Mäuse, Kakerlaken und keine schussichere Verglasung – unhaltbare Zustände an Polizeirevier in St. Georg

Die alten Wachräume sind abgesperrt. In der provisorischen Wache dahinter häufen sich die Mängel. Foto: RUEGA

Mäuse, Dreck und Kakerlaken – schlimme Zustände in Hamburger Polizeiwache

Die Beamten am Polizeikommissariat 11 am Steindamm (St. Georg) sind schlimme Anblicke gewohnt. In ihrem Revierbereich rund um den Hauptbahnhof gehören Drogenelend, Armut, Schmutz und Kriminalität zum Alltag. Doch die Zustände an ihrer Wache scheinen nicht viel besser zu sein. Die Polizeigewerkschaft GdP spricht von einer „Zumutung“.

Das Hochhaus am Steindamm wirkt auf den ersten Blick durchaus modern. Unten im Erdgeschoss ist die Wache untergebracht. In den Etagen darüber die Kripo samt Drogendezernat. 1985 hatte die Behörde Teile des Gebäudes als neue Wache angemietet. Zuvor waren die Beamten an der Kirchenallee, gegenüber vom Hauptbahnhof, untergebracht.

Polizeiwache St. Georg: Mäuse, Kakerlaken und keine schusssichere Verglasung

Doch im Laufe der Jahre nagte der Zahn der Zeit an dem Gebäude am Steindamm. Zunächst machte den Beamten die Technik immer mehr zu schaffen. „Wegen der vielen Überwachungsmonitore und neuer Technik war es in den Sommermonaten in der Wache brütend heiß“, sagt ein Beamter zur MOPO.

In den Folgejahren gab es dann zunehmende Probleme mit Lüftung, Wasserrohren und Elektrik. Wie die „Bild“ berichtet, sollen die Zustände für die Beamten inzwischen unerträglich sein. Neben Mäusen, die sich über Lebensmittel hermachen und ihren Kot in Schränken hinterlassen sollen, hätten auch Kakerlaken das Haus eingenommen.

Für die dringend notwendigen Sanierungsmaßnahmen musste die Wache innerhalb des Gebäudes in die Räume einer ehemaligen Fahrschule umziehen.

Das Gebäude am Steindamm ist in die Jahre gekommen. Nun wird es saniert. RUEGA
Polizeiwache am Steindamm dringend Sanierungsbedürftig.
Das Gebäude am Steindamm ist in die Jahre gekommen. Nun wird es saniert.

Aber auch in der Behelfswache fühlen sich die Beamten nicht wohl. Notdürftig wurde hier ein Empfangstresen aus Europaletten und einem alten Schreibtisch aufgebaut, an dem Anzeigen aufgenommen werden. Abgetrennt ist der Tresen ebenfalls nur behelfsmäßig: „Schusssichere Scheiben sind das nicht“, sagt ein Beamter, der dort seinen Dienst verrichtet. Und das in einem Brennpunkt-Gebiet.

Das sagt die Polizeigewerkschaft GdP

„Unsere Kolleginnen und Kollegen haben ein Recht auf sichere und würdige Arbeitsbedingungen. Was hier seit Monaten passiert, ist kein Umbau – es ist eine Zumutung“, sagt Lars Osburg, stellvertretender Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) zur MOPO. Und weiter: „Die Verantwortlichen müssen endlich ihrer Verantwortung gerecht werden. Wir akzeptieren nicht länger, dass unsere Kolleginnen und Kollegen unter Bedingungen arbeiten, die weder sicher noch professionell sind. Eigensicherung ist kein Luxus, sondern Grundvoraussetzung. Wer das ignoriert, gefährdet bewusst die Menschen, die hier ihren Dienst leisten.“

Lars Osburg Vize-Chef der GdP in Hamburg ROEER
Mäuse, Kakerlaken und Hitze – Gewerkschaft bemängelt marode Polizeiwache in Hambrg
Lars Osburg Vize-Chef der GdP in Hamburg

Osburg bemängelt auch, dass es zwischenzeitlich zu Einschränkungen bei der Nutzung der Sanitäranlagen gekommen war. Und weiter, dass die Wege von der Übergangswache zu den Zellen in der alten Wache deutlich länger geworden sind und so ein Risiko bedeuten.

Das könnte Sie auch interessieren: „Mein Leben wurde kaputtgemacht“: Traditionslokal in St. Georg erhält Kündigung

Ein Polizeisprecher äußerte sich gegenüber „Bild“ zu den Vorwürfen. Demnach sollen nach Bekanntwerden der Mäuse- und Kakerlakenplage umgehend professionelle Schädlingsbekämpfer zum Einsatz gekommen sein. Die weiteren Beanstandungen seien der Modernisierung bei laufendem Betrieb geschuldet.

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
test