Jagd auf Polizisten, Mütter in Panik: Der Silvester-Albtraum von Steilshoop

Der Polizei gelang es über Stunden hinweg nicht, die Lage in Steilshoop unter Kontrolle zu bringen: Auch Einsatzkräfte der Feuerwehr wurden attackiert.
Der Polizei gelang es über Stunden hinweg nicht, die Lage in Steilshoop unter Kontrolle zu bringen: Auch Einsatzkräfte der Feuerwehr wurden attackiert.

Sie zielten mit Schreckschusswaffen auf Balkone, beschossen Polizisten mit Feuerwerk und attackierten ein Feuerwehrauto so heftig mit Böllern und Raketen, dass der Einsatz abgebrochen wurde. Selbst Mütter mit Kindern wurden nicht verschont. Am Schreyerring in Steilshoop gab es in der Silvesternacht erschreckende Szenen. Ein Bewohner sagte lakonisch: „Das ist hier jedes Jahr so. Geil, oder?“ Für die Hamburger Polizei alles „silvestertypisches Einsatzgeschehen.“

Schon viele Stunden vor Mitternacht hantierten Jugendliche und Männer in der Straße mit Feuerwerk. Böller und Raketen flogen durch die Luft, Pyrotechnik wurde in der Hand gezündet oder auf den Boden gelegt und in Kauf genommen, dass sie in Menschengruppen hochgeht. Illegale Böller detonierten ohrenbetäubend laut, manche wurden gezielt auf Balkone und in die Menge geworfen, wie die MOPO vor Ort erlebte. Besonders verstörend: Zündler zielten mit Leuchtspurmunition aus Schreckschusspistolen auf Balkone.

Einsatzkräfte in Steilshoop attackiert

Die Situation eskalierte bereits gegen 19 Uhr so weit, dass Einsatzkräfte der Feuerwehr attackiert wurden. Sie waren auf dem Weg zu einem brennenden Müllcontainer, als das Fahrzeug aus einer Gruppe von etwa 30 bis 40 Personen heraus mit Feuerwerkstechnik beschossen wurde, wie ein Feuerwehrsprecher am Neujahrsmorgen sagte.

Kurz danach spitzte sich die Situation immer weiter zu. Selbst vor Frauen mit kleinen Kindern an der Hand machten die Männer keinen Halt. Es gab regelrechte Jagdszenen. Frauen umklammerten ihre Kinder und schrien Männer an, die gerade eine Rakete gezielt auf eine Mutter und ihr Kind abfeuerten.

Selbst die Polizei musste sich zurückziehen

Die Polizei versuchte, den Schreyerring zu räumen, die Einsatzkräfte wurden jedoch mit Pyrotechnik attackiert. Als ein Mann mit einer Feuerwerksbatterie auf die Polizisten zulief und die Beamten damit unter Beschuss nahm, zog sich die Polizei im Laufschritt zurück.

In Steilshoop mussten die Polizeikräfte mit Schutzschilden anrücken. Pyro-Chaoten attackierten die Kräfte mit Pyrotechnik.
In Steilshoop mussten die Polizeikräfte mit Schutzschilden anrücken. Pyro-Chaoten attackierten die Kräfte mit Pyrotechnik.

Erst mit Verstärkungen und mit Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken gelang es der Polizei um kurz nach Mitternacht, die Situation unter Kontrolle zu bringen und den Schreyerring zu räumen. Es kam zu mehreren Festnahmen. Mindestens ein Polizist wurde am Bein verletzt und vor Ort behandelt. Ein weiterer Polizeibeamter wurde leicht verletzt, als ihm ein Mann (50) ins Gesicht schlug.

Trotz Krawallen in Steilshoop: Polizei spricht von „ruhiger Nacht“

Für die Polizei Hamburg war der Jahreswechsel dennoch eine „ruhige Nacht“, wie Pressesprecherin Sandra Levgrün an Neujahr sagte. „Wir blicken auf eine vergleichsweise ruhige Nacht mit silvestertypischem Einsatzgeschehen zurück. Die meisten Menschen haben in Hamburg friedlich ins neue Jahr gefeiert. Die umfangreichen Präventionsmaßnahmen im Vorfeld und das flexible Einsatzkonzept mit frühzeitigem und konsequentem Einschreiten haben Wirkung gezeigt“, so die Sprecherin.

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Insgesamt wurden in der Silvesternacht neun Polizisten sowie ein Feuerwehrmann verletzt. Zwei von ihnen konnten ihren Dienst nicht fortsetzen.