Hinrichtung im Treppenhaus – jetzt gibt es neue Details über das Mordopfer
Mitten in der Innenstadt wird ein 31-jähriger Mann abends in seinem eigenen Treppenhaus erschossen. Das war am Sonntag. Tatort: Herrengraben, in der Nähe der City. Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass es sich um eine Hinrichtung handelt. Aber was ist das Motiv? Hat Florian B. Geschäfte mit den falschen Leuten gemacht? Ist er jemandem auf die Füße getreten, der keinen Spaß versteht? Nach und nach kommen neue Details über das Leben des Mordopfers ans Licht.
Auf seinem Instagram-Account hat sich Florian B. als erfolgreicher Unternehmer inszeniert. Immobilien, Reitsport, Nachtclubs – B. verdiente in verschiedensten Branchen sein Geld, war ein Tausendsassa. „Er hatte das Glück, der Sohn gutbetuchter Eltern zu sein“, so ein Freund zur MOPO.
Die Geschäfte liefen offenbar gut. B. verfügte über einen großen Fuhrpark aus lauter Nobelfahrzeugen, darunter ein Porsche, ein Lamborghini und eine Mercedes G-Klasse. Auf Instagram postete Florian B. gerne Fotos, die ihn an hippen Orten entlang der Adria zeigen.
Florian B. inszenierte sich bei Instagram als erfolgreicher Unternehmer
Zusammen mit seinem Bruder soll B. einen angesagten Club in Kitzbühel betrieben haben. Zu den Gästen gehörten mutmaßlich neben der Schickeria auch Leute aus dem Milieu. Es existiert ein Podcast, in dem Florian B. darauf angesprochen wird, wie er die Gratwanderung schafft: einerseits erfolgreicher Unternehmer, andererseits Kontakte ins Milieu. Seine Antwort: „Ich kann Berufliches und Privates gut trennen. Es gibt aber immer mal wieder Berührungspunkte.“
Unklar ist, ob diese „Berührungspunkte“ dazu geführt haben, dass er in Konflikt geriet mit Polizei und Justiz. Laut NDR musste Florian B. in Bayern bereits eine längere Haftstrafe absitzen. Von fünf Jahren ist die Rede. Hintergrund sollen Drogengeschäfte gewesen sein. Damals lebte B. in einem Nobelvorort von München.
Zurück in seiner Heimatstadt Hamburg engagierte sich der Unternehmer zuletzt im Reitsport. Er betrieb einen Handel an der Rothenbaumchaussee, vertrieb harmloses Zubehör für Reitställe: darunter Matten für Pferdeboxen und Spielzeuge für Reitpferde, sogenannte „Boxentiere“, handgenäht und aus Leder. Genau das Richtige für reiche Pferdebesitzer, die sonst schon alles besitzen …
Florian B. hatte Kontakte in die Drogenszene: In Bayern saß er schon im Gefängnis
Die Polizei rätselt noch, warum B. sterben musste. Sie ermittele in alle Richtungen, so ein Sprecher. Mögliche Hintergründe, die zu der Tat geführt haben könnten, seien Gegenstand laufender Ermittlungen. Bisher habe noch kein Tatverdächtiger ermittelt oder gar festgenommen werden können.
Wie die letzten Stunden im Leben von Florian B. abgelaufen sind, konnte die MOPO inzwischen rekonstruieren: Tagsüber war er in einem asiatischen Restaurant auf dem Kiez essen. Kurz vor der Tat hielt er sich Sonntagabend noch in der Kaifu-Lodge in Eimsbüttel auf und trainierte. Ein Video, das er im Internet postete, zeigt ihn an einem Gewichtsturm. Dies ist die letzte Aufnahme, die ihn lebend zeigt.
Als er gegen 22.10 Uhr an seiner Wohnadresse, einem umgebauten Kontorhaus am Herrengraben, ankam und die Tür zu seiner Wohnung aufschließen wollte, fielen Schüsse. Der Killer hatte ihm offenbar dort aufgelauert.
Nachbarn sahen den Killer fliehen
Von mehreren Projektilen getroffen, sackte Florian B. leblos zusammen. Nachbarn hörten die Schüsse und alarmierten die Polizei und den Rettungsdienst. Ein Notarzt versuchte noch, B. wiederzubeleben, aber vergeblich. Er starb im Treppenhaus in einer großen Blutlache.
Nachbarn berichten, dass der Täter in Richtung Baumwall geflohen sei. Ein Anwohner erzählt, er habe noch gesehen, wie der Täter etwas in die Innentasche seiner Jacke gesteckt habe, vermutlich die Waffe. Der Mörder habe „südländisch“ ausgesehen und sei zwischen 30 und 40 Jahre alt. „Eine sofort eingeleitete Fahndung mit mehr als zwei Dutzend Streifenwagen, Einsatzkräften der Bundespolizei sowie einem Diensthund führte nicht zur Festnahme des Täters“, so ein Polizeisprecher.
Die Ermittler bitten um Hinweise aus der Bevölkerung: Können Sie sachdienliche Hinweise machen? Dann melden Sie sich bei der Polizei unter Tel. (040) 4286 56789.