Hochzeits-Streit, Ehre verletzt: Warum stach der Parkplatz-Killer zu?

Blumen, Kerzen und Fotos des Verstorbenen wurden vor dem Restaurant „Sepideh“ niedergelegt.
Blumen, Kerzen und Fotos des Verstorbenen wurden vor dem Restaurant „Sepideh“ niedergelegt.

Mortesa S. wurde am Donnerstagabend auf dem Hinterhof seines Restaurants in Marienthal erstochen. Der zweifache Familienvater und Gastronom starb mit gerade mal 41 Jahren. Ein kleiner Streit um eine Tischreservierung sei eskaliert, hieß es zunächst. Doch wie die MOPO erfuhr, soll es bei dem tödlichen Angriff eigentlich um eine verwehrte Heirat und gekränkte Ehre gegangen sein.

Rosen, Kerzen und handgeschriebene Trauerkarten zieren den Eingang des Restaurants „Sepideh“ an der Hammer Straße. Vier Tage nach der Tat erstreckt sich das Blumenmeer über die gesamte Breite der großen Glasfront. Darin stehen gerahmte Fotos von Mortesa S., der sanft in die Kamera lächelt. Bilder von dem Mann, der am Donnerstag im Hinterhof des Lokals erstochen wurde.

Streit eskaliert auf Restaurant-Parkplatz

Es ist etwa 21 Uhr, als in dem persischen Restaurant der Streit ausbricht. Inhaber Mortesa S. bittet den Eindringling nach draußen, hinter das Lokal auf den Parkplatz, um die Situation in Ruhe und abseits der Gäste, zu klären. Doch dann zückt sein Gegenüber ein Messer, sticht zu – und verletzt den 41-Jährigen so schwer, dass er kurz darauf im Krankenhaus stirbt.

Rund 40 Angehörige versuchten am Abend, zu Mortesa S. in die Klinik zu gelangen. Die Polizei war mit mehr als 30 Streifenwagen vor Ort. Der Täter befindet sich währenddessen auf der Flucht. Auch am Montag ist er noch nicht gefasst.

Restaurant „Sepideh“
Das Restaurant „Sepideh“ in der Hammer Straße 5 gilt als Top-Adresse für persisches Essen. Am Donnerstag wurde der Restaurantchef getötet.

Kurz nach der Tat hieß es zunächst, bei dem Streit sei es lediglich um ein Hausverbot gegangen. Der Täter hätte wenige Tage zuvor an einem reservierten Tisch Platz genommen und sich geweigert, sich umzusetzen. Dann soll er am Donnerstag wütend zurückgekehrt sein, und die Situation sei eskaliert.

Nach MOPO-Informationen soll ein Heiratsstreit der Grund für die Auseinandersetzung gewesen sein. Aus dem Bekanntenkreis des Opfers heißt es, der Täter habe die Nichte von Mortesa S. heiraten wollen. Sie soll regelmäßig in dem Restaurant ausgeholfen haben. Ihre Familie stimmte der Hochzeit nicht zu. „Er hat sich wohl in seiner Ehre gekränkt gefühlt“, sagt ein Bekannter.

Lokal „Sepideh“ wegen Trauerfall geschlossen

Was in einigen Medien über die angebliche Hochzeits-Ursache geschrieben werde, sei alles Quatsch, behauptet hingegen ein Mann, der sich am Montagnachmittag im Restaurant aufhält. Er sei ein Freund des Verstorbenen. „Wir wissen selbst nicht, warum Mortesa sterben musste.“

Das Lokal hat „wegen Trauerfall“ bis auf Weiteres für Gäste geschlossen, heißt es auf einem Schild am Eingang. Die Geschäfte sollen gut gelaufen sein, das Restaurant war immer voll. Vor zehn Jahren eröffnete der zweifache Vater das persische Lokal. Auch ein Café auf der gegenüberliegenden Straßenseite hat zu. Mortesa S. soll es gemeinsam mit seinen Brüdern betrieben haben. „Die Familie steht noch komplett unter Schock“, sagt der Freund.

Hunderte Beileidsbekundungen unter Instagram-Post

In einem Trauerpost des Lokals auf Instagram heißt es: „Wir sind alle tief traurig über den Verlust unseres geliebten Bruders. Sein Lächeln, seine Worte, seine Präsenz – all das wird uns unendlich fehlen.“ Darunter bekunden hunderte Menschen ihr Beileid: „Möge er in Frieden ruhen“, „Er war immer so nett, wenn man dort essen war“, „Er war einer der liebsten Menschen, die ich kannte.“

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An der Hammer Straße bleiben auch am Montag noch im Minutentakt Passanten vor dem Restaurant stehen, begutachten die Karten, Blumen – und Fotos von dem Menschen, der hier am Donnerstag sein Leben verlor.