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Illegaler Account-Handel: So leicht kommt man ohne Führerschein an ein Leihauto

Fahrzeug des Carsharing-Anbieters MILES
Mehrere Fahrer ohne Führerschein waren in Hamburg mit Mietwagen von Carsharing-Unternehmen unterwegs.

Kein Auto, kein Führerschein – kein Problem? Das scheint für einige die Devise zu sein: In Hamburg gab es zuletzt mehrere Fälle, in denen Fahrer ohne Führerschein mit Mietwagen von Carsharing-Unternehmen unterwegs waren – teils offenbar auch mit Konten unwissender Kunden, die von den illegalen Spritztouren gar nichts mitbekamen. Andere sollen ihre Konten aktiv verkauft haben. In jedem Fall scheint es nicht schwer zu sein, an solche Konten zu kommen – wenn man bereit ist, eine bestimmte Summe zu zahlen. Der Handel läuft über eine berühmt-berüchtigte Plattform.

Und wie fallen derartige Mogel-Fahrer auf? Zu oft gar nicht, wenn aber, dann oft durch schwere Unfälle, die sie verursachen. Oder wenn sie einer Kontrolle der Polizei entgehen wollen.

Kein Führerschein, aber bekifft

Wie etwa im September 2023 auf der Max-Brauer-Allee in Altona. Ein bekiffter 19-Jähriger ohne Führerschein war hier in einem Carsharing-Auto unterwegs. Als der junge Mann auf eine Absperrung zufuhr und ein Polizist ihm Anhaltesignale gab, soll der 19-Jährige diese ignoriert haben und auf den Beamten mit 76 km/h zugerast sein. Dabei wurde der Polizist frontal erfasst und auf der Motorhaube mitgerissen. Er erlitt schwere Verletzungen, der Fahrer fuhr einfach davon.

Polizistin kniet neben ihrem Kollegen
September 2023: Eine Beamtin leistet bei ihrem verletzten Kollegen Erste Hilfe.

Der 19-Jährige stellte sich später an einer Wache und gestand die Tat. Der Fall wird derzeit vor dem Landgericht verhandelt. Es geht um den Vorwurf des versuchten Mordes, weil der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft den Tod des Polizisten billigend in Kauf genommen habe. Dessen Anwalt sagt dazu: Es sei ein Fehler eines Jugendlichen gewesen, mehr sei es an sich nicht.

Und während des Prozesses schilderte der 19-Jährige, wie er überhaupt an das Carsharing-Auto gekommen sei: Er habe einen Tag vor dem Unfall 300 Euro zahlen müssen, dann habe man ihm ein „Miles“-Konto bereitgestellt, das er habe nutzen können. Der Kontakt sei über den Messengerdienst „Telegram“ gelaufen. Wer dahinterstecke, das könne er nicht sagen.

Tatsächlich sollen derartige Konto-Geschäfte derzeit nichts Ungewöhnliches sein. Hat man den richtigen Kontakt oder wird man vermittelt, dann ist es für relativ wenig Geld offenbar kinderleicht, an ein Auto zu kommen und dieses zu fahren. Die Preisspanne liegt zwischen 150 und 500 Euro.

Die Polizei erfasst dieses Phänomen statistisch nicht, kennt den Trend aber. Die Kripo arbeitet an mehreren Fällen. Manchmal werden Konten auch innerhalb der Familie weitergegeben.

Das sagt Carsharing-Anbieter „Miles“ zu den Vorfällen

Woher allerdings die Leute, die mit bestehenden Konten handeln, die Kundendaten haben, ist nicht bekannt. „Miles“, mit mehr als 3000 Fahrzeugen größter Carsharing-Anbieter der Stadt, betont, dass es kein Datenleck sei, sondern ganz offensichtlich bestehende „Miles“-Kunden ihre Konten verkaufen bzw. weitergeben.

„Solche Accounts werden beim Bekanntwerden gesperrt und zivilrechtlich verfolgt“, sagt eine „Miles-Sprecherin der MOPO. Genaue Zahlen nennt sie nicht, sie ergänzt aber, dass man über Sicherheitsmechanismen verfüge, die einen Gerätewechsel oder die Weitergabe von Konto-Daten erkennen würden. „Ich kann Ihnen versichern, dass wir zur Vermeidung von Missbrauch an und mit unseren Fahrzeugen viel unternehmen.“

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Statistisch werden tatsächlich auch keine Unfälle gesondert erfasst, bei denen Carsharing-Wagen involviert waren. Der Einschätzung eines Polizisten zufolge neigen Mietwagenfahrer ohnehin zu einer „eher ungehaltenen und wilden Fahrweise“. Wenn dann noch eine Person ein Auto fahre, die nicht einmal einen Führerschein besitze, seien Unfälle „quasi vorprogrammiert und werden definitiv billigend in Kauf genommen“.

Kein Auto, kein Führerschein – kein Problem? Das scheint für einige die Devise zu sein: In Hamburg gab es zuletzt mehrere Fälle, in denen Fahrer ohne Führerschein mit Mietwagen von Carsharing-Unternehmen unterwegs waren – teils offenbar auch mit Konten unwissender Kunden, die von den illegalen Spritztouren gar nichts mitbekamen. Andere sollen ihre Konten aktiv verkauft haben. In jedem Fall scheint es nicht schwer zu sein, an solche Konten zu kommen – wenn man bereit ist, eine bestimmte Summe zu zahlen. Der Handel läuft über eine berühmt-berüchtigte Plattform.