„Hörte nur Schreie“: Junge (15) in den Tod getrieben – was geschah hinter dieser Tür?

Eine versiegelte Wohnungstür
Hinter dieser Tür kam es zur Auseinandersetzung: Ein 15-Jähriger stürzte daraufhin aus dem achten Stock in den Tod.

Einer erzählt, er habe Geschrei gehört. Andere haben gesehen, wie der Jugendliche starb. Eine Frau rannte sogar noch nach draußen, um erste Hilfe zu leisten. Im Süden Hamburgs ist in der Nacht zu Montag ein 15-Jähriger von einem Balkon im achten Stock in den Tod gestürzt. Was geschah zuvor in der Wohnung in Wilstorf? Die MOPO sprach vor Ort mit den Bewohnern des Hochhauses – und stieß auf Ungläubigkeit und Entsetzen.

Soltauer Ring, kurz nach 9 Uhr, acht Stunden nach dem tödlichen Sturz: Ein silberner Mercedes fährt auf den Hinterhof des 14-stöckigen Hochhauses. Zwei Bestatter steigen aus, verladen den leblosen Körper, der unter einem roten Tuch verborgen ist, und verbeugen sich kurz. Dann schließen sie die Kofferraumklappe. Anschließend fahren sie mit dem Körper des 15-Jährigen davon, der hier gegen 1 Uhr nach dem Sturz starb.

Anwohnerin: „Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen“

Eine Frau lehnt an dem Geländer ihres Balkons und raucht. Sie sei von lauten Geräuschen wach geworden, erzählt sie. Dann sei sie hinuntergeeilt und habe dem Jugendlichen erste Hilfe geleistet. Wenig später seien die Rettungskräfte gekommen. Mehr möchte sie nicht sagen.

„Ich habe erst nur das ganze Blaulicht gesehen“, erzählt ein Mann, der ebenfalls in dem Haus wohnt. „Dann habe ich vom Balkon runter geschaut. Da versuchten sie gerade, ihn wiederzubeleben“. Erfolglos. Der Jugendliche erlag noch am Unfallort seinen schweren Verletzungen.

Eine junge Frau steuert zielstrebig auf den Vordereingang des Hauses zu. „Ich habe diese Geräusche gehört und konnte die ganze Nacht nicht schlafen“, sagt sie. Dann verschwindet die junge Frau hinter der Glastür und arbeitet sich in ihre Wohnung in der achten Etage vor, wo bis mittags noch die Spuren gesichert wurden. Inzwischen ist die Wohnungstür amtlich versiegelt. Ein weiterer Nachbar bestätigt, er habe „einen Haufen Geschrei“ gehört.

Ein Jugendlicher fällt in der Nacht vom Balkon eines Hochhauses in Hamburg in den Tod.
Die Spurensicherung bei der Arbeit am Innenhof des Hochhauses am Soltauer Ring.

Vor dem Sturz soll es in der Wohnung zum Streit gekommen sein. Eine Gruppe hat laut Polizei gewaltsam die Wohnung gestürmt, in der das Todesopfer sich mit drei weiteren Männern im Alter von 17 bis 21 Jahren aufhielt. Laut unbestätigten Medienberichten sollen alle vier aus dem Irak stammen. Noch ist unklar, ob der 15-Jährige von dem Balkon gestoßen wurde, auf der Flucht sprang oder aus einem anderen Grund stürzte. Die Polizei erklärt, sie könne ein Fremdverschulden nicht ausschließen.

Die drei anderen Männer in der Wohnung blieben unverletzt. Auch eine Machete wurde laut Lagedienst der Polizei in der Wohnung gefunden. Ob sie bei dem Überfall eine Rolle spielte, muss jetzt geklärt werden.

Fünf Tatverdächtige in Hammerbrook festgenommen

In der Nacht fahndete die Polizei mit mehr als 50 Beamten nach den Tätern. In Hammerbrook kontrollierten sie in diesem Zusammenhang zwei Taxis. Die fünf Fahrgäste, eine 22-jährige Irakerin und vier Syrer im Alter von 16 bis 20 Jahren, wurden vorläufig festgenommen, da die Täterbeschreibung auf sie zutraf. Am Mittag war noch eine Hundertschaft vor Ort und durchsuchte die Umgebung. Mordkommission und Staatsanwaltschaft haben die Ermittlungen übernommen.

Hochhaus Wilstorf
Aus dem 8. Stock dieses Hochhauses stürzte der 15-Jährige in den Tod.

In dem Haus leben mehr als 100 Parteien, das Gebäude wirkt etwas heruntergekommen. „Das ist hier alles sehr anonym“, sagt ein Bewohner. Einige sagen, weder von dem Streit noch von dem Sturz etwas mitbekommen zu haben. Eigentlich sei alles ruhig in dem Haus, erzählten einige ungläubig.

Das könnte Sie auch interessieren: Köfte, Crack und krumme Geschäfte: Um 6 Uhr wird das Elend am Steindamm weggefegt

Gegen 10 Uhr steht nur noch ein einzelner Wagen der Polizei vor dem Haus. Das rot-weiße Absperrband der Polizei ist verschwunden. Der Hinterhof wurde geräumt. Zurück bleibt ein Haufen Sand, mit dem das Blut aufgesaugt wurde und die Reste von Kanülen und Medikamenten. Letzte Spuren, die darauf hindeuten, dass hier in der Nacht ein Jugendlicher starb.

Einer erzählt, er habe Geschrei gehört. Andere haben gesehen, wie der Jugendliche starb. Eine Frau rannte sogar noch nach draußen, um erste Hilfe zu leisten. Im Süden Hamburgs ist in der Nacht zu Montag ein 15-Jähriger von einem Balkon im achten Stock in den Tod gestürzt. Was geschah zuvor in der Wohnung in Wilstorf? Die MOPO sprach vor Ort mit den Bewohnern des Hochhauses – und stieß auf Ungläubigkeit und Entsetzen.