Hamburgs Polizei hat Großes vor: Die Drohnen-Revolution

Eine Polizeidrohne fliegt am Hafen entlang.
Eine Polizeidrohne fliegt am Hafen entlang. Die Drohnen gehören bei der Polizei in vielen Fällen zum Alltag – aber sie sollen weiter entwickelt werden. (Archivbild)

In Hamburg passiert ein Unfall. Noch bevor der erste Streifenwagen losfährt, hebt irgendwo in der Stadt eine Drohne ab, fliegt über den Verkehr hinweg und ist als Erste vor Ort – völlig autonom. So könnte die Zukunft aussehen. Die Polizei testet derzeit in einem Pilotprojekt, was künftig die eigene Arbeit revolutionieren soll.

Kurz nach 22 Uhr steigen sie über der Elbe empor: 1111 Drohnen. Beim Auftakt des Hafengeburtstags leuchten sie in bunten Formationen, zeichnen das Hamburg-Wappen an den Himmel, die Skyline, eine Friedenstaube. Es ist die größte Drohnenshow, die es zu diesem Zeitpunkt in Deutschland je gegeben hat. Kaum zu übersehen. Doch während die Blicke im Dunkeln nach oben gehen, läuft abseits der XXL-Lichtershow ein zweiter Drohneneinsatz. Leiser, kleiner, unspektakulärer – aber für die Zukunft der Stadt womöglich interessanter.

Polizeidrohnen gehören bei Großveranstaltungen zum Alltag

Die Polizeidrohnen zogen an dem Wochenende unauffällig ihre Kreise, wie so oft bei Großveranstaltungen, Demonstrationen oder Festen wie Halloween. Nach Angaben der Polizei kommen Drohnen seit 2021 regelmäßig zum Einsatz. Im Zuge der Fußball-EM 2024 wurde das Aufgebot noch einmal verstärkt. Mittlerweile verfügt die Polizei über rund 150 ausgebildete Drohnenführer und etwa 40 Drohnensysteme.

Sebastian Krause, Leiter der Grundsatzabteilung der Schutzpolizei, der unter anderem für Drohnenprojekte zuständig ist.
Sebastian Krause, Leiter der Grundsatzabteilung der Schutzpolizei, der unter anderem für Drohnenprojekte zuständig ist. (Archivbild)

„Drohnen verschaffen uns in kürzester Zeit einen Überblick über Einsatzlagen, unterstützen sowie entlasten unsere Kräfte vor Ort und können im Ernstfall sogar Leben retten“, sagt Sebastian Krause, Leiter der Grundsatzabteilung der Schutzpolizei, der unter anderem für Drohnenprojekte zuständig ist. Etwa bei der Suche nach Vermissten: Im November 2024 konnte ein 89-Jähriger mithilfe einer Drohne gerettet werden. Er war gestürzt, die Sonne bereits untergegangen, doch mit der Wärmebildfunktion gelang es, ihn zu finden. „Drohne gut – alles gut“, schrieb die Polizei damals.

Drohnen sollen weiter verbessert werden

Aber wie heißt es: „Das Bessere ist der Feind des Guten.“ Und auch die Drohnen sollen besser werden, unabhängiger. „Gerade mit Blick auf den rasanten Innovationszyklus ist es für die Polizei Hamburg entscheidend, aktuelle Technologien zu erproben und Entwicklungen kontinuierlich im Auge zu behalten, um unsere Arbeit auch zukünftig so effektiv wie möglich zu gestalten“, sagt Krause. Irgendwann sollen die Drohnen autonom zum Einsatzort fliegen.

Die Möglichkeiten sind vielfältig: Ein Unfall im Feierabendverkehr? Die Drohne fliegt über den Stau hinweg. Ein Überfall in der Einkaufspassage? Die Drohne ist zuerst vor Ort und kann den Täter verfolgen. Eine Schießerei? Die Drohne schickt Bilder vom Tatort, die Beamten können sich einen Überblick verschaffen, ohne sich in Gefahr zu bringen.

Der Hamburger Luftraum ist herausfordernd

So weit ist es noch nicht. Der Hamburger Luftraum wird wegen des zentralen Flughafens und des Airbus-Flugplatzes in Finkenwerder streng kontrolliert. Der rechtliche Rahmen für autonomes Fliegen ist noch nicht geklärt. Das autonome Fliegen müsste mit den strengen Datenschutz-Vorgaben vereinbar sein. Aber genau in diese Richtung könnte sich der Einsatz von Drohnen langsam entwickeln – mit Testflügen wie dem am Hafengeburtstag.

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Denn eine Sache war anders: Die Beamten testeten das Fliegen außerhalb der Sichtweite, wie die „Welt“ zuerst berichtete. Der Pilot kann das Gerät nur mithilfe übertragener Kamerabilder steuern. Die Drohne startet aus einem sogenannten Leitstand, einer großen Kiste mit zwei Klappen, die sich automatisch öffnen und den Weg für die Drohne freigeben. In diesen Kisten könnten die Geräte irgendwann dauerhaft in der Stadt verteilt stationiert werden, bis sie gebraucht werden.

Zum ersten Mal wurde das Silvester 2025/26 ausprobiert. Das Vorgehen soll weiter getestet und ausgebaut werden – bis eines Tages vielleicht wirklich eine Drohne als Erste am Einsatzort ist.