polizei mit mehreren Streifenwagen an der Slomanstraße

Er sei „sehr froh darüber“ gewesen, dass zeitnah die Polizei mit mehreren Streifenwagen an der Slomanstraße erschien: „Insgesamt waren rund 100 Personen auf der Anlage, von der sich aber natürlich nicht alle an der Auseinandersetzung beteiligt haben.“

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Arton Mazrekaj, Vorsitzender des Klub Kosova, konnte auf Nachfrage „leider noch nichts zur Aufklärung der Geschehnisse beitragen“, da er am Sonntag selbst nicht vor Ort war. „Mir wurde bisher nur von einigen Augenzeugen berichtet, was passiert sein soll – aber ich möchte mir noch ein umfassenderes Bild machen, bevor wir eine Stellungnahme abgeben“, erklärte der langjährige Funktionär des albanischen Vereins. Dessen Verantwortliche werden laut Mazrekaj am heutigen Dienstag „zusammenkommen, um die Vorkommnisse intern aufzuarbeiten“. (Teile dieses Artikels erscheinen zuerst auf SHZ.de)