Kupferdiebstahl: Immer mehr Fälle in Hamburg und Umgebung

Buntmetall-Diebstahl auf dem Vormarsch – Schäden haben sich vervierfacht
Vor allem Kupferrohre und Kabel werden erbeutet.

Immer wieder kommt es zum Diebstahl von Kupferteilen an Gebäuden und an Bahntrassen. Organisierte Banden scheuen kein Risiko, um Kupferrohre, Dachverkleidungen und Kabel aus Gebäuden zu entwenden. Für die Kriminellen ein lohnendes Geschäft, denn für das Buntmetall werden hohe Preise bezahlt. Eine Polizeigewerkschaft spricht von organisierter Kriminalität.

Metallhändler zahlen je nach Reinheitsgehalt bis zu rund 13.000 Euro pro Tonne. Seit 2021 hat sich der Kupferpreis nahezu verdoppelt – ein zusätzlicher Anreiz für Täter. Geklaut wird auf Baustellen, in Gebäuden und an Bahntrassen – zunehmend aber auch an E-Ladesäulen und Anlagen der Energiewende. Die Deutsche Bahn gehört zu den besonders betroffenen Unternehmen. Neben hohen Sachschäden kommt es durch den Diebstahl häufig zum Erliegen des Zugverkehrs und zu stundenlangen Verspätungen.

Kupferdiebstahl: Deutsche Bahn besonders betroffen

Auch in Hamburg schlagen Kupferdiebe vermehrt zu. Die Polizei bestätigt diverse Fälle. Hier ermitteln die Beamten immer wieder, nachdem große Mengen Kabel von Baustellen sowie Kupferplatten von Gebäuden abmontiert wurden. Zuletzt wurden Dachverkleidungen einer Kapelle am Friedhof Billstedt gestohlen. Zivifahnder bemerkten das Geschehen und nahmen zwei Männer fest. Wie viel Kupfer in Hamburg gestohlen wird, kann die Polizei nicht beantworten: Kupferklau wird von der Polizei nicht gesondert erfasst.

In einem besonders schweren Fall legten Kupferdiebe im Februar dieses Jahres zeitweise sogar Teile der Infrastruktur des Hamburger Hafens lahm. Die Diebe schlugen an einer Pumpstation zu und stahlen meterweise Kupferkabel. Dadurch standen die Pumpen still.

Kupferdiebstahl in Hamburg und dem Umland. Schäden haben sich fast vervierfacht
In diesem Fall stahlen die Diebe hunderte Meter Kupferkabel von Bahntrassen. (Symbolfoto)

Ein ähnliches Bild zeigt sich im Kreis Stormarn. Seit Anfang des Jahres wurde in Bad Oldesloe eine steigende Zahl von Kupferdiebstählen registriert. Die Polizei wandte sich bereits an die Bevölkerung und bat um Hinweise und Wachsamkeit. Dort wurden zuletzt verstärkt Dachrinnen und Fallrohre aus Kupfer von Häusern gestohlen. Teilweise gingen die Täter besonders dreist vor und demontierten die Teile, obwohl sich Bewohner in den Häusern aufhielten.

Zunahme der Fälle auch in Schleswig-Holstein und Niedersachsen

Auch im Kreis Segeberg sind die Kupferdiebe aktiv. So wurden im Oktober vergangenen Jahres rund zwei Tonnen Kupferkabel aus einer Halle gestohlen. Im Landkreis Stade gab es im vergangenen Jahr rund 80 zum Teil schwere Taten. Für 2026 liegen noch keine Zahlen vor. Zuletzt wurden in der Gemeinde Hammah Dachrinnen und Fallrohre aus Kupfer von einem Gebäude gestohlen, in dem sich eine Sparkasse befindet. Die allgemeinen Zahlen für Schleswig-Holstein geben zu denken: Laut NDR schlugen die Täter 2021 landesweit 223 mal zu, 2024 lag die Zahl der Diebstähle schon bei 410.

Kupferdiebstahl: Diebe schrecken auch vor Gasrohren nicht zurück

Bundesweit wurden laut NDR im vergangenen Jahr Schäden von mehr als 40 Millionen Euro verzeichnet. Tendenz steigend. Seit 2020 habe sich die Schadenssumme fast vervierfacht. Neben dem Schaden geht von solchen Diebstählen oft auch eine Gefahr aus. Die Täter schrecken zum Beispiel auch nicht davor zurück, kupferne Gasrohre zu demontieren. Auch vor Leitungen mit Starkstrom machen sie nicht halt.

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„Kupferdiebstahl ist längst kein Bagatelldelikt mehr – wir sprechen hier auch über organisierte Kriminalität mit enormem Schadenspotenzial für unsere Infrastruktur und unsere Gesellschaft“, sagt Jan Reinecke, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter in Hamburg.

Jan Reinecke
Jan Reinecke vom Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK)

„Der rasant gestiegene Kupferpreis wirkt wie ein Brandbeschleuniger: Für Täter ist das Risiko gering, der Gewinn hoch – eine gefährliche Mischung.“ Laut Reinecke haben es die Beamten nicht nur mit Gelegenheitstätern zu tun, sondern zunehmend mit professionell organisierten Banden, die arbeitsteilig und überregional agieren. Teilweise kommen sie mit mehreren Fahrzeugen zu den Tatorten und transportieren größere Mengen in kurzer Zeit ab. „Die Polizei begegnet diesem Phänomen mit großem Engagement – aber die Realität ist: Die Ressourcen reichen nicht aus, um diesen teils hochmobilen Tätergruppen effektiv entgegenzutreten.“