„Ich hatte keine Angst“: Der Mann, der am Hauptbahnhof Schlimmeres verhinderte

Muhammad Al Muhammad hatte keine Angst um sein Leben, als er die Frau stoppte – er wollte nur das der anderen retten.
Muhammad Al Muhammad hatte keine Angst um sein Leben, als er die Frau stoppte – er wollte nur das der anderen retten.

Es war eine Nachricht, die Menschen in ganz Hamburg und darüber hinaus am Freitag schockierte: Eine Frau stach am überfüllten Hauptbahnhof wahllos auf Menschen ein, mindestens 18 wurden verletzt, viele davon schwer. Zwei Männer verhinderten, dass die Täterin noch mehr Schaden anrichten konnte. Einer der beiden, ein 19-jähriger Syrer, hat mit der MOPO über die schrecklichen Sekunden gesprochen.

Dass plötzlich so viel über ihn berichtet wird, hatte Muhammad Al Muhammad nicht kommen sehen – und sich wohl auch nicht gewünscht. Alle wollen mit dem Helden sprechen, der am vergangenen Freitag verhinderte, dass die 39-jährige Lydia S. in ihrem Wahn nicht noch mehr Menschen lebensgefährlich verletzen konnte.

Hauptbahnhof-Held schildert seine Gedanken vom Freitag

Der 19-Jährige hatte am Freitag einen Freund in Hamburg besucht, mit der Bahn wollte er zurück nach Buchholz, wo er gerade lebt. Der Bahnsteig war völlig überfüllt, als es passierte. „Ich habe mich zu der Frau umgedreht, weil alle anderen es auch getan haben“, berichtet Muhammad Al Muhammad im Gespräch mit der MOPO.

Er kann kaum Deutsch oder Englisch und ist überwältigt von der Aufmerksamkeit, die er seit Freitag erfährt. Auch er ist noch mitten im Prozess, das Erlebte zu verarbeiten. Nur am Rande bekam er das Ausmaß der Katastrophe mit, es ging viel zu schnell. Eins wusste er aber: „Ich wollte sie einfach nur stoppen. Nicht mehr und nicht weniger.“

Polizei und Spurensicherung im Einsatz nahe des Tatorts: Mittlerweile sind wieder alle Gleise freigegeben.
Polizei und Spurensicherung im Einsatz nahe des Tatorts: Mittlerweile sind wieder alle Gleise freigegeben.

Was er tat, sei ihm eine Ehre gewesen, sagt Muhammad Al Muhammad. „Ich habe einfach im Moment gelebt. Ehrlich gesagt, ich habe nichts gefühlt – emotional hat es mich nicht berührt“, schildert er die dramatischen Sekunden, in denen er wie im Tunnel vor allem eines tat: Handeln!

Als er auf die Täterin Lydia S. zulief, hatte ein anderer Mann, ein Tschetschene, ihr bereits ins Knie getreten und sie so zu Boden gebracht. Muhammad Al Muhammad fixierte sie dort. Als die Polizei kam, war dem 19-Jährigen etwas mulmig zumute. Er berichtet, wie er mit erhobenen Händen auf die Beamten zuging: „Ich wollte nicht, dass sie denken, ich hätte etwas getan.“ Er selbst habe mehrmals die Polizei gerufen. Das alles passierte innerhalb von wenigen Minuten.

„Ich hatte keine Angst“, bekräftigt Muhammad Al Muhammad noch einmal. „Mein Hauptanliegen war, die Frau aufzuhalten, damit sie nicht noch mehr Menschen schadet oder niemand fälschlicherweise beschuldigt wird.“

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Dem jungen Mann, der nach eigenen Angaben 2022 aus Syrien über die Türkei nach Deutschland kam, werden jetzt viele Fragen über seine persönliche Vergangenheit und die Heldentat gestellt. Doch er schaut vor allem nach vorne. „Ich habe als Mechaniker in Syrien und in der Türkei gearbeitet. In Hamburg möchte ich studieren und ebenfalls als Mechaniker arbeiten“, berichtet er.